Tag 1041 – Der Bauch und ich.

Neulich bekam ich zu diesem Foto hier den Kommentar, ich hätte einen schönen Bauch. Und ich antwortete, dieser Bauch sei das Produkt von guter Grundfitness, dann zwei Schwangerschaften, zweimal Schilddrüsenscheiß und jetzt sechs Monaten Training. Das wurde als Verteidigung verstanden, dabei war es gar nicht so gemeint gewesen. Seitdem wollte ich das mal näher ausführen, und heute, als ich in einer Umkleidekabine so ein hautfarbenes Ganzkörper-Shaping-Dings anhatte, fasste ich den Entschluss, das auch zu tun.

Also. Mein Bauch. Einstmals war er super trainiert, ganz flach und vor allem fest. Das ist aber wirklich schon sehr lange her, nämlich schätzungsweise 15-18 Jahre. Dann bekam ich ohne erkennbaren Auslöser so ein kleines (also wirklich ein sehr kleines) rundes „Frauenbäuchlein“. Also halt eine kleine Minikugel unterm Bauchnabel, an einigen Tagen und in einigen Phasen deutlicher zu sehen als an/in anderen. Anfangs störte mich dieses Bäuchlein total, weil man das sah, wenn ich saß, das rollte sich und plötzlich konnte man auf die Idee kommen, das sei keine Kugel sondern eine Rolle. Ich fühlte mich unwohl und versuchte das wegzutrainieren, mit mäßigem Erfolg. Irgendwann fand ich mich damit ab, dass mein Bauch halt, egal wie trainiert ich war, nicht wieder ganz flach wurde, aber so richtig happy war ich nicht damit.

Dann bekam ich ein Kind, der Bauch wurde riesig, bekam Schilddrüsenscheiß und der Bauch ging tatsächlich ganz weg, bekam noch ein Kind und der Bauch wurde wieder riesig, bekam wieder Schilddrüsenscheiß, bemerkte es aber rechtzeitig, sodass sich der Gewichtsverlust dieses Mal in Grenzen hielt und dann trainierte ich viel, auch den Bauch, vor allem aber die gesamte Rumpfmuskulatur, und dann ist jetzt.

Wie ist mein Bauch jetzt? Nun, optisch nicht so viel anders als damals mit meinem Frauenbäuchlein. Etwas breiter ist er geblieben, weil sich die Rektusdiastase nicht wieder ganz geschlossen hat, etwa einen Zentimeter habe ich da also jetzt mehr. Der Bauchnabel sieht etwas anders aus. Je nach Zyklusphase, Blasenfüllstand und dem zeitlichen Abstand zur letzten Mahlzeit habe ich ein mehr oder weniger deutliches Frauenbäuchlein unterhalb und mehr oder weniger erkennbare Bauchmuskeln oberhalb des Nabels. Die Haptik hingegen hat sich im Vergleich zu früher deutlich verändert, denn mein Bauch ist jetzt weich. Über den Bauchmuskeln spannt sich jetzt keine straffe Teenie-Haut mehr, sondern man kann die wattige Haut-Speckschicht munter hin- und herschieben und darin herumwalken (etwas, das die Kinder auch gerne tun, das ich aber meist sehr schnell unterbinde). Wenn ich beim Sport im Vierfüßlerstand stehe, hängt dieser Teil des Bauches richtig runter, wie bei einem Beuteltier. Also, so stelle ich mir das vor, wenn sich ein Beuteltier so hinstellen würde, dass da dann einfach der Beutel runterhängt.

Tatsächlich gucke ich in den Spiegel (und das tue ich oft, ich bin einigermaßen eitel), pieke ein bisschen in den weichen Bauch, bohre mich manchmal zu den Muskeln durch und freue mich darüber, wie fest die sind und dann schaue ich ganz genau hin und finde mich total in Ordnung so. Weich. Mit einem Bauch, dem man ansieht, was er geschafft hat und was er mitgemacht hat. Vielleicht ist auch mein Blick auf meinen Körper weicher geworden, wer weiß das schon so genau. Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht mehr dauernd denke „Oha, so nicht sitzen, der Bauch!“. Objektiv gesehen war ich vor 10 Jahren noch viel näher am allgemeinen Bild von Schönheit, dabei mag ich meinen Körper jetzt in der post-Straffheits-Phase viel mehr.

Wie kam es dann zum Shapewear-Vorfall? Nun, der oben gezeigte Rock ist ein biiiisschen durchsichtig. Nicht schlimm, aber so, dass sich meine üblichen weißen Unterhosen abzeichnen. Es sieht dann von oben nach unten so aus: Rockbündchen, haut-durchscheinender Rock, weiß-durchscheinender Rock. Für das Foto hatte ich deshalb auch eine Unterhose bis zum Anschlag hochgezogen, das ist nur nicht praktikabel, wenn man auch gehen möchte. Oder atmen. Also wollte ich mir neue Unterhosen kaufen und dachte mir, ich könnte es ja mal mit so Shapewear probieren, wer weiß, was die noch rausreißt und dann könnte ich ja auch bestimmt ganz toll sitzen ohne dass der Bauch in seiner ganzen Weichheit irgendwelche Sachen macht, die ein Gegenüber vielleicht mit nicht ganz so weichem Blick betrachtet. Und weil ich keine Ahnung habe, habe ich heute bei Lindex (ja eh meinem favorisierten Unterwäsche-Laden) einfach alle verfügbaren Modelle in 36/38 und 40/42 mit in die Umkleide genommen. Beim Anprobieren fing ich bei „festerer Schlüpper“ an und arbeitete mich bis zu „20er-Jahre-Badeanzug in hautfarben“ vor. Die Größe war schon eine Hürde, weil 40/42 zwar bequemer saß, aber rutschte (die wenig formenden Versionen) oder Falten warf (die stärker formenden). 36/38 war bei einigen Unterhosen-Modellen am Beinausschnitt zu eng, sodass es da eine Beule gab und beim Body und beim Badeanzug war einfach die Gesamtlänge viel zu kurz (als wären schlanke Frauen automatisch auch viel kürzer). Und so stand ich in der Umkleide, probierte und probierte, beäugte meinen Körper kritisch von allen Seiten, alle Fältchen und Röllchen und den weichen Bauch und den weichen Bauch in der plattgedrückt-Version und die Kalbsschnitzel Brüste und ich fragte mich, ob man bei so einem Body oder auch dem Badeanzug den BH wohl drüber oder drunter trägt und ob sich da keiner fragt, warum jemand vier BH-Träger hat und ich guckte ganz kritisch meinen Bauch und meine Taille an und die Beinausschnitte und den Po und dann zog ich mich an und hängte den ganzen Kram auf den Nein-Danke-Ständer und holte ganz normale High-Waist Unterhosen in weiß. Und am Ende hätte ich dann fast sechs davon gekauft. Das Durchschein-Problem beheben die nämlich genauso und mein Bauch gefällt mir formlos un-shaped immernoch am Besten. Das hat selbst mich ein bisschen überrascht. Aber positiv.

Keine „gefürchteten Bauch-Weg-Schlüpfer“ wie in Bridget Jones.

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Auto-Lobhudelei: voll zufrieden mit meiner Entscheidung und allem. Außerdem hat noch nie wer so effizient die relevanten Infos (Essen ja/nein? Wann bringen? Wann holen? Wann anfangen?) Bei der Erzieherin von Pippis neuer Kita abgefragt wie ich heute.

Tag 1039 – Die 45-Minuten-Bluse.

Jeah, Klickbait-Titel! In Wirklichkeit hab ich deutlich länger dafür gebraucht, aber mit Übung sind 45 Minuten gut machbar. Im Grunde ist der Schnitt nämlich so easy, dass man ihn kaum Schnitt nennen kann. Aber sehen Sie vielleicht erstmal hier, was meine Inspiration war. Eigentlich war ich nämlich drauf und dran, einfach ne Bluse zu kaufen. Meine bevorzugte Marke für seriösere Kleidung, die trotzdem noch keine Niere kostet, ist seit jeher Esprit und die einzigen paar seriösen Kleidungsstücke, die ich besitze, sind alle von da. (Und ich winke an der Stelle mal in die Schweiz.) Leider sind die paar Sachen, die ich hab, aber alle eher langärmlig und warm, ich hätte halt gern noch was sommerlicheres. Esprit gibt’s hier aber im Laden eh nicht und online-Shopping ist irgendwie nicht so ganz meins, und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass ich bei vielen „simplen“ (in Modesprech: clean) Sachen inzwischen sofort denke: das kann ich auch selbst machen. Wenn ich es selbst mache, habe ich noch Spaß dabei und in irgendeinem krassen Niedriglohnland muss niemand für mich Kleidung nähen*. Bisher kam dabei immer heraus, dass ich das Kleidungsstück nicht gekauft, aber auch nicht nachgenäht hab, weil, ach. Weil halt. Diesmal aber schon.

Das Ergebnis sieht so aus:

Der Schnitt ist mega einfach und sieht im Grunde aus wie ein Tetris-L. Die untere Kante habe ich außen noch abgerundet, sodass Vorder-und Rückteil wie ein U geformt und nur bis zur Rundung vernäht sind, sieht man hier nicht, aber dadurch kriege ich halt kein Enge-Problem über den Hüften.

(Weil durch die Falten der Kragen enger ist, muss eine Lösung her, das über den Kopf zu kriegen.)

Das Ganze geht dann ca. so: man nehme einen leichten und ganz weich fallenden Stoff, hier gewebte Viskose. Schneide alles zu, Vorne, hinten, Belege nach Wahl (je nach Halsausschnitt, für den Kragen mit Falten braucht es vorne einen schmaleren Beleg, dafür hinten zwei breitere Teile, für den Fake-Hemdkragen hinten schmaler, vorne zwei breitere Teile), ergibt 5 Teile. Für mich reichen da 65 cm Stoff dicke. Bei Webstoffen alle „offen bleibenden“ Kanten versäubern, also alle, die nicht mit einem anderen Stoffteil vernäht werden. Für Version 2 die Falten am Halsausschnitt vorbügeln und mit Nadeln fixieren, dann Schulternähte schließen**, Schulternähte am Beleg schließen, Belege annähen*** (Obacht bei dem „V“-Ausschnitt an Version 1, auf jeden Fall den Stoff bis zur Naht einschneiden, auch wenn’s die Nerven kitzelt, sonst wird’s ömmelig!). Die Naht unterm Arm schließen**, die Seitennähte schließen, unten säumen, die Ärmel entweder normal säumen oder zweimal umschlagen, bügeln und mit ein paar Stichen unauffällig fixieren. Für Version 2 hinten einen Knopf annähen und eine Garnschlaufe andutzeln. Fertig ist die Laube, äh, Bluse.

Das ist jetzt natürlich kein toll figurnaher Schnitt, soll es aber auch nicht sein. Dadurch dass der Ärmel nicht durch eine Naht abgesetzt ist, ich aber gar nicht aussehe wie ein T, ziehen sich da natürlich Falten an den Schultern, was, wie ich finde, nochmal einen lässigeren Look macht. Ich liebe die Kombination aus feinem Stoff und lockerem Schnitt, ich mag wie es fällt vor allem so in den Rock gestopft. Für mich ist das eine super Möglichkeit, seriös (und modisch! also bis nächste Woche, da ist dann wieder was anderes modisch) auszusehen ohne mich zu verkleiden. So können Sommer-Vorstellungsgespräche kommen. Und hell yeah, ich habe das selbst gemacht. Ganz allein. Auf dieser Welle des Größenwahns reitend werde ich mir noch so eine Bluse machen. Aus Seide. Version weiß ich noch nicht.

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Auto-Lobhudelei: fast nahezu halbwegs cool die einigermaßen eskalierenden Kinder ertra… begleitet.

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*Wobei das recht kurz gedacht ist, das ist mir schon klar. Zum Beispiel werden meine Stoffe sicher nicht in Norwegen gewebt und gefärbt und die Frau in der Fabrik in Bangladesh arbeitet sich sicher den Arsch wund, aber ja auch nicht zum Spaß, sondern die ernährt damit vielleicht fünf Kinder und die klapprige Mutter und wenn jetzt deren Job wegfällt, weil keiner mehr das Zeug kauft, ist das erstmal Käse, so ohne irgendeine Arbeitslosigkeits-Absicherung. Aber ne gute Lösung dafür kann wiederum meiner Meinung nach nicht von mir verlangt werden, da müssen in allererster Linie die Staaten ran, in denen Niedriglohnarbeit ein akzeptiertes Geschäftsmodell ist.

**Für nach außen gekrempelte Ärmel empfehlen sich da französische Nähte, also erst links auf links nähen, umkrempeln und die Nahtzugabe der ersten Naht mit einer zweiten Naht rechts auf rechts sozusagen in einer Tasche einschließen. Umbügeln, fertig.

***Bei Version 2 habe ich die Belege angenäht, bevor ich die Schulternähte geschlossen hab und fand das deutlich einfacher.

Tag 1038 – NORGER 1:0.

Die Blusenfotos müssen warten, dafür habe ich inzwischen zwei Blusen nach meinem selbst ausgedachten Schnitt, mit unterschiedlichen Halsausschnittvarianten und ich muss dieses Erfolgsgefühl noch ein bisschen auskosten.

Zu etwas anderem: Fußball. In Russland rennen zahllose Männer hinter Bällen her und weltweit gucken sich noch viel zahllosere Menschen das an und fühlen da vermutlich was. Ich nicht so. Fußball, generell jedes Sportevent, dass ich nur in 2D erfahre, finde ich langweilig. Sterbenslangweilig sogar. Ich mag manchmal mit Leuten zusammensitzen und sowas gucken, wenn es Bier und Grillwürstchen gibt und (und auch echt nur dann) wenn weiterhin normale Erwachsenenunterhaltungen möglich sind. Von Gegröle und vielen Schiedsrichtern kriege ich ganz schnell derbe Pickel und Galle und muss dann leider gehen. Und was absolut gar nicht geht, ist das dauernde Geschwafel über Fußball, beim Bäcker, bei der Bank, bei der Fußpflege und während die Kosmetikerin die Fußball-bedingten Pickel ausdrückt: „Hammses gestern gesehen? Das war ja was, also!“. Da hilft es dann leider nicht mehr weiter, meinen innerlichen Happy Place aufzusuchen. Man kommt ja auch fix in Erklärungsnot. „WAAAAS DU GUCKST KEIN FUSSBALL? NICHT MAL ZUR WM???“ Öhömm, möchte ich da antworten, erst recht nicht zur WM! Dieses ganze Schland-Gehabe ist mir zutiefst zuwider. Jeder Hinz und Kunz freut sich insgeheim, dass man endlich mal wieder ein bisschen stolz auf sein Land sein darf, und jede*r rechtsangehauchte Politiker*in freut sich ein bisschen, dass es wieder ein bisschen normaler geworden ist, dieser Nationalstolz, Flaggen überall und naja, dass nicht alle die Nationalhymne mitsingen wird man ja wohl noch thematisieren dürfen. Das alles finde ich zum Kotzen. In den Ligen kommen noch die absurden Fußballergehälter und Transaktions-Summen dazu, da könnte ich mich ewig drüber aufregen, genauso darüber, dass Männerfußball in Schland der Inbegriff der Männlichkeit ist und Frauen, die sich anmaßen, Profi-Fußballerinnen werden zu wollen werden verlacht und müssen nebenher noch irgendeinen Brotjob machen, weil Damenfußball eben nicht wie die hässliche kleine Schwester vom „richtigen“ Fußball gesehen wird, sondern eher wie das hässliche Hühnerauge am kleinen Zeh der Oma des „richtigen“ Fußballs.

Glücklicherweise leben wir jetzt in Norwegen. Die Norweger sind nicht soooo toll im Fußball. Man kann auch die norwegische Flagge voll schlecht mit Schminkstiften abbilden, höchstens stempeln und, ach, so wichtig ist es ja nicht, dass jetzt jede Versicherung ein eigenes Set an Norwegen-Fandingsis verteilt. Ich sage ihnen: das ist echt schön so. So kann ich sogar Fußball-WM einigermaßen ertragen, Bier und Grillwürstchen in angenehmer, nicht-grölender Gesellschaft tun ihr übriges. Da ich ja auch nicht arbeite, entfällt das „Hei, Gratulerer!“ an Tagen, nachdem die Deutsche Mannschaft (offensichtlich) wieder gegen irgendwen gewonnen hat, es werfen sich nicht mal meine brasilianischen Ex-Kollegen vor mir (in meiner Funktion als Die Deutsche) in den Staub. So ist halt auch ganz schön, doch.

Bis dann wieder Winter ist und norwegische Langläufer im Kreis durch irgendwelche mehr oder weniger künstlich beschneiten Landschaften gleiten, alle Norweger in den Mittagspausen vorm Fernseher kleben und keinerlei Gespräche über nicht-Wintersport mehr möglich sind. Dann ist es nicht mehr ganz so schön, denn Langlauf im Fernsehen übertrifft den Langeweilefaktor von Fußball noch mal um Längen.

Irgendwas ist halt überall.

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Auto-Lobhudelei: trotz Unlust und Kopfschmerzen Sport gemacht und, also, die Blusen. Hach.

Tag 1037 – Zu müde zum Erzählen.

Morgen ausführlich und mit Bildern, heute nur ganz kurz bevor mir die Augen zufallen: ich hab zum ersten Mal was richtig from scratch genäht, nur nach nem Bild und meinen Maßen. Und es hat geklappt. Hurra!

Pippi war heute das erste Mal ohne uns irgendwo anders. Nämlich beim 3.Geburtstag ihres Freundes M., dem Sohn der Leiterin des Kindergartens. Wären die fremder gewesen, hätte es vermutlich lange nicht so reibungslos geklappt. So bekam ich sie nur unter Protest überhaupt da weg. Und trug dann ein „Trampolin!“-murmelndes, schlafendes Bündel die Treppe hoch. Für Pippi war es aber wohl doch sehr sehr aufregend, sie schläft unruhig und redet, weint und motzt im Schlaf. Hachja. Auch dieses Baby wird langsam groß.

Tag 1036 – Endlich mal wieder!

Mein Kind zurück! Es war ganz toll und jetzt ist er ganz platt. Und weil er nämlich jetzt ein großer Junge ist, wollte er auch direkt zum ersten Mal allein zu Hause bleiben, als ich Pippi vom Kindergarten abholte. Und weil ich eine starke Mutter bin (und er unten nicht an die Türklinke kommt, also in keinem Fall das Haus verlassen kann) durfte er das dann auch. Mit viereckiger Tante an und Apfelschorle auf dem Tisch. Hat super geklappt. Mein Großer! Hachz.

Aber eigentlich wollte ich sagen: Was genäht. Wieso vergesse ich immer, wie gut mir das tut? Wie entspannend das ist. Genau wie Sport, irgendwie ist der innere Schweinehund da echt stark. Aber wenn man nicht immer im Netz rumhängen will und keine Nerven mehr für Bewerbungen hat, respektive wenn man die Oberarme kritisch beäugt ob die Muskeln schon schrumpfen, dann kann man ja beides wieder aufnehmen, man kriegt zwar Muskelkater (wie Sau, tatsächlich, Hupsi…) und braucht zum Zuschneiden plötzlich ewig, aber es klappt dann ja doch alles und am Ende hat man nen neuen Rock.

Den müsste man mal bügeln, aber da man den erstmal waschen muss, ist das witzlos. Ich wollte ihn aber unbedingt heute schon zeigen.

Das ist übrigens ein Ella-Hack. Also das Ella-Kleid von Pattydoo aber nur der Rock. Den Streifen, den man zwischen Oberteil und Rock machen kann, habe ich deutlich verbreitert und als Bündchen genommen. Weil ich das Bündchen außerdem mit Vlieseline verstärkt hab und auch gern möchte, dass der Rock *genau da* sitzen bleibt und nicht beim Tragen runter wandert (mein Ella-Kleid tut das, der Viskosejersey ist halt schwer und zieht runter, da bräuchte es eigentlich was stabilisierendes in der Taille), hat er auch einen nahtverdeckten Reißverschluss und weil ich ein Trottel bin ist der nun an der rechten Seite statt an der linken oder hinten, wo ich ihn eigentlich haben wollte. Aber egal. Der Rock schwingt ganz wunderbar und ich find ihn super so. Beim nächsten mal mache ich noch Taschen dran.

Ach ja: ein Hoch auf den Stoffklebestift! Super Teil, grade an so etwas friemeligen Stellen echt eine Erleichterung, verglichen mit Nadeln. Ich mag ja die Wonderclips auch sehr, aber dafür braucht man halt immer ne Kante. Und ich brauche auch mehr Wonderclips.

(Das Foto hat Herr Rabe gemacht und der hat gesagt, ich soll „so die Hüfte rausmachen“, vorher sah es nämlich irgendwie sehr… breit aus alles, dabei ist der wirklich gar nicht breit oder massiv. Hmm.)

Auf jeden Fall werde ich mindestens noch eine Ella nähen, wieder als Kleid, aber mit kurzen Ärmeln und einem… hmm, vermutlich runden Ausschnitt. Ich mag das Schnittmuster. Und ich hab im Winter so einen tollen Jersey gekauft, ich freu mich schon!

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Auto-Lobhudelei: Herrn Rabe nicht umgebracht, als er 40 Minuten vor Ladenschluss des Stoffladens am anderen Ende der Stadt dann endlich von der Arbeit kam. Und ich noch keinen Reißverschluss hatte.

Tag 1033 – Viel Gebacken und ein bisschen Kindergedöns.

Wenn der Sommer halt wieder sehr Trøndermäßig ist (also: um die 12 plus minus 5 Grad, plus minus Regen), macht man halt den Backofen an und backt gegen die mäßige Laune an. Heutige Ausbeute: zwei Brote und ein Rhabarberkuchen. Und zwei Flaschen Rhabarbersirup*. Herr Rabe hat jetzt gelernt, dass man Rezepte immer ganz lesen sollte, denn im letzten Satz könnte sowas stehen wie „Kuchen in der Form auskühlen lassen“. Lecker war’s trotzdem, auch wenn es eine leichte zerflossene Matsche war, die sich halt besser mit dem Löffel als einer Gabel essen ließ. (Kein Foto. War echt optisch nicht so ganz schön.)

Michel hat heute gelernt, dass er keinen Rhabarber mag (wie hätte es auch anders sein sollen, dieses Kind ernährt sich ja konsequent vitaminarm). Pippi hat gelernt, dass sie „Rababa“** schon mag, aber nicht, wenn Michel das verweigert. Und nicht roh, aber dann mag ich den ja auch nicht.

Generell ist das mit Michel grad wieder einigermaßen anstrengend. Weil einfach alles zu einem Wutanfall führt. Egal was, es ist ein Drama. Zum Beispiel: da war ja Rhabarber auf dem Kuchen. Ekelhafter, alles verseuchender Rhabarber. Streusel, Vanillecreme und Boden mochte er zwar, aber bekam schon mal vorsorglich einen Heul- und Wütanfall, weil das ja sicher quasi unmöglich sein würde, den Rhabarber zu entfernen. Anderes Beispiel: er möchte dauernd Sachen haben. Teure Sachen, zum Beispiel einen Lego-Zug oder das Lego-Batmobil. Wir erklären dann, dass wir das nicht einfach so kaufen (Schreul!!!), er sich das aber ja zum Geburtstag wünschen kann (Schreuuuuuldasistaberjanochsoooooolange!). Wir erklären „Geld“ und „Wert“ und auch, dass wer alles immer sofort bekommt, Sachen vermutlich nicht wertschätzen lernt (Schreulwüttob!!!). Solche Situationen, und davon gibt’s ja im Leben mit Kindern ständig welche, führen halt momentan direkt zum Tobsuchtsanfall. Ich würde ja gerne behaupten, dass ich gar nicht weiß, woher er das hat, aber sagen wir’s mal so: der ist ich mit der Impuls- und emotionalen Kontrolle eines Fünfjährigen. Juchhe. Hoffentlich finden wir alle noch einen Weg, damit mit weniger Schreien umzugehen. Erstmal haben wir heute abgemacht, dass er ab den Sommerferien ein wöchentliches Taschengeld bekommt, damit er ein besseres Gefühl für den Wert von Geld bekommt. Vielleicht hilft’s ja. Wegen der Höhe haben wir ja null Ahnung, da kann man’s ja auch wieder nur falsch machen, aber wir fanden, dass der Gegenwert von einem im normalen Laden gekauften, normal großen Eises ganz gut ist. Das sind dann ca. 25 Kronen (etwa 2,70€) das kommt mir irre viel vor (ich bekam 1 DM damals!) aber Norwegen heute ist halt nicht Deutschland vor 27 Jahren und für 10 Kronen kriegt man hier nicht mal eine Packung Hubba Bubba (das kaufte ich damals dann für meine Mark, oder eben zwei (!) Kugeln Eis beim Bäcker oben an der Straße), das kann’s ja auch nicht sein irgendwie. Die Zuckerwatte beim Juba Juba Festival neulich kostete 50 (!!!) Kronen. So zum Vergleich.

Pippi versucht hingegen immer, ihren Willen zu kriegen, IMMER, jetzt hat sie zum gewöhnlichen Repertoire einer knapp Dreijährigen*** noch die Drohung „… eller så sier jeg ifra!“ (frei übersetzt: „… sonst petz‘ ich!“) hinzugefügt, sicher ein Kindergarten-Ding. Ist halt nur lustig, wenn sie das bei uns versucht, wem will sie da denn petzen? Ihrem Teddybär?

Insgesamt also alles vermutlich ziemlich normal hier, nur mit Rabarbra.

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Auto-Lobhudelei: Recht gelassen die meiste Wut hingenommen. „Begleitet“, sagt man in Erzieher*Innen-Sprache.

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*gestern habe ich Rhabarber gekauft, weil ich eigentlich 1 kg einfrieren wollte, bis die norwegischen Erdbeeren kein Vermögen mehr kosten. Morgen muss ich dann also noch ein Kilo Rhabarber kaufen um es einzufrieren.

**Wir sind Westfalen, Rabaabaa. So.

***Also auch Schreulen und Hauen und sich auf den Boden werfen.

Tag 1031 – Nervositäts-Ablenkungs-Programm.

Heute habe ich Bad und Küche geputzt. Dafür gab es drei Gründe:

  1. Die Putzhilfe hat Urlaub und kommt erst am 19. wieder,
  2. Die Putzhilfe hat auch Höhenangst und steigt nicht auf Leitern oder Hocker oder dergleichen (wofür ich gar nicht mal undankbar bin, die ist hier ja meist allein und auch schon etwas älteren Semesters, ich bin nicht so scharf drauf die mit nem Beinbruch hier zu finden),
  3. Ich brauchte Ablenkung davon, dass weder der Mann neben der Chipsfabrik noch der Fahrradladen sich nochmal gemeldet haben (und aus Gründen sollte das weder Social Media noch Bewerbungen schreiben sein).

Jetzt sind Bad und Küche sehr sauber, auch wieder auf den Schränken und auf dem Waschmaschine-Trockner-Turm. Die Schnecken haben einen Satz frischer Erde und ich habe ein Gelege gefunden und eingefroren*. Wir haben für das Wochenende wieder Brötchen, die habe ich auch noch schnell gebacken. Nur angerufen oder sich sonstwie gemeldet hat noch keiner. Naja. Morgen könnte ich noch Saugen, Wischen und auf den tausend kleinen Regalen im Wohnzimmer staubwischen. Die Wäsche verräumen, den Kinderkram endlich ins Netz stellen und dann wollte ich ja auch seit ewig noch was nähen. Oh und Altpapier muss auch weg – unter anderem die zweieinhalb Ordner durchgeackerter ICH-Guidelines. Vielleicht ist mir das auch zu wenig rituell. Mal sehen.

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Auto-Lobhudelei: produktiv umgesetzt, meine Hummeln im Hintern.

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*nein, nicht um die aufzuheben. Um die… zu töten. Ca. 200 Schneckenembryos habe ich also heute auf dem Gewissen.

Tag 1030 – Bett-Tag.

Diese furchtbare Erkältung macht mich fertig und im Gegensatz zu gestern war ich heute einigermaßen vernünftig und bin nach einer größeren Einkaufsrunde (deshalb nur einigermaßen vernünftig) wieder ins Bett gegangen. Mit Tee und Buch, das hab ich jetzt auch durch, aber erlebt hab ich halt nix.

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Auto-Lobhudelei: Dings, Selfcare.

Tag 1027 – Geh weg!

Geh weg, Loch, ich kann dich nicht brauchen. Morgen Abend um acht kann ich heulend im Flugzeug sitzen, davor nicht. Heute heulen ist nicht, dann sehe ich morgen schlimm aus und morgen heulen ist erst recht nicht, denn ich muss mich doch Firmen anbiedern, äh, ich meine natürlich, einen unverzweifelten und professionellen Eindruck machen. Was natürlich ganz einfach ist, ich gebe ja nicht auf*, auch nicht, wenn mir noch so viele Traumjobs absagen, nachdem sie einen Monat gebraucht haben, den Höllentest auszuwerten, oder auch 12 Zeit-/ 2 Arbeitsstunden nach Eingang meiner wegen komischem Portal unvollständigen Bewerbungsunterlagen „nach sorgfältiger und eingehender Prüfung“, neinein, das meistere ich alles wie ein Pro. Also ohne heulen und ohne was kleinschlagen. Und ich nehme das ja auch nicht persönlich, Quatsch, wieso denn? Ich bin ja erst bei… 37 Absagen, plus 9 die nie abgesagt haben, aber ewig zurückliegen, wie soll das mit mir zu tun haben? Und wieso sollte mich das also runterziehen, so what, knappe 50 mal „Hahaha, nein!“, das ist ja noch nix und hat auch nix mit mir zu tun, bestimmt nicht. Bestimmt werde ich auch nicht langsam komplett uninteressant für Firmen, jede ist doch mal ein paar Monate arbeitslos, das ist doch heutzutage kein Makel mehr, so eine Lücke im Lebenslauf. Ich bin auch nicht verzweifelt und würde – Zitat Bridget Jones – einen Job als Saddam Husseins** Arschabwischer annehmen, auf gar keinen Fall. Selbstbewusst bin ich, und professionell, ich kann ja was***, ich bin mir meines Wertes bewusst, klaro! Von so einer Absage lasse ich mich doch nicht einschüchtern! Ha! Ich doch nicht! Ein Spaziergang das alles! Krönchen richten war gestern, ich kicke das unpraktische Ding unter den Busch und gehe lächelnd morgen da hin und freue mich drauf, dass ich dann abends im Flugzeug endlich, endlich heulen darf.

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Auto-Lobhudelei: Arzttermin gemeistert wie so ne Erwachsene.

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*morgen dann vielleicht

**heute vielleicht eher Donald Trumps oder Kim Jong Uns

***was nochmal?

Tag 1026 – Juba Juba Festival 2018.

Nach einem sehr warmen und einem langsam immer kälteren bis wirklich frischen Tag (und bevor der ganze Kram jetzt gleich wieder abgebaut werden muss), hier das Resümee zum Juba Juba Kinder-Festival 2018: toll war’s. Und das sag ich nicht nur meiner Freundin zuliebe. Es gab wie immer jede Menge ganz unterschiedliche Aktivitäten für Kinder, Kunst, Handwerkliches, Wissens-Dinge… von allem was dabei. Manches war eher so mittelmäßig durchdacht, aber dann am zweiten Tag geändert, zum Beispiel gab es dann heute eine zweite Kinderschminkstation, nachdem man da gestern eine

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Schwups, da hieß es „könnt Ihr zwei *jetzt* mitkommen?“ (Ja klar, dafür bin ich ja gekommen, ne?) und dann haben wir die Bühne abgebaut. Faszinierend und schweißtreibend und ich habe neue Sachen gelernt und so ein bisschen geil ist Arbeit, deren Ergebnis man buchstäblich sofort sieht, ja schon. Aber egal, wo war ich? Ach ja.

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Also jedenfalls war da gestern eine gefühlt kilometerlange Schlange beim Kinderschminken und heute dann eine weitere Station. Es gab ein ganz tolles Zelt für die Kleinsten, einen Bücherbus mit Literaturbühne dran, zwei Bühnen und die Turnhalle mit eher Theater-Bühnen und halt ganz viel Zeug zum machen, von dem wir auch in zwei Tagen nur einen kleinen Teil geschafft haben. Die Stimmung war überall entspannt, die meisten freundlich (Herr Rabe hat heute einem Mädchen den Todesblick verpasst, das Pippi unabsichtlich geschubst hat, sodass Pippis Lolli in den Dreck fiel und die aber, nachdem Pippi entrüstet zu brüllen anfing, nur doof glotzte und keine Anstalten machte, sich zu entschuldigen. Den Blick habe ich bei Herrn Rabe selbst noch nie gesehen, der lässt kochendes Wasser gefrieren. Aber alle anderen sonst waren schon wirklich entspannt!) und manche haben sich noch nicht mal vorgedrängelt, wenn man irgendwo in einer unförmigen Schlange anstehen musste. Wie das eben so ist, mit ganz vielen Kindern und Familien auf einem Haufen.

Wie gesagt, wir haben nicht alles geschafft, aber wir haben

  • Boote gebaut
  • Buttons gemacht
  • Jonglierbälle gemacht
  • Einen Skifahrenden Roboter gebastelt
  • Ballontutafone (it’s a thing! Und es klingt wie so ne Enten-Locktröte.) gebaut
  • Noch viel mehr Buttons gemacht
  • Origami gebastelt (da hat Michel vieeeeel mehr Talent für als ich. Und entspannt hat es mich auch nicht, im Gegensatz zu „Schlepp mal diese drülfzigtausend Metallstangen da hin und leg sie alle auf den Ständer da.“)
  • Und Michel hat eine Miesmuschel probiert, dafür einen Muschelorden bekommen und ganz viele (tote) Speisefische haben wir uns auch angeguckt

(Eins vorweg: was ich wirklich großartig finde, ist, dass alles auf allen Bühnen in Gebärdensprache gedolmetscht wird. Viele Daumen hoch dafür!)

Dann haben wir natürlich Musik gehört, super gut fand ich ja Hopalong Knut, Reggae und Ska für Kinder, und das Trondheimer Symphonieorchester mit Rasmus Rohde (norwegischer Kindermusiker), den Knabenchor des Doms haben wir uns dann lieber geschenkt (Knabenchor finde ich maximal gruselig, egal wie schön die singen, Gru-Se-Lig ist das in meinen Ohren) und die Physik-Show haben wir leider verpasst. Was ich aber (und die Kinder auch) noch viel besser fand, waren einerseits die Lesungen von Jørn Lier Horst, der sehr schön und Kindergerecht echte Fälle aus seiner Zeit als Polizeikommissar erzählt hat und wie er die in seiner Kinderkrimireihe verwurstet hat, mit ganz viel Raten von den Kindern (manch Achtjährige hat echt schon morbide Phantasien, in denen in einer Truhe unbekannten Inhalts auf dem Dachboden eines gefassten Bankräubers zerstückelten Leichen liegen. Würde ich dann aber doch eher in den Erwachsenenbüchern von Horst vermuten.) und ganz schön-gruseligen Geschichten (fand Michel auch. Der steht ja auch total auf die „Detektivbüro Nummer 2“-Bücher) ohne Mord und Totschlag, selbst wenn ein echtes Skelett darin vorkam. Mit Fotos! Von einem echten Skelett! Auf einer Lesung für Kinder! Kriegt manche vielleicht Schnappatmung von, die Kinder fanden das alle toll. Die zweite „Lesung“, die ganz ganz toll war, war von Ståle Gerhardsen. Der ist Künstler, Maler, Illustrator, Dings… und hat ganz mitreißend erzählt und die Kinder entertaint und die Erwachsenen gleich mit. Sein neueres Buch heißt „Hva som helst“ [irgendwas/alles mögliche] und handelt von Thea, die rausfinden möchte, was alles in einen Bleistift passt. Nachdem Aufsägen nicht besonders aufschlussreich war, malt sie also alles mögliche, großen Quatsch meist, und in den Bleistift passt das alles rein, sogar ein Pottwal auf einem Mond. Am Ende zeichnete er dann auch noch auf seinem iPad auf Kinderzuruf die quatschigen Kinderideen und Michel war kaum zu bremsen vor lauter Ideen, hat aber sich immer ganz brav gemeldet, mit „Æ! Æ!“ zwar, aber, eben, bis auf einmal. Da hatte Ståke grad eine Brille gemalt und gefragt, wer denn die Brille aufhat („wer benutzt Brillen?“), da rief Michel einfach ganz selbstverständlich „Meine Mama!“ und so kam es, dass ich mit einem „Mø!“-sagenden Vikinger in einem Drachenboot saß, über dem ein Elefantenbusflugzeug, das von einer Riesenameise mit Zylinder gesteuert wurde… aber das geht alles zu weit. Jedenfalls haben wir das Buch dann gekauft. Mit Widmung. Michel ist hin und weg.

Wovon Michel auch hin und weg war, und ich ehrlich gesagt auch, (und Pippi auch, die hat die eine Show sogar zweimal angeguckt, weil sie die so toll fand) waren die Shows und Aktionen vom Flying Seagull Projekt. Das ist eine Organisation von Artist*Innen und Clowns, die mit solchen Aktionen wie dem Juba Juba Festival finanzieren, was sie sonst tun, nämlich: herumreisen und Quatsch machen für Kinder, die flüchten mussten. Sie gehen in die Auffanglager und machen mit einfachen Mitteln halt Blödsinn für die Kinder und bringen sie zum Lachen, in einer Situation, in der normalerweise nicht viel zu Lachen ist. Sie spielen auch in Slums, Krankenhäusern und überall da, wo Kinder nicht viel zu Lachen haben. Ich finde das großartig und werde deshalb auch (sobald neues Geld vom NAV da ist) etwas für das Projekt spenden. Dass das mit dem Lachen definitiv klappt, davon konnten wir uns dieses Wochenende sehr ausführlich überzeugen, Michel und Pippi und eigentlich alle Kinder haben sich ausgeschüttet vor Lachen über die wirklich quatschigen und redundanten und komplett albernen Witze der Truppe. Wohlgemerkt, eigentlich ohne Sprache. „Uhlala!“ kann Pippi jetzt jedenfalls auch sagen. Und – für mich – unvergessen: der Witz des Truppenchefs, als sich eine andere Clownin anschickte, mit „Säbeln“ zu jonglieren, natürlich nachdem vorher immer alles schief gegangen war und sie auch gar nicht jonglieren kann, jedenfalls sagte der Chef, gewichtig und mit erhobenem Zeigefinger: „HMS“ [Helse, Miljø, Sikkerhet, also Safety, Environment, Health] und setzte sich einen Bauhelm auf. „Farlig!“ [Gefährlich]. Und dann konnte die wilde Messerjongliererei losgehen, Michel hat sich fast ein paar Nägel abgekaut vor Spannung. Hachja.

So, und jetzt noch Bilder.

was ich so bastle…und was Michel in der selben Zeit (mit Hilfe, aber nicht viel!) bastelt. Tjanun.

Abgebaut! Hurra! (Und Schleichwerbung. Wenn Sie mal zufällig in Trondheim und Umgebung ne mobile Bühne brauchen, melden Sie sich doch!)