Tag 1030 – Bett-Tag.

Diese furchtbare Erkältung macht mich fertig und im Gegensatz zu gestern war ich heute einigermaßen vernünftig und bin nach einer größeren Einkaufsrunde (deshalb nur einigermaßen vernünftig) wieder ins Bett gegangen. Mit Tee und Buch, das hab ich jetzt auch durch, aber erlebt hab ich halt nix.

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Auto-Lobhudelei: Dings, Selfcare.

Tag 1027 – Geh weg!

Geh weg, Loch, ich kann dich nicht brauchen. Morgen Abend um acht kann ich heulend im Flugzeug sitzen, davor nicht. Heute heulen ist nicht, dann sehe ich morgen schlimm aus und morgen heulen ist erst recht nicht, denn ich muss mich doch Firmen anbiedern, äh, ich meine natürlich, einen unverzweifelten und professionellen Eindruck machen. Was natürlich ganz einfach ist, ich gebe ja nicht auf*, auch nicht, wenn mir noch so viele Traumjobs absagen, nachdem sie einen Monat gebraucht haben, den Höllentest auszuwerten, oder auch 12 Zeit-/ 2 Arbeitsstunden nach Eingang meiner wegen komischem Portal unvollständigen Bewerbungsunterlagen „nach sorgfältiger und eingehender Prüfung“, neinein, das meistere ich alles wie ein Pro. Also ohne heulen und ohne was kleinschlagen. Und ich nehme das ja auch nicht persönlich, Quatsch, wieso denn? Ich bin ja erst bei… 37 Absagen, plus 9 die nie abgesagt haben, aber ewig zurückliegen, wie soll das mit mir zu tun haben? Und wieso sollte mich das also runterziehen, so what, knappe 50 mal „Hahaha, nein!“, das ist ja noch nix und hat auch nix mit mir zu tun, bestimmt nicht. Bestimmt werde ich auch nicht langsam komplett uninteressant für Firmen, jede ist doch mal ein paar Monate arbeitslos, das ist doch heutzutage kein Makel mehr, so eine Lücke im Lebenslauf. Ich bin auch nicht verzweifelt und würde – Zitat Bridget Jones – einen Job als Saddam Husseins** Arschabwischer annehmen, auf gar keinen Fall. Selbstbewusst bin ich, und professionell, ich kann ja was***, ich bin mir meines Wertes bewusst, klaro! Von so einer Absage lasse ich mich doch nicht einschüchtern! Ha! Ich doch nicht! Ein Spaziergang das alles! Krönchen richten war gestern, ich kicke das unpraktische Ding unter den Busch und gehe lächelnd morgen da hin und freue mich drauf, dass ich dann abends im Flugzeug endlich, endlich heulen darf.

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Auto-Lobhudelei: Arzttermin gemeistert wie so ne Erwachsene.

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*morgen dann vielleicht

**heute vielleicht eher Donald Trumps oder Kim Jong Uns

***was nochmal?

Tag 1026 – Juba Juba Festival 2018.

Nach einem sehr warmen und einem langsam immer kälteren bis wirklich frischen Tag (und bevor der ganze Kram jetzt gleich wieder abgebaut werden muss), hier das Resümee zum Juba Juba Kinder-Festival 2018: toll war’s. Und das sag ich nicht nur meiner Freundin zuliebe. Es gab wie immer jede Menge ganz unterschiedliche Aktivitäten für Kinder, Kunst, Handwerkliches, Wissens-Dinge… von allem was dabei. Manches war eher so mittelmäßig durchdacht, aber dann am zweiten Tag geändert, zum Beispiel gab es dann heute eine zweite Kinderschminkstation, nachdem man da gestern eine

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Schwups, da hieß es „könnt Ihr zwei *jetzt* mitkommen?“ (Ja klar, dafür bin ich ja gekommen, ne?) und dann haben wir die Bühne abgebaut. Faszinierend und schweißtreibend und ich habe neue Sachen gelernt und so ein bisschen geil ist Arbeit, deren Ergebnis man buchstäblich sofort sieht, ja schon. Aber egal, wo war ich? Ach ja.

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Also jedenfalls war da gestern eine gefühlt kilometerlange Schlange beim Kinderschminken und heute dann eine weitere Station. Es gab ein ganz tolles Zelt für die Kleinsten, einen Bücherbus mit Literaturbühne dran, zwei Bühnen und die Turnhalle mit eher Theater-Bühnen und halt ganz viel Zeug zum machen, von dem wir auch in zwei Tagen nur einen kleinen Teil geschafft haben. Die Stimmung war überall entspannt, die meisten freundlich (Herr Rabe hat heute einem Mädchen den Todesblick verpasst, das Pippi unabsichtlich geschubst hat, sodass Pippis Lolli in den Dreck fiel und die aber, nachdem Pippi entrüstet zu brüllen anfing, nur doof glotzte und keine Anstalten machte, sich zu entschuldigen. Den Blick habe ich bei Herrn Rabe selbst noch nie gesehen, der lässt kochendes Wasser gefrieren. Aber alle anderen sonst waren schon wirklich entspannt!) und manche haben sich noch nicht mal vorgedrängelt, wenn man irgendwo in einer unförmigen Schlange anstehen musste. Wie das eben so ist, mit ganz vielen Kindern und Familien auf einem Haufen.

Wie gesagt, wir haben nicht alles geschafft, aber wir haben

  • Boote gebaut
  • Buttons gemacht
  • Jonglierbälle gemacht
  • Einen Skifahrenden Roboter gebastelt
  • Ballontutafone (it’s a thing! Und es klingt wie so ne Enten-Locktröte.) gebaut
  • Noch viel mehr Buttons gemacht
  • Origami gebastelt (da hat Michel vieeeeel mehr Talent für als ich. Und entspannt hat es mich auch nicht, im Gegensatz zu „Schlepp mal diese drülfzigtausend Metallstangen da hin und leg sie alle auf den Ständer da.“)
  • Und Michel hat eine Miesmuschel probiert, dafür einen Muschelorden bekommen und ganz viele (tote) Speisefische haben wir uns auch angeguckt

(Eins vorweg: was ich wirklich großartig finde, ist, dass alles auf allen Bühnen in Gebärdensprache gedolmetscht wird. Viele Daumen hoch dafür!)

Dann haben wir natürlich Musik gehört, super gut fand ich ja Hopalong Knut, Reggae und Ska für Kinder, und das Trondheimer Symphonieorchester mit Rasmus Rohde (norwegischer Kindermusiker), den Knabenchor des Doms haben wir uns dann lieber geschenkt (Knabenchor finde ich maximal gruselig, egal wie schön die singen, Gru-Se-Lig ist das in meinen Ohren) und die Physik-Show haben wir leider verpasst. Was ich aber (und die Kinder auch) noch viel besser fand, waren einerseits die Lesungen von Jørn Lier Horst, der sehr schön und Kindergerecht echte Fälle aus seiner Zeit als Polizeikommissar erzählt hat und wie er die in seiner Kinderkrimireihe verwurstet hat, mit ganz viel Raten von den Kindern (manch Achtjährige hat echt schon morbide Phantasien, in denen in einer Truhe unbekannten Inhalts auf dem Dachboden eines gefassten Bankräubers zerstückelten Leichen liegen. Würde ich dann aber doch eher in den Erwachsenenbüchern von Horst vermuten.) und ganz schön-gruseligen Geschichten (fand Michel auch. Der steht ja auch total auf die „Detektivbüro Nummer 2“-Bücher) ohne Mord und Totschlag, selbst wenn ein echtes Skelett darin vorkam. Mit Fotos! Von einem echten Skelett! Auf einer Lesung für Kinder! Kriegt manche vielleicht Schnappatmung von, die Kinder fanden das alle toll. Die zweite „Lesung“, die ganz ganz toll war, war von Ståle Gerhardsen. Der ist Künstler, Maler, Illustrator, Dings… und hat ganz mitreißend erzählt und die Kinder entertaint und die Erwachsenen gleich mit. Sein neueres Buch heißt „Hva som helst“ [irgendwas/alles mögliche] und handelt von Thea, die rausfinden möchte, was alles in einen Bleistift passt. Nachdem Aufsägen nicht besonders aufschlussreich war, malt sie also alles mögliche, großen Quatsch meist, und in den Bleistift passt das alles rein, sogar ein Pottwal auf einem Mond. Am Ende zeichnete er dann auch noch auf seinem iPad auf Kinderzuruf die quatschigen Kinderideen und Michel war kaum zu bremsen vor lauter Ideen, hat aber sich immer ganz brav gemeldet, mit „Æ! Æ!“ zwar, aber, eben, bis auf einmal. Da hatte Ståke grad eine Brille gemalt und gefragt, wer denn die Brille aufhat („wer benutzt Brillen?“), da rief Michel einfach ganz selbstverständlich „Meine Mama!“ und so kam es, dass ich mit einem „Mø!“-sagenden Vikinger in einem Drachenboot saß, über dem ein Elefantenbusflugzeug, das von einer Riesenameise mit Zylinder gesteuert wurde… aber das geht alles zu weit. Jedenfalls haben wir das Buch dann gekauft. Mit Widmung. Michel ist hin und weg.

Wovon Michel auch hin und weg war, und ich ehrlich gesagt auch, (und Pippi auch, die hat die eine Show sogar zweimal angeguckt, weil sie die so toll fand) waren die Shows und Aktionen vom Flying Seagull Projekt. Das ist eine Organisation von Artist*Innen und Clowns, die mit solchen Aktionen wie dem Juba Juba Festival finanzieren, was sie sonst tun, nämlich: herumreisen und Quatsch machen für Kinder, die flüchten mussten. Sie gehen in die Auffanglager und machen mit einfachen Mitteln halt Blödsinn für die Kinder und bringen sie zum Lachen, in einer Situation, in der normalerweise nicht viel zu Lachen ist. Sie spielen auch in Slums, Krankenhäusern und überall da, wo Kinder nicht viel zu Lachen haben. Ich finde das großartig und werde deshalb auch (sobald neues Geld vom NAV da ist) etwas für das Projekt spenden. Dass das mit dem Lachen definitiv klappt, davon konnten wir uns dieses Wochenende sehr ausführlich überzeugen, Michel und Pippi und eigentlich alle Kinder haben sich ausgeschüttet vor Lachen über die wirklich quatschigen und redundanten und komplett albernen Witze der Truppe. Wohlgemerkt, eigentlich ohne Sprache. „Uhlala!“ kann Pippi jetzt jedenfalls auch sagen. Und – für mich – unvergessen: der Witz des Truppenchefs, als sich eine andere Clownin anschickte, mit „Säbeln“ zu jonglieren, natürlich nachdem vorher immer alles schief gegangen war und sie auch gar nicht jonglieren kann, jedenfalls sagte der Chef, gewichtig und mit erhobenem Zeigefinger: „HMS“ [Helse, Miljø, Sikkerhet, also Safety, Environment, Health] und setzte sich einen Bauhelm auf. „Farlig!“ [Gefährlich]. Und dann konnte die wilde Messerjongliererei losgehen, Michel hat sich fast ein paar Nägel abgekaut vor Spannung. Hachja.

So, und jetzt noch Bilder.

was ich so bastle…und was Michel in der selben Zeit (mit Hilfe, aber nicht viel!) bastelt. Tjanun.

Abgebaut! Hurra! (Und Schleichwerbung. Wenn Sie mal zufällig in Trondheim und Umgebung ne mobile Bühne brauchen, melden Sie sich doch!)

Tag 1025* – Politikerschwund in Norwegen.

Hach, jetzt sollte hier die geradezu herzerweichende Geschichte stehen, wie Michel heute beim Frühstück in einem Gespräch, dass sich aus seiner Frage „Können zwei Jungen ein Baby zusammen machen?“ entsponnen hatte, vorschlug, wir sollten doch unsere norwegischen Politiker nach Deutschland schicken, damit die da mal sagen, dass das ganz ungerecht ist, wenn gleichgeschlechtliche Paare nicht so einfach Kinder adoptieren dürfen. Aber dann habe ich beim googeln festgestellt, dass das seit der „Ehe für alle“ gar nicht mehr so ist**, und das ist zwar für meine Geschichte jetzt blöd, aber ja aus dem besten denkbaren Grund.

Ansonsten waren wir heute auf dem Festival und es war sehr aufgebaut und wegen absolutem Bombenwetter einfach großartig, da kann man auch mal Sonnencremeflecken auf dem T-Shirt verzeihen. Bilder morgen, gesammelt vom Wochenende.

Auch ansonsten: in der Not frisst der Teufel fliegen und Frau Rabe bekämpft Migräne aus Mangel an Alternativen*** mit Paracetamol und… Magnesium. Das war ein „toller“ Tipp von der Apothekerin in Kroatien gewesen, wo Triptane auch alle rezeptpflichtig sind****. Nun. Es hat funktioniert. Allerdings mussten dafür 2000 mg Paracetamol her (1000 gestern abend und dann noch mal 1000 heute früh um fünf, als ich von Kopfschmerzen geweckt wurde, wenn das passiert, ist es normalerweise Alarmstufe rot) und 800 mg Magnesium. Und von so viel Magnesium auf einen Schlag kriegt man dann auch Durchfall. Aber besser das, als Migräne. Oder Legevakt. Aber ehrlich, wenn Sie Migräne haben: sprechen Sie mit der Ärztin Ihres Vertrauens, finden Sie möglichst ein Triptan, das Ihnen hilft, finden Sie möglichst einen Weg, Anfälle zu verringern, sei es durch Vermeidung bestimmter Trigger oder durch Medikamente, aber glauben Sie nicht der Frau aus dem Internet, die in ihrer Verzweiflung einmal Magnesium probierte und bei der es (vielleicht auch nur wegen der Verzweiflung) half.

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Auto-Lobhudelei*****: Heute die meiste Zeit recht gut mit den Kindern gewesen, obwohl Michel ziemlich am Flippen war, vermutlich wegen des Festivals. Ungeduldig, nah am Wasser gebaut, sofort auf der Palme und auf 180 und „nienienie werde ich [akuten Aufreger einfügen]“. So wie ich sonst. Gemessen daran eigentlich Supermutti gewesen. Und gesunde Snacks dabei gehabt (und den Kindern trotzdem Zuckerwatte gekauft).

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*Na super, Tag 1024 einfach übergangen. Sorry, 2^10-Tag.

**auf dem Papier jedenfalls, praktisch sieht es wohl anders aus.

***kurz vor Kroatien bestürzt festgestellt, dass nur noch 1 Tablette des OTC in Deutschland gekauften Triptans da ist und die quasi aus Schock direkt zwei Tage später nehmen gemusst. Dann gedacht, ach, ich bin ja in Kroatien, da sind Triptane bestimmt auch OTC. Nein, sind sie nicht****. Und die Ibuprofen-Lysinat-Tabletten sind auch irgendwie schon wieder alle. Die gibt’s hier ja auch nicht. Seufz.

****Ich finde das eigentlich nicht schlimm, in Deutschland war es ja auch bis vor ~10 Jahren so, nur im Akutfall ist es halt blöd, wenn man sich statt zur Apotheke dann zur (Notfall-, wenn Wochenende oder spät) Praxis schleppen muss, da ewig wartet und die Migräne in der Zeit völlig eskaliert. Aber Montag habe ich einen Arzttermin, ich hab schon ne Liste an Dingen, die ich ihm vortragen werde.

*****hab ich ja auch schleifen lassen, ne? Ich werd mich bemühen, das wieder einzuführen.

Tag 1024 – Ich habe einen Bauzaun getragen.

Die Mutter von Michels bestem Freund, die ja auch meine Freundin ist, die ist dieses Jahr die Produzentin des Juba Juba-Kinderfestivals. Als solche ist sie natürlich für alles mögliche verantwortlich und weil das noch nicht reicht, hat sie die letzten Wochen noch ihre komplette Bekanntschaft* zur freiwilligen Mitarbeit zwangsverpflichtet. Aber weil wir ja grad auch einfach nicht sooo viel Geld haben, ich dafür viel Zeit und mir zu Hause auch gelinde gesagt die Decke auf den Kopf fällt, habe ich mich tatsächlich gerne da gemeldet. Man bekommt, egal wie viel man arbeitet, ein schmuckes** T-Shirt und den Festivalpass fürs ganze Wochenende, plus pro Schicht, die man arbeitet, 2 Tageskarten. Da Pippi ja noch nicht drei ist, zahlt die noch keinen Eintritt, weshalb ich mich für 2 Schichten gemeldet habe. Damit können wir alle vier beide Tage aufs Festival gehen und sparen ~1500 Kronen. Yeah!

Man konnte die Arbeit, die man machen will, priorisieren. Drei Bereiche (von ca. 20) müsste man angeben und da war von Aufbau/Abbau bis Kinderschminken wirklich alles dabei. Weil ich ja je nach Tagesform zur Zeit eher so mittelmäßig sozialkompatibel bin, habe ich mich mit 1. Priorität für „Arena“, also Aufbau/Abbau eingetragen. Die zwei anderen waren Bändchen-Bude und „Sonnenschein-Truppe“, das sind die, die die anderen Freiwilligen mit Essen/Trinken/GUDE LAUUUNE! bei Laune halten (immerhin nix mit Kindern). Ich bekam Arena und sogar meine Wunschtage Donnerstag und Freitag, dann fiel mir aber ein, dass Donnerstag ja das Einschulungsdings-Dings sein würde und außerdem war ich auch mit den Tagen für das Karriere-Dings durcheinander gekommen, deshalb habe ich zähneknirschend den Donnerstag gegen Sonntag (17:00 bis 23:30! Buhuhuuu!) getauscht. Immerhin ist der Sonntag dann kürzer, sonst ist nämlich jede Schicht 8 Stunden lang.

Arena also. Ich kann ja nicht raus aus meiner Haut, also kaufte ich gestern die ungelogen einzigen Montage-Handschuhe, die mir passten:

(Größe 8, da gab es schon mehr in der Größe, aber die saßen alle nur so mittel oder waren total steig oder sonst komisch.)

Dann holte ich mein Aufbauband und das T-Shirt und ein Umhängeschild mit meinem Namen und fett „Arena“ drauf ab:

Und machte mich heute dann fett mit Sonnencreme eingeschmiert, in einer ollen Jeans, die mir mal vor Jahren passte und jetzt leider viel zu groß ist, meinem Sport-BH und dem Juba-Juba-Shirt überpünktlich auf den Weg. Um dann festzustellen, dass ich das Umhängeschild vergessen hatte. Ich flitzte also wieder zurück und dann in einem Affenzahn den Berg hoch. Für die Ortskundigen: Buran – Festningen in 9 Minuten. Zu Fuß. So war ich im Endeffekt dann nur drei Minuten zu spät da, was leider aber trotzdem bedeutete, dass ich es nicht mehr geschafft habe, ein „Vorher“-Selfie zu machen und (schlimmer) dass die Einteilerei schon passiert war und niemand mehr am Treffpunkt zu finden war. Wen ich aber fand war meine Freundin, die dann die Freiwilligen-Verantwortliche anfunkte, die mich dann traf und einem Typen namens „Blitz“*** zuteilte. (Außerdem war sie sehr amüsiert über meine Handschuhe, also darüber, dass ich mir selbst welche mitgebracht hatte, wie so ein Vorbereitungskontrolletti halt, aber das ist eine andere Geschichte.) Zum Bühnenaufbau. Okay. Bühnenaufbau it is! Erstmal musste ich aber meine mit Bedacht gewählten Schuhe gegen Sicherheitsschuhe tauschen.

Ich habe dezente Probleme mit geliehenen Schuhen.

Blitz vermittelte mich dann an einen anderen Typen, mit dem ich das Misch-Zelt vor der Hauptbühne aufbaute. Das ging noch alles, auch die Gewichte auf die Füße des Zeltes legen und dann mit Heringen festmachen, ich war ja für körperliche Arbeit gekommen, nicht wahr? Dann wurde ich mit Kabel legen betraut. Von der Bühne zum Misch-Zelt. Vor den Kabeln kamen allerdings die Kabelkanäle. Diese verstärkten Hartgummi-Dinger, die auf Dorffesten und Festivals weltweit dafür sorgen, dass Kabel nicht einfach so herumliegen und eventuell ein LKW drüber fährt. Diese Teile sind überraschend schwer. Nach dreien bekam ich Hilfe, eine Kollegin meiner Freundin, die eigentlich das Toddler-Zelt einrichten sollte, aber noch auf Zeug wartete, das sie dazu brauchte. Nennen wir sie Ida. Ida und ich legten also die Kabelkanäle und dann das Licht- und die Soundkabel da rein, dann halfen wir beim Aufstellen der Subwoofer und schlossen diese an, schleppten noch Zeug auf die Bühne und dann war es plötzlich auch schon Zeit für Lunch.

Mein Dafuq-Gesicht. In durchgeschwitzt.

Nach der Pause, in der ich einen Liter Wasser exte und drei Scheiben Brot aß, ging es auf der Bühne weiter. Ich schraubte irgendwelche Platten fest, schleppte die unfassbar schwere Bühnenleiter herum, half beim Boxen aufhängen und zog gefühlte drei Kilometer Ketten durch einen Flaschenzug, um die Boxen hochzuziehen. Schleppte nochmal ein paar Bühnenteile von A nach B und dann wurde ich entlassen. Stand kurz herum und wurde einem Typ namens „OK“*** zugeteilt. Der mich nach draußen schickte, einem Mädel beim Befestigen der Molton-Planen am Bauzaun helfen. Das war dann die Scheißarbeit des Tages, es hätte voll gut gehen können, wäre dieses Mädel besser organisiert gewesen und hätten wir vor allem ein scharfes Cuttermesser gehabt. Denn dann wäre das voll gut gegangen: eine schneidet mit dem scharfen Messer Löcher in die Planen (möglichst direkt so an fünf, sechs Stellen), eine friemelt die Kabelbinder durch und zieht sie fest, die erste klipst die Kabelbinderenden ab, nächster Abschnitt. So war es dann nicht, sondern eher so: sie prökelt mit dem Messer Löcher in die Plane, hält das Messer in der Hand und friemelt den Kabelbinder durch und schneidet dann mit dem eh schon stumpfen Messer den Kabelbinder ab. Während ich dumm rumstehe, mit der Kneifzange in der Hand. Oder abgeschnittene Kabelbinderenden aufsammele, die da von gestern noch liegen und die mich wegen „Vermüllung der Meere“ wirklich wütend machen. Nun ja. Wegen ihrer Verweigerung gegen meinen Vorschlag, doch einfach ein besseres Messer zu holen, dauerte das alles ziemlich lange. Tjanun. Ich hatte danach grad noch Zeit, meine Freikarten abzuholen, bevor die Bude für heute schloss. Fand OK, berichtete ihm von unserer Accomplisheden Mission und fragte, was es noch so zu tun gäbe. Ach, in 25 Minuten gibt es ja eh Abendessen, meinte er, ich solle einfach relaxen. Ja, nee. Also echt mal: 25 Minuten Däumchen drehen und auf Pause warten? Crazy German cannot do that. Ich wanderte also ein bisschen herum und fand ein paar ordentlich schwitzende Damen, die Bierzeltgarnituren aufstellten. Auf Nachfragen stellte sich heraus: das war die „Dekor“-Truppe, die ein bisschen überrascht und überfordert davon war, dass man Tische, auf die man hübsche Blümchen stellen will, erst aufstellen muss. Und dass so Biertische halt auch schwer sind. Ich packte also da mit an und erntete sehr viel Dankbarkeit. Um Punkt vier mussten die aber zu Abend essen, also tat ich das einfach auch.

Schwitzig, aber mit Nudeln im Bauch.

Nach dem Essen war ich wieder ohne feste Truppe. Und wurde von einem Mädel abgeschleppt, das für die Turnhalle zuständig war. Sie hatte auch Ida und zwei junge Mädels aus der Dekor-Truppe zugeteilt bekommen. Als erstes fragte ich, ob ich dafür Sicherheitsschuhe bräuchte, weil meine Zehen langsam von schmerzend zu taub übergingen. Brauchte ich nicht, Hurra. In der Turnhalle sollten zwei Bühnen sein. Und beim Reinkommen ging mir auf, weshalb die Turnhallen-Verantwortliche so ein ganz kleines bisschen gestresst gewirkt hatte: da war noch gar nichts passiert. Sah halt aus wie ne Turnhalle mit reichlich Zeug in diesen großen Rollboxen drin. Schon bei „wir müssen diesen Mattenhaufen da drüben hinbringen“ wurde klar, dass die zwei jungen Dekomädels nicht so ganz in Idas und meiner Muskelliga spielten, denn die Matten (diese normalen blauen Turnmatten) konnten sie nur zu zweit tragen. Und als der Haufen überkniehoch wurde, kriegten sie die Matten selbst zu zweit kaum noch obendrauf gewuchtet. Ok, das konnte ja was werden. Die nächste Aufgabe war: die Wände verhängen. Auf einer Seite des Raums sollten Stoffbahnen mit einem Tacker an die Wand gebracht werden (in ca. 2,50 m Höhe), auf der anderen in der selben Höhe mit so riesigen Wäscheklammern an der Sprissenwand befestigt werden. Ich und Ida waren ein Team und hatten ratzfatz 5 Stoffbahnen an die Wand getackert. Ausrollen, Hoch auf die Leiter, Tack, tack, tack, Leiter verschieben, tack, tack, tack. Die ohne Tacker hielt die Plane hoch, damit die oben nicht zu viel Gewicht hochziehen muss. In der Zeit, in der wir die 5 Bahnen angebracht haben, schafften die Deko-Mädels Eine. Eine mickrige Plane. Kannste dir nicht ausdenken. Die waren nicht stark genug, diese überdimensionierten Wäscheklammern aufzudrücken. Und stellten sich auch ansonsten einfach unglaublich dämlich an. Naja. Wir waren ja auch mal 16, deshalb Übernahmen wir das weitere Aufhängen recht unemotional. Und auch den Fußboden für die eine Bühne verlegten wir schnell und ordentlich. Das Aufhängen dieser Stoffbahnen war übrigens ziemlich ätzend und ich hinterher komplett voll mit schwarzen Fusseln, also ein bisschen was hätten die Mädels ruhig auch machen können. Stattdessen schlugen sie Rad (war ja ne Turnhalle) und quietschten der Hyperventilation nahe auf, als ich mit einem geliehenen Klappmesser im Molton herumsäbelte, um die Lüftung freizulegen. „Oh Gott, leg das Messer weg!“ Hmmja.

Um halb sieben gab es nichts mehr zu Verhängen und auch sonst in der Turnhalle nichts zu tun****, also spazierte ich zum Freiwilligenzelt, trank einen halben Liter Fanta und ging dann wieder auf Wanderschaft, Arbeit suchen. OK hatte welche für mich: sechs Stücke Bauzaun waren irgendwie falsch gelandet und sollten jetzt zurück auf den Ständer.

Meine Fresse, sind Bauzäune schwer! Und unhandlich erst (ok, das war irgendwie offensichtlich). Und sind diese Ständer schwer zu verstehen. Für die 6 Teile und einen Weg von ca. 20 Metern brauchte ich gute 20 Minuten. Holte mir von OK ein „gut gemacht!“***** ab und schleppte mich danach mehr nach Hause, als dass ich ging.

Zu Hause. Komplett in Eimer. Aber irgendwie glücklich.

Jetzt sind meine Beine und Füße dick wie Baumstämme und ich freue mich schon voll auf Abbau. Öhömm. Nicht. Trotzdem war es schön, da mitzumachen, gebraucht zu werden und Ergebnisse zu sehen. Hachja.

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*und die ist groß

**naja

***warum haben so Bühnenleute gerne mal beknackte Spitznamen?

****gefragt habe ich schon, und bekam ein „Eigentlich nicht, vielen Dank, toller Einsatz!“***** zurück

*****quasi der norwegische Ritterschlag

Tag 1023 – Laufen, Atmen, Kind einschulen.

Michels Einschulung stresst mich ja aus mehreren Gründen sehr. Da ist zum einen das leidige Thema Jobsuche, eigentlich wollten wir ja schon längst hier weg sein, aber, Tamara, sind wir nicht. Herr Rabe hat das Thema „dann halt trotzdem nach Oslo ziehen, arbeitslos sein kann man da ja auch“ eigenmächtig ad Acta gelegt, und weil er außerdem 100 Jahre mit dem Bloglesen hinterher ist aber weil das ca. monatlich schwankt, kann ich das auch schreiben. Jedenfalls sieht es so aus, als würde Michel an der Stadtteilschule anfangen. An der gemobbt wird. Mit dem unangenehmen Kind (das wird auch nicht besser, sondern schlimmer) in einer Klasse. Und das Ganze, wie ich finde, ein Jahr zu früh. Er ist doch noch so klein.

Aber er freut sich auch wahnsinnig doll und deshalb haben wir uns heute Nachmittag alle vier auf den Weg zur Schule gemacht. Die Kinder frisch geduscht, Michel frisch entladen, denn er freut sich zwar, aber es stresst ihn eben auch und dann zettelt er wegen irgendwas Streit an und bricht dann ein unfassbares Drama vom Zaun, um sich mal wieder ordentlich auszuheulen. Ganz die Mama. Ähämm. Ich war – quasi zur Vorbereitung – heute morgen schon zu Fuß einkaufen und mich beim Kinderfestival akkreditieren*, das machte dann vor 12 schon 14.000 Schritte und etwas über 10 km und das war dann meine Form von Entladung. Bei dem Einschulungsdings schluckte ich alle meine Negativität runter, mit sehr viel Mühe, er freut sich so, er freut sich so, er freut sich so. Und weil ich ja grad nicht twittern möchte, bekamen Menschen einen Teil meiner Boshaftigkeiten über What’s App ab, der Rest jetzt hier (sorry, wirklich, aber es geht nicht anders, es muss raus, sonst kriege ich davon Magengeschwüre): Michel wird also mit dem Kind in eine Klasse gehen, das immer ohne Sitz und ohne Helm auf dem Gepäckträger seiner Mutter transportiert wird, mit zwei sechsjährigen Mädchen mit Kopftuch (das haben die natürlich aus ganz freien Stücken auf und ja, ich müsste auch bei deutlich sichtbaren christlichen Symbolen mindestens eine Augenbraue sehr weit hochziehen), mit mehreren Kindern, die auf dem Weg zu ner „gesunden Bräune“ offenbar auch den ein oder anderen Sonnenbrand mitnehmen, mit dem unangenehmen Kind aus der KiTa, mit Hermione Granger aka myself when I was 6, und zu guter Letzt mit dem Sohn eines Biotech-Professors, den ich schon oft an allen möglichen Orten getroffen habe, zuletzt gestern (!) in seinem eigenen f*cking Lunchroom und der trotzdem grundsätzlich so tut, als würde er mich nicht kennen gar nicht wahrnehmen. Hrmpf.

So, jetzt ist es raus, dann mal der Rest: Das mit der Einschulung läuft hier ja ganz anders als in Deutschland, denn am 1. Schultag gibt man das Kind recht unaufgeregt beim SFO (Skole-fritids-ordning, wie Randstunden- und Ferienbetreuung in einem) ab, bleibt eventuell noch ein wenig da und dann ist die ersten drei Wochen eben eh nur SFO, das Schuljahr geht erst in der zweiten Augusthälfte richtig los. Keine Feier**, keine Schultüte***. Dafür ist der Tag wichtig, an dem die Kinder ihre Schulranzen bekommen. Nicht so feierlich wie in Deutschland, aber schon halt ein großes Ding. In Norwegen bekommen Erstklässler*Innen einen Rucksack vom „Fylke“, also in unserem Fall (dem frisch vereinten) Trøndelag. Das finde ich aus tausend Gründen wiederum gut, denn so hat man als Eltern dieses, wie ich auf Twitter immer wieder beobachten darf****, völlig irrsinnige Thema Ranzenkauf („Welcher! Ergonomisch! Preis! Muster!“ und am Ende gehen alle mit einem Ding nach Hause, das fast größer als das Kind ist, eine Niere kostet und in dem dann trotzdem die Schulbrote vergammeln) umschifft*****, es gibt keinen Wettbewerb unter den Eltern Kindern, wer den ergonomisch besten coolsten Ranzen hat, der ist nicht besonders groß, also geht auch nicht viel rein, also wenig Geschleppe und wenig vergessenes Gedöns, der hat drülfzig Reflexstreifen und weil der eben als Erstklässlerrucksack erkennbar ist, wissen auch Unbeteiligte gleich, dass das ein Erstklässler ist und kein KiTa- oder älteres Kind. Nun denn. Heute gab es also diesen Rucksack, Michel ist unglaublich stolz und Pippi unglaublich traurig, dass sie keinen bekommen hat.

(Da steht, total witzig, hahaha, drauf: „Erstklassiger Trønder“. Groan.)

Ansonsten fangen in der ersten Klasse 32 Kinder an, genauso viele wie in meiner Grundschulklasse waren. Allerdings wird Michel immer 3 Lehrerinnen****** in der Klasse haben, ich hatte damals exakt 1 und dass das nicht so gut funktioniert hat, hat dann in meinem Fall sogar die Schule eingesehen und die Klasse aufgeteilt. Wie es bei Michel mit 3 Lehrerinnen wird, wird man sehen. Für mich wären ja 33 Sechsjährige in einem Raum schlimmer als Folter, aber deshalb bin ich ja auch nicht Grundschullehrerin, ne? Vielleicht wird das ja alles ganz gut. Persönlich finde ich ja, so langsam kann dann auch mal was überraschend gut laufen, statt immer nur Mist und noch mehr Mist. Ich wünsche mir für Michel so sehr, dass das gut wird, sogar noch besser, als er sich das jetzt vorstellt. Mein großer kleiner Zwerg.

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*Dazu mehr dann morgen.

**Wobei ich auch da schon des öfteren sehr verwundert war, zu was das teilweise in Deutschland aufgeblasen wird, inklusive gemieteten Räumlichkeiten und eeeewig im Voraus ausgebuchten Restaurants und Familie, die durch halb Europa anreist. Äh, ok. Kann man halt machen, ne? Muss ich ja nicht. Und n bisschen bekloppt kann ich’s schon auch finden.

***Eine Schultüte hingegen werden meine Kinder kriegen. In Deutschland würde ich wohl eine kaufen, da es hier aber keine gibt, muss ich die wohl basteln. Sei’s drum. Schultüte muss sein.

****Grad halt nicht und der Teil des Twitter-Verzichts, nämlich das wesentlich weniger häufige #alleirre-denken, der ist echt schön.

*****Zumindest aufgeschoben, aber ich hab noch nie mitbekommen, dass hier um den Ranzen so ein Gewese gemacht wird wie in Deutschland.

******Leider keine mitzumeinenden Männer.

Tag 1019 – Gråkallen.

Heute haben wir uns sehr spontan der Familie von Michels bestem Freund angeschlossen und sind auf den Gråkallen gestiegen. Wir, das waren in diesem Fall Michel, Pippi und ich. Der Gråkallen ist ein kleinerer Berg oder größerer Hügel*, von dem aus man einen schönen Blick über Trondheim und den Fjord hat und es geht ein Weg von Skistua den Berg hoch. Das hörte sich alles ganz gut an, es war strahlender Sonnenschein bei 20 Grad (Sommer!) also packte ich die Kraxe mit Sonnencreme, Wasser und Keksen und wir fuhren los. Es wurde dann auch ein wirklich schöner Ausflug, Michel lief ohne Gemecker den Berg hoch und wieder runter, Pippi hätte ich nur auf dem Rückweg mal kurz aussetzen können, als sie „Renn doch, Mama, Heia! Heia!“ von meinem Rücken skandierte, und leider hab ich nur dieses eine Bild gemacht:

Aber nachdem ich Pippi samt Traxe den ganzen Berg hoch- und wieder runter geschleppt habe, über Stocksteinfels und sogar durch Mooriges Gelände, brauchte ich heute auch echt kein extra Bein-Workout mehr. Aber etwa 2 Extraliter Wasser. Uffz.

Abends dann noch mit der Lieblingskollegin (Ex-Kollegin) gegrillt, das war auch sehr schön und jetzt liegen drei sehr erledigte und ein nicht ganz so erledigter Rabe im Bett und freuen sich** auf eine neue Woche.

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Außerdem: ein Missverständnis geklärt, was mich seit einer guten Woche sehr beschäftigt und meine Selbstzweifel ordentlich befeuert hat. Wegen nix, weil mir da offenbar mein Unterbewusstsein einen komplett unlustigen Streich gespielt und mir was vorgegaukelt hat, was da gar nicht war. Wie froh ich bin, dass es nur Einbildung war, kann ich gar nicht sagen. Sehr froh. Auch darüber, nicht gleich meinen ganzen schon vorbereiteten Vorwurfs-Sermon abgelassen zu haben. Das wäre eventuell ziemlich peinlich geworden.

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Auch außerdem: möchte Twittergebrauch für eine Weile sehr stark einschränken. #AusGründen. Mal sehen, wie es klappt und was es bringt.

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Auch außerdem: muss einen Plan haben, was ich die nächsten Monate mache. Herr Rabe schlug vor, R zu lernen und darüber zu bloggen. Ich finde die Idee gut, aber das würde ich dann anderswo verbloggen, mal sehen wo.

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*551 Meter

**(Hoppla, den hatte ich vergessen.) Also wir freuen uns alle so mittel auf die neue Woche, wie das halt so ist, Wochenende ist ja doch ganz schön.

Tag 1018 – Nix neues.

Fauler Tag, dann doch noch zwei Bewerbungen geschrieben (huldigen Sie mir bitte nicht, die zwei Stellen sind so ähnlich, dass ich nur drei Sätze angepasst habe), bisschen Wäsche, sonst war nix und jetzt ist Bett.

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Nachtrag, bevor ich das wieder vergesse: vielen, vielen Dank, liebe Leserin F., ich habe mich unglaublich doll gefreut! Vor allem über die Inschrift! <345! (Research Plus ist eh die beste Pipette, wobei ich auch Reference sehr gern mag, hachja.)

Tag 1017 – Kleine Brötchen.

Wenn ich irgendwas nicht brauche, dann ist es „kleine Brötchen backen“. Ich red mir doch eh schon alles immer schlecht und klein, herrje. Ich gehe mir selbst auf den Zeiger mit meiner Negativität. Kaputt klopft schon wieder an, aber ich bin noch in der Verweigerungsphase. Noch rede ich mir selbst nach Kräften ein, dass grad einfach alles auch Mist *ist* und man da schon mal überdurchschnittlich häufig sehr gefrustet und lustlos und weinerlich sein kann. Oder halt auch einfach mal die Welt untergehen sieht und sich ausmalt, wie viel besser die Leute im Umfeld ohne eine dranwären. Das kann schon mal passieren. Jaja, sicher.

Aber dann sind so Tage wie heute und ich mache eigentlich gar nicht mal wenig, ich habe Brötchen gebacken, eine wirklich WIRKLICH zähe Bewerbung geschrieben (fast hätte ich’s gelassen, aber dann machte ich andere Anzeigen aus Norwegen auf und die wollten alle „richtige“ Bioingenieure, was hier eine geschützte Berufsbezeichnung ist, und das bin ich dann eben nicht und, ach, wenigstens eine Bewerbung, das kann ja wohl so schwer nicht… doch.), war Kleinigkeiten einkaufen, Habe Unmengen Altglas und anderen Müll entsorgt und das Auto umgeparkt, war ausgiebig duschen mit fast allem Pipapo, kurz: eigentlich echt okayer Tag. Und trotzdem spult mein Kopf lauter Kritik ab. Kein Sport gemacht, nur eine Bewerbung, die Kinderklamotten stehen immernoch im Schlafzimmer statt im Internet zum Verkauf, und überhaupt, wieso schläfst du denn noch nicht?

Mein Kopf soll seine Klappe halten. Echt mal.

Tag 1016 – Nur schnell das Fahrrad reparieren.

Als meine Fahrradbatterie geklaut wurde, war ich ja sicher, dass das Batterieschloss kaputt gegangen sein muss, schließlich war die Batterie aus dem geschlossenen Schloss einfach herausgerissen worden und außerdem sah das auch unten so aus. Und weil aber ja eh Januar war und nicht sooo tolles Fahrradfahrwetter, machte ich erstmal genau gar nix.

Und dann war plötzlich April und kein Schnee mehr und ich dachte, oh, das Fahrrad. Leider war ja kein Fachmensch aufzutreiben, der mir mein Rad reparieren wollte, deshalb bestellte ich schlussendlich ja eine neue Batterie, ein neues Batterieschloss und einen neuen Fahrradcomputer im Internet.

Dann passierte sehr lange nichts, weil der Internethändler seinerseits erstmal die Batterie bestellen musste. Anfang Mai wurde dann endlich das Paket an mich verschickt und es passierte wieder so lange nichts, dass ich letzte Woche (aus dem Urlaub) doch mal nachhakte, was denn mit dem Paket passiert sei. Ich bekam auch schnell eine Antwort mit der Sendungsverfolgung, demnach lag das Paket schon seit drei Tage nach Versenden bei der Post bei uns um die Ecke. Angeblich hatte mir die Post drei SMS geschickt, ich solle doch mein Paket abholen. Frage mich nur, wie die das gemacht haben wollen – so ohne Telefonnummer. Tjanun, jedenfalls holte ich das Paket direkt am Samstag Dienstag morgen ab.

Gestern machte ich mich dann an die Reparatur. Kein Ding, so ein Schloss auswechseln. Dachte ich. Herr Rabe hatte gesagt, man müsse da das Hinterrad für ausbauen, sonst käme man nicht an die Schrauben, die das Schloss am Gepäckträger festhalten. Also stellte ich das Rad auf den Kopf und baute „mal schnell“ das Hinterrad aus. Genau genommen musste ich erstmal so Sachen googeln wie „wie macht man das Rad ab, wenn man Nabenschaltung hat“ und so war die erste Stunde meines als halbstündig eingeschätzten To-Do-Listen-Punktes schon um, als ich das Rad dann endlich abhatte. Ich war auch etwa fünf mal in unsere Wohnung (2. OG) und den Keller gelaufen, um diverse weitere Werkzeuge zu holen, die nicht in Herrn Rabes schniekem Werkzeugkoffer sind sondern… halt sonstwo. Und meine Hände waren natürlich schwarz. Aber ich hatte das Rad ab und auch zwei der Schrauben, die das Schloss am Gepäckträger halten. Glücksgefühl! An die dritte Schraube kam ich leider nicht ran und irgendwie sah es aus, als müsse ich dafür auch das Schutzblech mitsamt der ganzen darin verbauten Kabelage ausbauen… Das konnte es irgendwie nicht sein, also besah ich mir den Gepäckträger noch mal genauer und siehe da – das ganze Ding, das die Batterie (und das Schloss) hält, ist mit zwei popeligen Schrauben am Gepäckträger befestigt und die sind hinten, unterm Rücklicht, total gut erreichbar. Ich löste also die zwei Schrauben und konnte dann das ganze Teil ein Stück herausziehen (nicht ganz, war ja noch das Kabel dran) und so weit drehen, dass ich gut an die dritte Schraube kam. Löste die, konnte dann das Gehäuse vom Schloss abmachen und frickelte dann geschlagene 15 Minuten herum, um das *mieeeep* Schloss vom Rest zu trennen, bis mir aufging, dass man das einfach abziehen kann, wenn man geduldig genug ruckelt. Ein bisschen wie dieses Magnet-Dings bei Brüllens, das „irgendwie ganz von selbst“ in ungünstiger Stellung ineinander gefunden hatte und sich dann nur mit viel Geduld wieder zerlegen ließ (und ich habe das grade nachgeguckt, niemand hat das bisher im Internet berichtet, wie ich heldenhaft… aber eigentlich ist es auch nicht so wichtig). Und wie ich dann endlich so das alte Schloss in der Hand hatte, sah ich auch, dass es genauso aussah, wie das neue. Nur halt älter. Aber nicht kaputter. War es auch nicht. Das Schloss ist offenbar einfach ein Witz und mit einem beherzten Ruck geht es auf, ohne dass Schloss oder Batterie Schaden nehmen. ORRRRRR!

Weil ich aber bockig war, weil ich erst das blöde Hinterrad ausgebaut hatte, was ja für das Lösen des Batteriehalters doch gar nicht nötig gewesen wäre, um ein Schloss auszutauschen, was gar nicht kaputt war, baute ich doch das neue Schloss ein. Pah! 180 Kronen hab ich ja wohl nicht für nichts ausgegeben! Der Einbau ging auch relativ gut, der Wiedereinbau des Hinterrades war da schon spannender, vor allem weil ich inzwischen – es waren ja auch etwa zwei Stunden rum – die Kinder dabei hatte, die nur Mist machten. Grandios. Die Gangschaltung zickte, die Kette zickte, dann lief das Rad nicht gerade, die Bremse fiel mir auseinander… Allen Widrigkeiten zum Trotz schaffte ich es dann doch irgendwann, alles zusammenzubasteln und musste nur noch den Reifen, der sich nur im schlaffen Zustand hatte ausbauen lassen (was ja nicht nötig… aber Schwamm drüber), wieder aufpumpen. Und das ging einfach nicht. Nicht mit der Standpumpe, nicht mit diversen Luftpumpen, Es. Ging. Nicht. Ich pumpte und pumpte und es kam keine Luft in den verdammten Reifen. Irgendwann gab ich völlig gefrustet auf, schnauzte die Kinder an, den Mann, der irgendwann nach Hause kam, auch, kurz: der Abend war eigentlich gelaufen. Dass der Mann das Problem „Ventil verstopft“ dann mit Gewalt löste und mir noch aufs Brot schmieren musste, dass da ja eine Kappe auf das Ventil gehört, machte nichts besser. Essen aber schon und so konnte ich wenigstens das Fahrrad abends wieder reinräumen ohne es anzuzünden.

Heute wollte ich dann „nur noch kurz“ das Rad waschen. Machte ich auch, das dauerte aber trotzdem eine nicht ganz so kurze Stunde. Und brauchte drei mal frisches Spüliwasser, zwei Glitzischwämme und einen normalen Schwamm, die ich hinterher einfach weggeworfen habe, die schwarze Fettschmiere hätte man da sicher nicht rausbekommen. Was mir aber Herr Rabe noch gesagt hatte, war, dass die Kette vorne abgerutscht war, ich musste also nochmal das Hinterrad lösen, die Kette auffummeln und dann das Hinterrad wieder festschrauben. So dass es grade läuft, die Bremsen gleichzeitig greifen…Yeah. Das mit den Bremsen wollte auch einfach nicht klappen, sodass ich mir die Bremsen nochmal genauer ansah. Die griffen auch einfach nicht, die Bremsbeläge waren ziemlich verschlissen. Also guckte ich mir ein YouTube-Video zum Nachstellen von Bremsen an. Und frickelte die folgenden zwei Stunden an den Bremsen herum, mit so tollem Erfolg, dass ich am Ende (mit schwarzen Händen, zerzausten Haaren und dreckigen Jeans) das Fahrrad und die komplett demontierte hintere Bremse zum Fahrradladen schob, der ist ja um die Ecke, immerhin. Der Mann im Fahrradladen schaute dann, weshalb sich die eine Bremsbacke nicht bewegte, indem er dreimal den Hebel zog und dann meinte: „wieso, geht doch?“ Und guckte dann nach neuen Bremsklötzen, die hatte er aber nicht da, aber er habe eh keine Zeit für den Einbau, frühestens nächste Woche. Traf sich gut, ich hatte nämlich kein Geld für den Einbau. Also rollte ich nach Hause, stellte das Rad wieder ab, aß eine Scheibe Brot (mein Frühstück um zwölf, jaja, ganz toll gelaufen alles) und fuhr mit dem Auto zum Einkaufscenter, wo ich dann 450 Kronen für neue Bremsbeläge ausgab. Juchhei. Wieder zu Hause baute ich die neuen Bremsklötze ein und alles wieder zusammen, was beim etwa 5. mal viel einfacher geht, als beim 1. Dann stellte ich die vordere Bremse ein, ölte in einem Affenzahn die Kette und sämtliche, neue und alte, Schlösser des Rads, spritzte Rostschutzöl auf die Pedalkurbeln, rannte nach oben, wusch mich und zog mir frische Sachen an, zackzack, Sonnencreme ins Gesicht und dann fuhr ich mit dem Rad, der neuen Batterie, dem neuen Display, dem neuen Schloss und neuen hinteren Bremsbacken zur KiTa, Michel zur Schuleingangsuntersuchung abholen. Leider fing nach etwa 10 Metern die vordere Bremse auf einer Seite herzerweichend rhythmisch an zu schleifen, aber das konnte ich beim besten Willen nun auch nicht ändern.

Allerdings konnte ich es dann ändern, als ich mit Pippi zu Hause ankam, Michel hatte ich bei seinem besten Freund abgeliefert, Pippi war im Kinderwagen eingeschlafen, in der Packung noch zwei Bremsklötze… Ein Zeichen.

Beim 6. mal geht das mit dem Bremsen ausbauen, Klötze raus, Klötze rein, einbauen, einstellen, noch mal viel schneller als beim 5.

Und jetzt habe ich also, nach zwei Tagen Arbeit, endlich wieder ein funktionierendes Fahrrad. Mit Batterie, gängigen Schlössern, einer glänzenden Kette, Top Bremsen, die sofort greifen und bei denen man die Hebel nicht bis an den Griff ziehen kann, und es blitzt und blinkt sogar obendrein. Hach. Und dass die Bremsen nirgends schleifen, habe ich dann noch auf dem Weg Michel abzuholen überprüft.

Ich bin sehr stolz auf mich. Ehrlich. Das habe ich schlussendlich dann doch gut hinbekommen. Jetzt muss ich dann nur noch Fahrrad fahren mögen.