Tag 761 – Hält der denn wirklich so lange?

Ja. 

Lyin‘ King Ultra Satin Lip. Aufgetragen um acht. Dieses Bild entstand um halb zehn, als die Titel-Frage in mein Handy plüngelte und ich beschloss, heute eine Bilderreihe _ohne_ Nachziehen zu machen.


17:00. Das Puder schwächelt. Lippenstift (und auch Lidschatten) sind da, wo sie sollen. Ich hatte in der Zwischenzeit 2 Kaffee, 4 Glas Wasser, Mittagessen (Nudeln mit, haha, roter Beete) und Kuchen im Gruppenmeeting.


21:00 Auch Pfannkuchen konnten dem Lippenstift nichts anhaben. Verkniffener Gesichtsausdruck, weil Herr Rabe grad versucht, mich beim Fotografieren zu fotografieren. Weil ich, der Beleuchtung wegen, auf unserem „Wohnzimmertisch“-Hocker liege.


So, abschließend hier das Abschminkprozedere: 1 Stritzer Reinigungsöl (von Balea) direkt auf die Lippen rubbeln und mit viel lauwarmem Wasser abwaschen. Zwischendurch Faxen im Spiegel machen, weil man wahlweise aussieht wie ein Clown oder ein Vampir. Auf eine ganz weiche Zahnbürste (ich benutze ja eh zum Zähne putzen diese „Super Sensitive“ oder wie die heißen von der dm Eigenmarken) eine „mein Baby hat nur drei Zähne“-große Portion Zahnpasta machen und den Rest des Lippenstifts abrubbeln. Drei weitere Stritzer Reinigungsöl im Gesicht verteilen und alles mit warmem Wasser abwaschen. Eventuell BHA-Peeling auftragen (meiner Haut reicht jeden 2. Tag, bei öfter fängt sie an zu protestierend), dann Nachtcreme und für die Lippen ne ordentliche Portion Lippenpflege (ich benutze das laut Paula’s Choice unglaublich schlimme Carmex, schon seit Jahren, meine Lippen können offenbar viel fieseres Zeug ab, als der Rest von meinem Gesicht). Zähneputzenabinsbett. 
(Übrigens hielt auch der Lidschatten wirklich Bombe, der sah genauso aus wie morgens, (auch) dank der Lidschattenbase, die mir Frollein Polly geschickt hat, nur: haben Sie schon mal versucht, ihre eigenen, geschlossenen Augenlider zu fotografieren? Ich schon und… naja. Funktioniert nicht soooo gut.)

Tag 759 – Dear @ColourPopCo,

I am writing you, because I want to ask you a favor. But, well, this is a blog, I cannot write only one sentence, that would be blunt and boring anyway, so let me tell you my make-up story first.

Uh, now that I come to think of it: it’s ridiculously short. Because I started using make-up regularly, umm, this year. The only cosmetics product that I used daily before then was mascara. Sometimes powder. Lipstick, eyeshadow and so on were mainly for parties and business occasions, and it always annoyed me that literally all of my lipsticks would transfer everywhere and not stay on the lips, and that eyeshadow always ran into the crease and crumbled there, giving any eye make-up a very… worn look after just two, three hours. That sucked, and it kept me from using make-up more frequently and in everyday life, where I couldn’t rely on „everyone who saw me was drunk anyway, haha“. But I always had the idea, that it has to be possible to have long-lasting make-up, other people can do it, too, why not me? And when I moved from Germany to Norway, where all cosmetics are horribly expensive, I thought, I could just as well go all-in and invest in some really good stuff. 

But when I asked on Twitter (in my German bubble, that is) if people would recommend any cosmetics brand for lipstick and eye-shadow, a friend recommended your products to me and I found them at least affordable (given that I was prepared to pay a fortune), so I ordered a „trial package“ with one foursome Super Shock Shadows, and one Ultra Satin Lip and one Matte Lippie Stix, with a Pencil that fits both colors. And I was completely flashed! The colors! The consistency! And they last, and last, and last, on the lips, the eyes, just where they are supposed to stay! It was like a revelation! Consequently it did not take a long time to my next order, with more Super Shock Shadows, lip colors, blushes and highlighters. And I love them all! In a third order I got a palette of blotted lips, which have become my absolute favorite every day lipsticks.

In the last months, I have learned a lot about what suits me, by trial (and error). I would never have anticipated, that greens, gold(-ish) and browns match my blue eyes much better that blues. Or that highlighter is the best invention ever. Because I really like some glitter. Of course, whenever people ask (and they do a lot!) how I make my lipstick stay the entire day and through several meals, I tell them that it’s from ColourPop and add som extra enthusiasm and exclamation marks!!!1! And I now that several friends have become addicted to your products as well.

But then you always have so many new products, it’s awesome and great and super smart of you, because people like me who don’t really know (yet) what they like probably order all the time. So I really understand if your reaction to my letter is a mere „bwaaahahaha!“. And it won’t keep me from ordering, anyway. 

My question is: Would you marry me make a Christmas calendar? Pretty please? With sugar on top? That would be the best (early) Christmas gift ever, I imagine trial-size goodies and some of those new, fancy products, and maybe some crazy colors that I’d never buy, and… but well. You have the picture.

Think about it. You would make a fan very happy (and I’m sure, not only one).

<3 –

R. Rabe

Tag 756 – Uffjerecht. 

Eigentlich sollte hier ein langer Post stehen, aber der muss halb fertig noch ein bisschen garen, es ist ja schon wieder so spät. Aber ich hab mich heute schon wieder so aufgeregt, das muss irgendwo hin. 

Auch aufgeregt hat sich offenbar halb Deutschland beim Schauen des TV-Duells, war wohl müde wie der ganze Wahlkampf. Kurz entschlossen: ich mache jetzt noch Wahl-O-Mat, deinwal.de hab ich schon durch und dann wähle ich und dann gehe ich schlafen. Aufregend. 

Hier noch zwei Bilder von gestern. Zum Abregen. 

Im Kinderwagen sitzen…

Michels Baby (rechts) und Pippis Baby (links). Beide wurden auch schon gewickelt und gefüttert. Und Pippi hat ihnen gezeigt, wie man sich festhält, sie halten sich nur nicht dran.

Tag 755 – Mona Lisa. 

Ich wollte mich eigentlich gezielt aufregen, aber dann entschied ich mich anders und twitterte lieber herum und machte Teig für sechstausend Backwaren und rupfte einige Augenbrauenhaare aus. Also, nacheinander, nicht dass sie denken, ich zupfe meine Augenbrauen über der offenen Teigschüssel. Aber jedenfalls habe ich jetzt für heute gar kein Thema mehr, über das ich schreiben könnte. Ich liege hier im Bett, lächle vor mich hin wie die Mona Lisa und denke drüber nach, ob die vielleicht auch lächelt, weil sie „alle irre“ denkt. Oder vielleicht denkt sie auch an ihre wunderbaren Kinder. Oder daran, dass das Kinderzimmer echt zu klein ist, was man daran merkt, dass nach zwei Stunden Schlaf da drin schon eine Luft ist, wie im Pumakäfig. Leider geht ja auch das Fenster nicht richtig auf, das hilft also auch nix, und dann wühlt das große Kind im Schlaf so rum, dass es falschrum oben auf der Decke liegt und das kleine Kind sagt „Decke!“ wenn es zugedeckt werden will und aber auch, wenn es vor dem Schneckenterrarium steht. Außerdem sagt das kleine Kind „Socken anziehn!“ zu Michels Magnetbuchstaben-L. Das große Kind sagt „Pippi guckt so bisschen müde aus.“ weil es auf Norwegisch so heißen würde und überhaupt benutzt es viele lustige Redewendungen. Meine Kinder sind auch die einzigen, die „Guck jetzt!“ sagen, statt „Guck mal!“, bevor sie auf dem Bett hüpfen. Und ich liege im Bett und denke an die Mona Lisa und hoffe einfach mal für sie, dass sie auch auf dem Bett hüpfende Kinder hatte. 

Tag 753 – Schnipsel. 

Konfokalkurs gehabt. Wo soll ich anfangen? Bei der bunten Häkelweste und der Holzperlen-Lederkette? Den ständigen Hinweisen, was für ein cooooooooler Musiker der Konfokalobermotz doch ist? Oder meinen mörderischen Kopfschmerzen? Oder damit, dass, genau wie im 1. Semester damals, die Antworten immer „Wärme“* oder „Pi-Elektronen“** sind? Naja, war, jetzt darf ich alleine am Mikroskop arbeiten. 

Langsam setzt Entspannung ein. Heute habe ich sogar, als ich auf meine Mikroskopzeit wartete, einfach so einen Kaffee getrunken und nahezu nichts*** getan. 

Mikroskop, erstes Mal alleine: läuft, würde ich sagen. Wie immer alle sagen, dass das totaaaaaaal schwierig ist, das alles richtig einzustellen, und, äh, das ist total logisch. Das ist echt nicht schwer, wenn man verstanden hat, welches Dings was tut, all die kleinen Spiegel und Filter und Verstärker und Tralala. Keine Ahnung, wieso sich meine Kollegen da so anstellen… Für alles, was komplizierter ist, gehe ich eh zur Core Facility, aber das grundlegende „hat meine Färbung geklappt?“ kann ich jetzt alleine. 

Ich habe offenbar viel genörgelt in letzter Zeit, ich kriege jedenfalls plötzlich viel Hilfe von meinen Kollegen angeboten. Das fühlt sich sehr viel besser an, als das Alleinsein und die ungeteilte Verantwortung von vorher. 

Morgen werde ich einen potentiellen Opponenten für die Defense ansprechen. Das ist sehr aufregend. 

Meine Kinder sind die, die sich bei 12 Grad auf dem Spielplatz die Socken und Schuhe ausziehen. 

Auch auf dem Spielplatz: Kind-Kumpel: „Was arbeitet deine Mama?“ Michel: „Meine Mama arbeitet mit Zellen. Im Krankenhaus. Weißt du was für Zellen?“ – „Nein?“ – „So welche, die im Körper sind!“ – „Meine Mama arbeitet mit Brillen!“.

Diese Autokratzersache**** ist jetzt richtig teuer geworden, offenbar hat unsere Versicherung einfach alles bezahlt, was die Gegenseite verlangt hat***** und es uns aufgebrummt. Heute kam jedenfalls ein Brief, sie hätten 1700€ ausgelegt und würden mich entsprechend hochstufen. Mal sehen, ob ich die Nerven und die Zeit finde, da morgen mal nachzufragen, ob die noch alle Tassen im Schrank haben. 

Aber echt mal: die Kinder. Hachz. So ist das, wenn sie schlafen sollen. (Ton anmachen.)

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Fehler
Dieses Video existiert nicht
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* „Wo geht die Energie hin, die Quantenausbeute ist ja nie 1?“

** „Warum kann man das anregen, damit es dann leuchtet?“

*** ne To-Do-Liste erstellt. 

**** Ich wollte verlinken, hab dabei aber gemerkt, dass ich offenbar noch nichts davon erwähnte. Kurz: Michel hat auf unserer Tour nach Bergen an einem Parkplatz die Tür des Autos beim Einsteigen etwas schwungvoll aufgemacht und drei rote Lackspuren, von denen ich zwei mit Mikrofasertuch, Feuchttuch und Fingernagel wegbekam, am Nachbarauto hinterlassen. Das ganz neu war. Und weiß. Und teuer. Und weil ich ja unverbesserlich ehrlich bin, bestand ich drauf, auf die Besitzer des anderen Autos zu warten. Die fanden das voll nett. Und ficken einen dann eben doch hintenrum . Mache ich wohl auch nicht nochmal. Also warten. (Haha, natürlich doch, ich kenne mich ja.)

***** offenbar mindestens die komplette Tür lackiert, ungeachtet meiner Beschreibung der nicht mal fühlbaren Lackspuren. Das waren ja nichtmal Kratzer. Was natürlich jetzt im Nachhinein auch keiner beweisen kann, weil ja einfach gemacht wurde. Ohne Kostenvoranschlag, ohne irgendwas. Nur „nach Ihrer Beschreibung des Unfallherganges sind Sie schuld, wir halten Sie auf dem Laufenden.“. Dass ich (naja, Michel, aber der ist ja einfach noch nicht mündig) „schuld“ bin, habe ich ja auch nie angezweifelt. Nur das Ausmaß ist… äh… etwas absurd. Und „auf dem Laufenden halten“ verstehe ich auch irgendwie anders als „das hat’s gekostet, ihre Prämie erhöht sich damit um 300%, bitte verwenden Sie bei Rückfragen die Schadensnummer“.

Tag 751 – Achterbahn. 

Morgens Absage auf eine Bewerbung. 

Zur Arbeit durch den strömenden Regen. 

Bis zum Mittagessen anstrengender Versuch, stressstressstress. 

Dann auch noch kaum sichtbare Zellpellets, weil die Zentrifuge falsch eingestellt war. Mühsam Ausraster unterdrückt ob der Aussicht, den Versuch noch mal wiederholen zu müssen. 

Mittagessen alleine, weil jede Frage nach meinem Befinden unweigerlich zu einem Heulkrampf geführt hätte. 

Chef bestellt völlig irre Antikörperkombinationen. Er ist entweder ein Genie oder verrückt. Oder beides. Ich bestelle heimlich die sichere, wenn auch nicht ganz so geniale Variante. 

Email vom Konfokalobermotz: Kurs am Donnerstag. Da geht er hin, mein potentiell freier Tag, den ich so nötig hätte. 

Ich isoliere RNA aus den unsichtbaren Zellen. Es reicht, ich muss den Versuch nicht wiederholen. 

Während ich eigenmächtig Zellen färbe, um den Konfokalkurs schamlos ausnutzen zu können, kommt der Chef ins Labor und grinst über beide Backen: „Ich hab Geld ausgegraben, Du und die Bürokollegin könnt bis Ende des Jahres voll bezahlt werden.“ 

Ich sähe Zellen aus, fahre durch den Sonnenschein nach Hause, habe endlich mal wieder eine gute Zeit mit den Kindern, esse, bringe Michel ins Bett, fahre wieder zur Arbeit, ernte ein paar Zellen, kaufe Schokopudding.

Komme nach Hause. Pippi liegt bei Herrn Rabe auf dem Sofa, sie hat eine Erkältung (nicht so schlimm) und Ohrenschmerzen (Alarm!), Herr Rabe hat seine Kindkrank-Tage aufgebraucht, ich muss (mussmussmuss!!!) morgen diesen Versuch fertig machen, aber hilft ja nix, außer Daumen drücken können wir wohl nix machen. 

Mit der Schwägerin telefoniert, sehr aufmunternd war das. 

Jetzt merke ich erst, wie müde ich bin. Ich könnte hundert Jahre schlafen. 

Und morgen freue ich mich dann bestimmt auch mal über die zwei Monate mehr Zeit. 

Bestimmt. 

Tag 749 – Naja, immerhin Pilze gefunden. 

Komplett beschissener Tag (schlechte Nachrichten vom Tausend-Replikate-Versuch, das heißt jetzt, ganz kurz, damit ich nicht wieder heule, drei Möglichkeiten: 1) ein richtig schlimm Bad Science Paper schreiben, in dem ich nur drei von sieben Replikaten betrachte, das als Manuskript in die Thesis hauen und danach sehr schnell verdrängen, was ich da tat; 2) Mithilfe des Chefs* versuchen, mit einem Siebtautor-Paper und einem (hoffentlich bis dahin immerhin eingereichten) Manuskript, das aber ENORM aufwändig und auch gut ist, zu verteidigen, verstößt halt eigentlich gegen die Regeln, aber wozu gibt’s denn sonst die Ausnahmenklausel?; 3) Aufgeben. Und glauben Sie mir, das ist grad echt eine Option, ich bin so fertig, ich möchte nur noch heulen.) aber schauen Sie mal, was wir heute schönes fürs heutige und auch morgige Mittagessen gefunden haben:




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*auf den bin ich langsam echt sauer. Heute ich in langer Mail: „Wir könnten also den Antikörper oder den oder den kaufen, hier sind die Vor- und Nachteile von jeder Option, überleg dir was und bestell dann.“ Er, nach tausend Stunden und dem… Eklat mit dem tausend-Replikate-Versuch: „Bestell, was du brauchst.“ Orr. Was ich bisher im PhD gelernt hab: 1. vertrau niemandem; 2. Verlass dich auf niemanden;  3. Undank ist der Welten Lohn; 4. Machs lieber gleich alleine, wegen 1. und 2. und 3..

Tag 745 – Die Qual. 

Heute mit der Lieblingskollegin viel über die Bundestagswahl gesprochen. Weil ich ja seit gestern die Wahlunterlagen hier habe. Und weil ich viel Zeit hatte, während ich die absolut furchtbarste Arbeit der Welt erledigte (erinnern Sie sich an die kleinen Glasplättchen in den Platten? Die mussten da heute wieder raus. Nass. Festgesaugt an der Platte. Jedes scheiß Teil einzeln, möglichst ohne kaputtgehen, 120 Stück.) und sie viel Inkubationszeit hatte und überhaupt redet man ja selten über Politik. Jedenfalls stellten wir fest, dass wir beide nicht wissen, welche von den 42 Parteien wir denn wählen sollen. Dass wir ohne Probleme ~10 Parteien aufzählen können, die aus diversen Gründen gar nicht gehen. Dass wir beide (unrealistisch) hoffen, dass die AfD die fünf-Prozent-Hürde nicht knackt, aber beide davon ausgehen, dass es nicht so sein wird. Dass wir trotzdem wenigstens auf unter zweistellig hoffen. Und: Christian Lindner ist nur 6 Jahre älter als ich und nur 3 Jahre älter als sie. Quasi unsere Generation*. Ähh…

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*Anekdote: in meinem Abijahrgang gab es zwei relativ nervtötende Laberbacken, die permanent Dinge diskutieren mussten. Alles. Immer. Ich hatte mit beiden Deutsch von der 11. bis zur 13. Stufe. Wenn der eine den Mund aufmachte (Lieblingsthema: Spießbürger) rollte die Lehrerin schon mit den Augen. Wenn der andere einstieg, hatten wir anderen entspannt Zeit zum aus-dem-Fenster-gucken und der Lehrerin rollten fast die Augen weg. Der eine wurde CDU-Politiker. Der andere Journalist. Vielleicht interviewt der eine den anderen noch ab und an. Und danach tauschen Sie sich über ihre Geheimratsecken aus und diskutieren sich die Köpfe über die Spießbürger in Effi Briest heiß. In meinem Kopf jedenfalls ist das so. In echt arbeitet der eine bei RTL in der Redaktion und interviewt vermutlich gar keine Bielefelder Lokalpolitiker. 

Tag 743 – Mal nachdenken. 

Ich schrieb es ja schon mal: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ sitzt tief in mir. Und Vergnügen ist in dem Zusammenhang auch oft genug einfach als Ruhepause zu verstehen, Arbeit aber gleichzeitig mit Perfektionismus garniert, gewürzt und angerichtet. Da kann man jetzt irgendwen zwischen Luther und meiner Mutter für blamen*, aber das bringt ja auch nur minimal weiter. Woran ich halt arbeiten muss, um nicht mit schöner Regelmäßigkeit wieder kaputt (oder fast kaputt) zu gehen, ist, die Überforderung früh genug zu erkennen. Das klappt manchmal recht gut und ich mache mir dann Strategien, wie ich mit der Situation zurechtkomme. Manchmal klappt es gar nicht. Manchmal ignoriere ich die Anzeichen. Aber was sind denn die Anzeichen überhaupt genau? Spontanes Brainstorming mit mir selbst ergab: 

  • Essen. Ich vergesse das, habe auch keinen Appetit auf nix, manchmal dann Heißhunger. Langfristig nehme ich in Stressphasen immer ab. 
  • Schlafen. Ich stehe voll unter Strom bis zehn, elf Uhr, gehe ins Bett, lese bis zwölf, kann trotzdem nicht einschlafen bis… eins? Halb zwei? Zwei? Morgens komme ich dann nicht aus dem Bett und fühle mich direkt wegen der ersten Tätigkeit des Tages (Aufstehen) schon als Versagerin.
  • Wut. Mein Geduldsfaden ist am Ende nicht mehr vorhanden und ich kann auch meine Wut, wenn sie kommt, nur noch sehr schwer kontrollieren. Spätestens wenn ich anfange, wegen Nichtigkeiten gegen Wände zu schlagen, sollten alle, aber auch wirklich alle, Alarmglocken heulen. Aber gereizt und ungeduldig bin ich auch schon weit vorher. 
  • Konzentration. Wenn die flöten geht, ist’s aus. Leider gibt’s da keine Vorzeichen, mein Verstand läuft auf Hochtouren mit Karacho an die Wand.  Jedes Mal. 
  • Aufschieberitis. Dinge, die nicht supersupersuperwichtig sind, bleiben liegen. Seit Wochen ist das Laborbuch eine lose Blattsammlung? Hmm…
  • Self Care (ich hasse das Wort). Sport? Keine Zeit. Frisör? Keine Zeit. Neue Unterhosen besorgen, weil die alten alle ausgeleierte Gummis haben? Ach, nächstes Jahr vielleicht. Der Gedanke „Oh bitte jetzt nicht krank werden, Ich hab dafür keine Zeit!“ klingt selbst in meinen Ohren nach „Wheeeoooooeeeeeooooo!!!“, aber ich denke den oft. Wirklich erschreckend oft. 
  • „Nur noch diese Woche.“ Stimmt leider fast nie, denn dann kommt das nächste. Aber allein der Gedanke lässt ja darauf schließen, dass mir die Überforderung durchaus bewusst ist. 

Tja, ich würde sagen, ich habe gerade so ca. eine 8-9 auf der 10-Punkte-Stressskala. 

Nur noch… zwei Monate**. 

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*es tut mir echt leid, das Denglisch bricht sich seinen Bahn, das bringt das dreisprachige Leben hier so mit sich. Ich denke auch so und mir fallen manche Formulierungen echt erst nach langem Nachdenken auf Deutsch ein. 

**maximal ein Monat Labor, ein Monat am Schreibtisch. Ich bin jetzt in der Phase des PhD angelangt, wo ich noch bevor ich meinen Kram in mein Büro bringe in des Chefs Büro gehe, um irgendwelche bahnbrechenden Neuigkeiten, Versuchsergebnisse oder die vielfältigen Verfehlungen des Konfokalheinis zu besprechen. 

Tag 742 – Fauler Sonntag und Erklärung. 

Wir haben heute den ganzen Tag quasi nix gemacht, war auch mal schön. (Echt sehr, vor allem hatte ich mal wieder ein bisschen Zeit mit Michel alleine, das passiert selten und ist… wunderbar. Was er mit einem Mal alles so erzählt! Zum Beispiel, dass er Pippis Geschrei nicht gut haben kann, weil er dann nichts machen kann, sich aber verantwortlich fühlt. Er ist ja der große Bruder. Das nervt dann. Das löste bei mir so eine Mischung aus Ach! und Oh je! aus, die ich ihm hoffentlich verständlich gemacht habe. Dass es nämlich natürlich nicht seine Verantwortung ist, Pippi zu beruhigen und dass es uns auch nervt, wenn sie krank ist und nur brüllt und getragen werden will. Aber wir können da ja auch nichts machen, nur uns aufteilen und einer ist für Michel da, einer lässt sich anbrüllen.)

Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Gestern stolperte ich bei meinen Recherchen zum komischen Western Blot* über einen kürzlich veröffentlichten Artikel zu einem Protein, über das ich *hust* grad ziemlich viel weiß, weil ich *hust* ja auch daran herumforsche und *hust, hust* grade erst viel Zeug darüber gelesen und geschrieben habe. Das Protein macht bestimmte Arten von DNA-Veränderungen rückgängig, nämlich Methylierungen an bestimmten Positionen an bestimmten Basen (Aas et al. 2003, Falnes et al. 2002, und so weiter und so fort). Einer der reparierten Schäden ist Methylierung an der N3-Position von Cytosin (3meC). Diese Base würde, wenn sie unrepariert bliebe, mutagen wirken. Das Enzym von dem wir hier reden, macht die Methylierung einfach** ab, dann ist da wieder ein normales C und alle sind happy. Die Fieschergruppe, die den gestern von mir entdeckten Artikel geschrieben hat, hat nun herausgefunden, dass das Gen für das Enzym, das 3meC repariert, bei manchen Brustkrebspatientinnen*** vom Tumor still gelegt wird, durch epigenetische Promoter-Methylierung an der C5-Position von Cytosin. Solche Methylierungen sitzen am Anfang eines Gens und machen, dass das Gen nicht mehr abgelesen werden kann, das heißt, es wird kein Protein mehr nach diesem Gen hergestellt. Die Zelle hat also kein Enzym mehr, das 3meC repariert, also sammelt sich 3meC im Genom an und wirk,t ja genau, mutagen. Krebszellen mutieren die ganze Zeit, weil bei denen viele solcher Reperaturmechanismen völlig aus den Fugen geraten, entweder werden die abgestellt oder einzelne Teile total hochgefahren, sodass sich (mutagene) Zwischenprodukte ansammeln und, ach, also am Ende hat man halt Krebs, ne? Die Arschlochkrankheit, die öfter als nicht gegen Therapien resistent wird, weil sie eben dauernd mutiert. Entsprechend fand die Gruppe mit dem Artikel auch, dass eine starke Promotermethylierung für dieses Reperaturenzym mit einer schlechten Prognose einhergeht. So weit, so gut. 

Und dann kam der Punkt, an dem ich herzlichst lachen musste. Nämlich der Punkt, an dem sie 3meC in Zellen „quantifiziert“ haben. Per… Immunfluoreszenz.

Exkurs: Immunfluoreszenz. Man hat Zellen, hier Krebszellen, die züchtet man direkt auf nem Objektträger. Dann fixiert man die da drauf, dann sind sie sozusagen wie eingefroren, die einzelnen Bestandteile sind alle noch da, wo sie sein sollen, sehen auch (mehr oder minder) auf molekularer Ebene noch normal aus, aber bewegen sich nicht mehr. So sind die Zellen auch einigermaßen haltbar. Dann kann man einzelne Bestandteile der Zellen anfärben, dazu nimmt man erst einen Antikörper, der genau das**** erkennt, was man sehen will, also zum Beispiel ein einzelnes Protein. Oder 3meC. Der Antikörper kann dann wiederum mit einem anderen Antikörper, der fluoreszenzmarkiert ist, sichtbar gemacht werden. Man hat dann also *Ding, was ich sehen will*-Antikörper1-Antikörper2-Fluoreszenztag. Die Markierung kann dann mit einem speziellen Mikroskop mit allerlei Lasern und Filtern und Tralala sichtbar gemacht werden. In der Zelle. Und wenn man das geschickt kombiniert, kann man durchaus mehrere Dinge gleichzeitig anfärben, also zum Beispiel zwei Proteine, die vermutlich interagieren, und vielleicht noch ein Compartment*****, in dem sie das vermutlich tun. Dann beleuchtet man eine Zelle – die gleiche! – mit verschiedenen Wellenlängen und schaut durch die verschiedenen Filter und kann dann sehen, ob die Proteine immer an derselben Stelle sind, oder immer da sind, wo das Compartment ist. Klingt easy, kann manch einer aber auch nach neun Monaten völlig verkacken. 

Ja, da konnte ich nicht mehr. Denn, was auch immer die da gesehen haben, es war nicht 3meC. Oder nicht nur. 

Denn es ist so: ich habe *alle* verschissenen  Antikörper gegen 3meC, die man kaufen kann, in meinem Gefrierfach. Und sie funktionieren alle nicht. Die Firmen behaupten das zwar, aber: die sind alle nicht spezifisch. Die erkennen nämlich alle auch – hauptsächlich! – 5meC. Ich nehme an, dass die das mit reinen Basen testen, und dann einen Dot-Blot machen: also einmal nur 5meC und einmal nur 3meC auf eine Membran tropfen und dann mit dem Antikörper drüberwaschen, um zu gucken, welche von den Spezies erkannt wird. Und auf diesen Blots ist dann alles hübsch, es wird nur 3meC erkannt, Hurra, schreib 400 USD pro 10 Mikrogramm dran. In echt, im Genom, in einer Zelle, sieht der Kontext aber natürlich ganz anders aus. 3meC zum Beispiel ist unfassbar selten. Selbst wenn die Krebszellen dann, sagen wir mal, das Zehnfache ansammeln, ist es immernoch total selten. 5meC ist total häufig. Wir reden hier über einen Unterschied von hundert- bis tausendmal so viel 5meC, wie 3meC******. Schon allein deshalb ist es nicht plausibel, dass deren Zellen bei 3meC-Detektierung so dermaßen doll leuchten. Außerdem ist 3meC etwas „versteckt“ in der DNA-Struktur, während 5meC eher prominent außen dran sitzt. Das alles macht einen Riesenunterschied, wenn man komplette, klein geheckselte Genome auf den angeblich 3meC-spezifischen Antikörper haut. So wie ich das gemacht habe. Ich bekam *nur* 5meC. 3meC war nicht detektierbar, so wenig war das. Und das mehrmals. Das was da also leuchtet, das ist 5meC. Vielleicht auch ein minibisschen 3meC. Aber das meiste, sorry, ist 5meC. Weshalb der Vergleich mit den unteren Bildern, wo 5meC zu sehen sein soll, auch sinnlos ist, weil, naja, also 5meC ist auch da, wo 5meC ist, na so eine Überraschung aber auch. 

Aber die lustigen Menschen mit dem Artikel, die glauben das echt. Niedlich.*******

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*Membran mit Proteinen drauf. Es fing an mit Southern Blot – Membran mit DNA drauf, benannt nach Herrn Southern, dem Erfinder. Dann war wer voll witzig und nannte seine Membran mit RNA drauf „Northern Blot“ und dann ist das alles etwas eskaliert. KEIN WITZ.

**natürlich ist es nicht so einfach, aber den Vortrag dazu geb ich mir für die Defense auf. 

***generisches Femininum, und ja, ich weiß, dass auch Männer Brustkrebs bekommen können. 

**** genau das, nur das, aber das bitte auch immer. Das kommt einem Lottogewinn gleich, wenn man so einen Antikörper auf Anhieb findet. 

*****Zellteil, Organell, Manchmal auch nur kleine Minibubbels oder so. Ich gucke nach minibubbels. 

******seriöse Leute wie wir *hust* messen sowas per quantitativer Massenspektrometrie. Und nach drölfzig Messungen kann man die groben Zahlen dann auch auswendig. 

*******Nur: was mache ich jetzt? Das Journal anrufen und in den Hörer lachen? Den corresponding Author anrufen und ihm anbieten, 3meC in seinen Proben zu quantifizieren (also das würde dann wohl nicht ich machen, sondern die Core Facility, aber die freut sich auch über das Geld)? Nüx?