Tag 1218 – Happy, happy!

Nun. Schon wieder ist es total spät, aber ich habe es aufgegeben, früh ins Bett zu gehen. Ich bin einfach nicht müde, so what. Wenn ich wirklich früh aufstehen muss, wird es schon gehen. Solange ich nicht muss, gebe ich mein Bestes, es trotzdem zu tun, und wenn’s nicht klappt, dann klappt es eben nicht, ist ja grad noch egal. Dafür habe ich abends all die Energie, die mir morgens abgeht und dann ist es doch schön, wenn ich noch friedlich zwei Stunden Nähen kann, während die Kinder schlafen.

Überhaupt, die Kinder. Ich hab die sehr lieb. Sage ich vielleicht nicht häufig genug, also zu ihnen schon, aber nicht „über“ sie, zu anderen. Michel zum Beispiel, der große kleine Zwerg, wenn der morgens vom Parkplatz zur Schule stapft und so kleingroß ist, wie es halt nur Erstklässler sein können, da geht mir das Herz auf. Und wenn ich dann sehe, dass die Opis, die Schülerlotsenmäßig den Schulweg bewachen, schon ihre Posten verlassen, weil es ja schon zum ersten Mal geklingelt hat (15 Minuten vor Schulbeginn), dann fahre ich auch ein bisschen Helikopternd einmal um den Block und wieder an der Schule vorbei, wo ich den knallgelben Trondheimer Kommunenrucksack grad noch auf den Schulhof einbiegen sehe. Nach der Schule dann erzählte er mir, dass ihn ein Kind geschubst hat und ein anderes hat ihm einen Schneeball (mit Steinen drin! Und mit Absicht!) voll ins Gesicht geworfen. Meine Reflexe sind dann ja direkt auf WAAAAAS??? ICH RUF DIREKT DIE ELTERN AN WAS SIND DENN DAS FÜR ARSCHLÖCHER?, aber ich fragte erstmal nach, was Michel dann gemacht hätte, und ob das wer vom Hort gesehen hätte (nein), und Michel sagte, er sei dann einfach weggegangen und er habe auch eh keine Lust, mit den entsprechenden Kindern zu spielen. Er scheint es also ganz klug zu lösen und solange das klappt ist ja alles in Butter. (Ich finde das extra gut, dass er das so macht und nicht, wie ich als Kind und zum Teil noch echt lange, ausgerechnet mit denen, die mich am meisten ablehnten, best buddies sein will.) Fruchtet das viele Erklären, was Freunde tun und was nicht, ja vielleicht doch, ich wünsche es mir für ihn. Und ich wünsche ihm Freunde, die auch „blöde Wollsachen“ anhaben und deren Eltern Schießspielzeug konfiszieren. Bei denen er „uncool“ und phantasievoll und lieb und aktiv, aber nicht wild sein kann, wie er halt so ist. Hachz. Pippi ist natürlich auch prima, ganz anders, klar, sie ist auch noch jünger, aber die wird vermutlich eher die Bandenchefin werden, in der neuen KiTa-Gruppe setzt sie sich jedenfalls schon sehr gut durch. Und weil sie in ihrer Gruppe nun fast die älteste ist, statt wie sonst immer die jüngste und kleinste, zählt der „Ich bin so süüüüß“-Faktor nicht mehr. Trotzdem hat sie in der Gruppe ziemlich oft das Sagen, wenn sie da ist, wie sie zu Hause ist, kann ich mir ungefähr vorstellen, wieso. Bestimmerin by nature. Hoffentlich bleibt sie so.

Was war sonst so? Etwas genäht, Schuhe gekauft, Herr Rabe ist nicht da. Genäht habe ich das Oberteil vom Bettbezug-Kleid. Es scheint ein gutes Verfahren für mich zu sein, immer eine Größe kleiner zu nehmen, als die Größentabelle für mich vorsieht. Ich verstehe das ja nicht. Da nähe ich ein Kleid, das aus (festem) Jersey sein soll, aus gewebtem, gar nicht elastischem Stoff (dann eben mit Reißverschluss) und Größe 38 passt und sitzt super, wo die Größentabelle meint, zwischen 40 (Hüfte) und 42 (Taille) müsste es schon sein. 42 („wenn Sie zwischen 2 Größen liegen, nehmen Sie die kleinere“) säße da wie ein Sack. Und auch dieses Mal habe ich übrigens weniger Stoff gebraucht. Auch so’n Ding. Ist mir bei nem Bettbezug egal, aber bei richtig teuren Stoffen will ich nicht hinterher 25 cm übrig haben.

Schuhe gekauft. Das kam so: der örtliche Schuhhändler, der mir schon wegen überaus großer Auswahl an sehr geschmackvollen Stiefeletten aufgefallen ist, hat draußen Schilder mit 40% auf alles hängen. Und ich brauchte (tatsächlich) schwarze Stiefeletten. Die habe ich jetzt. Zwei Paar. Hups. Dafür habe ich weder Wildlederstiefel noch Pumps noch so Lumberjack-Schuhe gekauft.

Herr Rabe ist in Trondheim, mal wieder, morgen ist da auch noch Weihnachtsfeier. Ich möchte auch auf eine Weihnachtsfeier, mich aufbrezeln und so. Naja, nächstes Jahr. Herr Rabe möchte vielleicht auch noch mal in den Schuhladen, könnte ich mir vorstellen.

Jetzt, endlich, werde ich müde. In diesem Sinne: gute Nacht!

Tag 1214 – Familienähnlichkeiten.

Michel ist eindeutig mein Kind. Manchmal ist das putzig, manchmal ist das auch einfach nur schlimm, weil ich genau weiß, wie er sich fühlt, aber ihm kaum helfen kann, weil er eben mein Kind ist und sich NICHT HELFEN LÄSST. Jedenfalls nicht bei wichtigen Dingen. Beim Socken anziehen lässt er sich gerne helfen. Oder beim Zähneputzen. Oder so generell bei allem, was Sechsjährige schon allein können sollten. Aber ich schweife ab. Jedenfalls ist es manchmal wirklich einfach zum fressen niedlich und heute war wieder so ein Tag. Michel hat nämlich Herrn Rabe und Pippi beim Aufbau eines, wie ich finde, recht gut getroffenen Ikea-Regals beaufsichtigt. Mit einem selbstgebastelten Klemmbrett.

Der kleine Kontroletti. Er hat dabei auch Pausen und Arbeitsbeginn angesagt und nen ziemlichen Kasernenton draufgehabt. Ganz die Mama halt *hust*.

Die Erklärung ist übrigens: „Wo ein Haken ist, das heißt, das war gut gearbeitet. Und da hab ich den Haken durchgestrichen, das war nicht so gut gearbeitet, da hat Pippi Quatsch gemacht*. Und das unten**, das ist der Weihnachtsmann.“

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*sich ein Bett aus dem Regalkarton gebaut.

**das Männchen mit der WEIHNACHTSMANNMÜTZE! Oder sehen Sie da etwa was anderes?

Tag 1205 – Adventskalendergate reloaded.

Dieses Jahr ist mir die alljährliche „Diskussion“ über Adventskalender ja/nein/selbstgebastelt/gekauft/Schokolade/Spielzeug/KonsumIstBöse entweder entgangen oder es hat sich, was ja wunderbar wäre, der Konsens „jedem Tierchen sein Plaisierchen“ durchgesetzt. Trotzdem muss ich kurz was dazu loswerden.

Wir haben für die Kinder vor 2 Monaten oder so schon Lego-Adventskalender gekauft. Ja, nicht mehr ein größeres Set auf 24 Portionen aufgeteilt, obwohl ich das schöner fände, aber Arbeit und Streit und „Ich will aber Schtar Worsch!“. Außerdem gab’s die Vorjahres-Ausgaben beim örtlichen Spielwarenhändler zu dem Zeitpunkt zum halben Preis.

Dann habe ich mir ja neulich den Bare Minerals-Adventskalender gekauft.

Herr Rabe, der die letzten zwei Jahre Whisk(e)y-Adventskalender hatte, von denen er aber immer noch Fläschchen hier rumstehen hat*, sagte dieses Jahr: „Ach, was mit Schoko.“

Am Montag war ich deshalb Einkaufen und besorgte eine Süßkram-Vielfalt. Etwas blöd fand ich, dass ich vieles nur im großen Beutel bekam, da dachte ich dann aber, ach, kommt schon weg, bevor es in drei Monaten abläuft.

Montag Abend riefen wir dann meinen Schwiegervater an, weil er Geburtstag hatte. Und der fragte, ob denn „die Pakete“ schon angekommen seien. „Vom Nikolaus.“ Ok, der Schwiegervater schickt gern gute Schokolade, das freut mich auch immer, weil er viel dunkle Schokolade dazu packt, die ich am liebsten mag. Gemessen daran, dass ich Schokolade nicht so gern mag**, jedenfalls. Und ein bisschen was auf nem Adventsteller induziert auch nicht spontan Diabetes bei den Kindern.

Vorgestern kamen drei Pakete. Darin: sehr viele kleine Weihnachtsmänner (in dunkler Schokolade), Pralinen, große Weihnachtsmänner (werden für Nikolaus aufbewahrt, ebenso wie die) Lindor-Kugeln***, sowie drei Adventskalender, nämlich zwei mal Lindt-Kugeln mit Füllung und einmal Hachez-Täfelchen. Ohkay.

Ich löste die Schokoladenflut etwas auf, indem ich die tausend kleinen Weihnachtsmänner mit auf den Haufen für Herrn Rabes Adventskalender warf und diesen kurzerhand zum Familienkalender upgradete. Ich packte also gestern 24 mal 4 kleine Süßigkeiten (gut, dass es das alles nur in großen Beutelb gegeben hatte!) in Tüten und hängte die 24 befüllten Tüten an unsere Treppe. Fühlte mich nur ein bisschen schlecht, weil das schon viel Süßes ist, jeden Tag, für 24 Tage, für ein Drei- und ein Sechsjähriges. Und für mich, die ich ja gar keine Schokolade mag, aber nun wohl einen Lindt-Kugeln-mit-Füllung-Kalender gewonnen hatte. Die Hachez-Täfelchen kann man ja auch so auf die nun recht üppigen Adventsteller legen.

Heute klingelte es an der Tür und draußen lag ein Paket**** von der Schwägerin, darin: für jedes Kind ein Schokotäfelchen-Adventskalender.

Tjanun. Die Kinder werden nun also jeder 2 1/4 Adventskalender haben. Wir haben die Lindt-Kugeln mit Füllung ebenfalls zu Adventsteller-Zubehör degradiert. Möglicherweise haben drei***** der Familienmitglieder nach der Weihnachtszeit leichte Probleme, den Zuckerkonsum wieder auf ein Normalmaß zurückzuschrauben.

Und Michel mache ich einfach ein kleines Umhängeschild: „Opa und Tante H. sind die Besten und Mama kann nichts für die 3 Adventskalender“.

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*nicht weil er die nicht mag, aber wer trinkt bitte 24 Tage lang täglich 2cl harten Schnaps? Ok, Alkoholiker, aber sonst?

**In der Familie wird die Geschichte herumgereicht, wie ich, ich konnte noch nicht viel Sprechen, ein Mars(?) angeboten bekam und angewidert den Kopf schüttelte und sagte „Schnuckelade igittigitt.“

***davon mag ich nur die schwarzen, aber die dafür sehr gern

****in Trondheim musste ich jedes Minipäckchen von der Post abholen, hier legen die Postmenschen es einfach vor die Tür, wenn es nicht in den Briefkasten passt.

*****Ach, machen wir uns nichts vor. Ich werde Grümmel-Nuss-Plätzchen backen, ich werde also auch pausenlos Zucker essen.

Tag 1201 – Mit Kindern wohnen.

Ich war heute bei Michels neuem Freund B. Ich war da schon mal, da wusste ich aber noch nicht, dass der B. da wohnt. Außerdem waren wir da ja auch nur draußen und die Wohnbereiche aus gutem Grund abgeriegelt. Jedenfalls wohnen die da also in einem alten Bauernhaus und da renovieren sie das ganze Haus. Damit sind sie noch nicht fertig. Aber selbst da wo sie noch nicht fertig sind, ist dieses Haus wun-der-schön. Es ist riesengroß, mit sehr großen Räumen und in jedem Raum ist ein Kamin. Sie haben sehr viele Fenster und die Rückseite des Hauses geht zum Fluss raus, dazwischen ist nur ein Feld und der Ausblick schon allein der Wahnsinn. Dann haben diese Leute einfach einen tollen Stil. Sie haben ganz viele wirklich alte Bauernmöbel, aber in diesen vielen, riesigen Räumen wirkt das trotzdem sparsam möbliert. Diese alten Schränke, Kommoden, Truhen, Anrichten… sind kombiniert mit hochwertigen modernen Möbeln in weiß und Glas und Alu und riesigen Sofas in hellgrau. Da mir keine Lampen aufgefallen sind, gehe ich grad von Downlights aus, die Decke ist aber nicht deutlich abgehängt, sodass die Räume immernoch sehr hoch sind. Hohe, helle Räume. Damit kriegt man mich sofort. Und dann die Küche. Kochinsel mit so einer „Stell einfach irgendwo in dieser Zone den Topf hin“-Induktionsplatte. Echtholz-Arbeitsplatte (Monströs. Natürlich). Auf der Wandseite weiße Hochglanz-Schränke bis unter die Decke. Über der Kochinsel die Dunstabzugs-Beleuchtungs-Einrichtung unter der Decke, ganz dezent und ohne Kopfstoß-Gefahr. (Einbau-)Mikrowelle und Backofen auf Arbeitshöhe. Insgesamt sah alles so aus, wie in einem Schöner Wohnen-Heft unter der Überschrift „Der moderne Landhaus-Traum“. Ich kriegte den Mund gar nicht mehr zu, so überwältigt war ich von der Schönheit.

Was mir erst hinterher auffiel: Bis auf eine große Playmobil-Ritterburg sah man dem Haus in den Räumen, in denen ich war, nicht an, dass da ein Kind wohnt. Das Spielzeug war zu 99,9% im Kinderzimmer, in bunter Unordnung, in der sich Michel direkt wohlfühlte, als sie sich auf der Flucht vor Pippi, die unbedingt zum Bringen mitkommen wollte, dorthin zurückzogen. (Vorher hatten sie erst Dinojagd gespielt, denn man kann natürlich im Kreis durch die Wohnung rennen, und dann Detektive, indem sie sich gegenseitig in ihren Erstklässlerschriften PostIts mit Hinweisen geschrieben und versteckt haben, das war ganz putzig.) Es standen zum Teil zerbrechliche Dekogegenstände herum, es gab brennende Kerzen und scharfe Kanten und weiße Stoffe.

Ich mag das so. Und ich arbeite dran, dass wir hier auch recht deutlich getrennte Bereiche haben. Aber wie ich schon auf Twitter feststellte, gibt es dazu unterschiedliche und zum Teil recht festgegossene Einstellungen.

https://twitter.com/rabensalat/status/1066398960468807685?s=21

Ich habe nach diesem Tweet und der daraus entstehenden Diskussion das Gefühl, es gibt grob drei Eltern-Wohn-Typen.

Eine Gruppe könnte man „Bullerbü“ nennen. Diese geht so sehr im Elternsein auf und identifiziert sich so sehr damit, dass sie genuin glücklich macht, was die Kinder glücklich macht. Bei diesen Leuten hängen Schaukeln von der Decke und liegen Turnmatten auf dem Boden und das Wohnzimmer ist das erklärte Familienzimmer, der Lebensmittelpunkt, an dem alle zusammenkommen um da zu tun, was Kinder oder halt auch Erwachsene eben so tun. Sie beschreiben das gerne mit „leben, lieben, lachen“ oder ähnlichem, das stößt mir dann immer sauer auf, weil es sich so anhört, als würden andere Leute den Kindern das leben, lieben oder lachen versagen. Aber gehen wir mal davon aus, dass sie das nicht so meinen. So kinderzentriert zu wohnen ist zwar nicht mein Fall, aber ich freue mich wirklich für alle, die zu dieser zufriedenen Kategorie gehören und nicht zu den…

…Unzufriedenen. Während der Bullerbü-Typ sich über die Eisenbahn, die durchs Wohnzimmer in die Küche und zurück führt, freut, weil sie so liebevoll mit Selbstgemaltem verziert ist, seufzen die Unzufriedenen über die Macken, die vom vielen Gedengel mit Spielzeugautos ins Parkett gekommen sind. Die Unzufriedenen haben aus den verschiedensten Gründen – kein Platz, Kinder noch klein, keine Lust selbst dauernd im Kinderzimmer rumzusitzen (in Kombination mit Kindern, die nicht allein spielen), etc. – den Wohnbereich auch zum Kinderbereich gemacht. Viele empfinden es so, als hätten die Kinder diesen Bereich erobert. Es kann sich dann anfühlen, als hätte man selbst was verloren. Been there, in Trondheim war ich auch eine Unzufriedene, es ging mir wirklich gegen den Strich, dass für die Kinderküche und auch das meiste Spielzeug einfach kein Platz im Kinderzimmer war. Herrje, da passte ja noch nicht mal alles an Kinderwäsche rein, wie sollen dann da tonnenweise Duplo und Brio-Bahn untergebracht werden. Und weil es einfach anders nicht ging, wurde im Wohnzimmer gespielt und am Esstisch gemalt. Und jeden Abend war ich genervt, wenn ich das Zeug wieder in seine Kisten räumte, aber die Kisten, die waren halt immer noch da und die Spielküche auch und nein, mein Stil ist vielleicht nicht so ausgereift wie der der Eltern von Michels neuem Freund, aber Kinderküchen und Autoteppiche im Wohnzimmer gehören nicht zu meiner bevorzugten Einrichtung. Manche Unzufriedene scheitern auch am Selbstanspruch, durch Kinder nun irgendwie wie die Bullerbü-Gruppe zu werden. Ganz übel wird es meiner Meinung nach, wenn die Erwachsenen in einem Haushalt zu unterschiedlichen Gruppen gehören. Wenn einer freudestrahlend die Turnmatte ausrollt, während die andere die Kristallvase auf der Anrichte poliert, ist Ärger vorprogrammiert.

Die dritte Gruppe, zu der offenbar auch B.s Eltern und ich gehören, sind die Tanzbereichlern. Die Tanzbereichler möchten einen Bereich für sich, für Erwachsene. Die Kinder sind da willkommen, dürfen auch Spielzeug mitbringen, aber das Spielzeug hat seinen Platz im Kinderbereich und wandert nach dem Spielen da auch wieder hin, unter mehr oder weniger großem Elterndruck. Spätestens wenn die Kinder im Bett sind, haben die Eltern einen Wohnbereich, der ganz ihnen gehört und der so eingerichtet ist, wie sie das schön finden, nur sie. Vielleicht fanden sie es so auch schon vor den Kindern schön und sie haben es einfach beibehalten, vielleicht mussten sie auch erst, wie wir, durch einen klaren Schnitt wie einen Umzug festlegen: hier ist euer Bereich, hier ist unserer. Die Tanzbereichler nehmen sich nicht zurück, können sogar rücksichts- oder lieblos erscheinen. Meiner Beobachtung nach sind die Tanzbereichler überwiegend sehr zufrieden. Obwohl die meisten da durchaus Arbeit reinstecken, den Status Quo aufrechtzuerhalten. Denn ja, da wird viel geräumt. Da geht auch mal was kaputt. Wenn ich auch im Alltag von schönem, nicht ganz billigem Geschirr essen möchte, muss ich damit rechnen, dass mal ein Teller runter fällt, das kann mir genauso passieren wie den Kindern. Wenn ich Kerzen auf dem Tisch haben will, rechne ich mit Pulerei und beim Auspusten mit Spritzern. Den schönen Tisch muss ich, wenn die Kinder da malen, vorher mit einer Wachstuchdecke schützen, hinterher muss ich das alles wieder abräumen, sauber machen, das macht alles Arbeit, die ich mir nicht machen müsste, wenn mir egaler wäre, dass die Wohnung sehr nach Kindern aussieht. Ist es aber nicht und ich genieße nach wie vor jeden Abend auf meinem Sofa, von dem aus ich den Ausblick auf alles außer Spielzeug habe. Und ich freue mich auf den Tag, an dem wir wagen, ein Sofa mit nicht mal eben waschbarem Bezug zu kaufen.

So. Das Wort zum Sonntag: Ich freue mich für jeden, der mit seiner Wohnsituation glücklich ist. Den anderen kann ich sagen: Kinder werden größer. Die spielen irgendwann nicht mehr nur im Wohnzimmer, keine Sorge. Wohnungen werden leider nicht größer und wenn der Platz das Problem ist, hilft wohl nur, sich damit abzufinden (Kinder werden auch hier größer und das Barbiehaus ist nicht für die nächsten 20 Jahre im Wohnzimmer festgewachsen!) oder radikal umzustrukturieren und Grenzen zu ziehen (Kaufladen ja, Barbiehaus nein). Wenn die Eltern unzufrieden sind, gleicht das keine Turnmatte im Wohnzimmer aus.

Tag 1193 – Damekveld.

Ich hab ordentlich einen im Tee nach dem Müde-Muttis-Abend bei der Nachbarin. Es waren fünf Frauen anwesend und es war ganz toll, ich bin ganz beseelt von so viel normalem Leben. Hachz, Sozialkontakte. Unter anderem bin ich froh, dass meine Kinder nicht die einzigen sind, die sich manchmal komplett daneben benehmen und dass ich nicht die einzige bin, die manchmal überlegt „welches zuerst verkauft wird“, um es mit den Worten der Nachbarin zu sagen.

Auch sehr sehr froh bin ich um Herrn Rabe, ich sage das gar nicht oft genug glaube ich, wie froh ich bin, den in meinem Leben zu haben, weil er eben nicht „mal im Haushalt hilft“ sondern seinen Teil tut. Sogar ohne, dass ich drauf hinweisen muss. Und wenn ich seinen Teil übernehme, weil ich zum Beispiel grad arbeitssuchend bin und einen akuten Schub von Putzwut habe, dann bedankt er sich dafür. Jedes Mal. Aus Gründen bin ich auch sehr froh drum, dass er nicht weinend anruft, wenn er mal ne Woche allein mit den Kindern verbringen muss.

So sieht das aus, wenn ich um halb drei beduselt nach Hause komme.

Viele Herzchen nun. Und eine Aspirin.

Tag 1191 – Schnipsel.

Schon spät (hahaha, aber ist ja egal, ich muss trotzdem ins Bett), deshalb heute ein bisschen gemischte Platte.

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Tag 4 von Projekt Lerche. Bin alles etwas geruhsamer angegangen heute (nicht das Aufstehen), das hat gut getan. Hab wegen eines Mittagsschlafs hin und her überlegt, es dann aber nicht gemacht. Ich bin da wie so ein Kleinkind: schlafe ich tagsüber, schlafe ich abends noch später ein. Und ich schaffe es nie, nach den magischen 20 Minuten aufzustehen, schlafe dann anderthalb Stunden und bin danach noch mehr im Eimer als vorher.

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Zweite Sitzung, bzw eigentlich Gründungssitzung des Räumvereins. Wie lange man über „aber wenns dann doch wieder so viel schneit wie letztes Jahr!“* diskutieren kann. Faszinierend.

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Finanzen gemacht. Ich hasse das. Aber es ist halt nötig. Dass mir die Chipsfabrik noch einen riesigen Haufen Geld schuldet, lässt mich derbe mit den Zähnen knirschen. Dass es am Ende wohl der norwegische Staat übernehmen wird, die (finanzielle) Chipsfabriksuppe auszulöffeln, macht mich innerlich rasend und ich woozaa-e so vor mich hin.

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Pippi hatte heute schon beim Abholen eine Laune wie sie nur Dreijährige haben können. Nach absolut ätzendem Gehampel und Geklecker und mit-dem-Essen-Gespiele beim Abendessen steckte ich sie unter infernalischem Geschrei ins Bett, wo sie dann auch nach fünf Minuten an mich gekuschelt einschlief. Solche Abende verlangen mir alle meine Nerven ab und das Kind kann wirklich froh sein, dass es nicht mehr in die Babyklappe passt. Wieso sieht sie denn nicht ein, dass sie müde ist? Herrje.

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Wollte noch über die katholische Kirche im Radio rannten, aber nun heult Pippi schon wieder. Ich muss hoch.

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*Dann zahlt man halt noch mal 250 Kronen pro Haus nach, meine Güte!

Tag 1186 – Orchideen.

Endlich ist die Wand fertig und nachdem ich letztens dieses Foto mit dem Hinweis, die Blume stehe da sonst nicht, postete, und alle, also ALLE, sogar Herr Rabe meinten, die sähe Faber ja super gut aus, kaufte ich gestern eine zweite. Hui, ganz gewagt, jetzt haben wir hier schon 4 (!!!) Dekopflanzen und 3 Küchenkräuter.

Das mit der Wand war übrigens ein unerwartet großer Aufwand. Beim ersten Mal sind mir die Ränder ausgefranst. Nachdem mir auch wieder ALLE gesagt hatte, dass man bei Strukturtapete erst den Rand des Tapes in der Wandfarbe übermalen soll, damit die dann unter den Rand läuft und „abdichtet“*, hab ich das gemacht. Also neu abgeklebt, Wandfarbe besorgt (dafür erstmal die Wandfarben-Farbe aus dem Hausordner rausgesucht), Taperand gestrichen, dann wieder in der neuen Farbe drüber. Das hat viel gebracht, aber an einigen Stellen war es doch wieder ausgelaufen, die habe ich dann noch mal mit einem Kinder-Wasserfarbkasten-Pinsel mit chirurgischer Präzision übergetupft und jetzt bin ich zufrieden. Und brauche anderes Malertape, das kann’s ja alles nicht sein.

Egal, zurück zu der Orchidee. Ich habe gestern also mit Michel nach der Schule eine Zweit-Orchidee gekauft. Ich schwankte zwischen weiß und rosa und entschied mich für beides.

Und jetzt muss die Uhr** höher, damit sie nicht in der Blume hängenbleibt.

Die weiße Orchidee wanderte wieder zurück an ihren Fensterplatz. Heute wollte ich sie eh mal von ihrer Erde befreien, seit der Disputation steht sie in diesem Glaspott und unten steht immer Wasser, mit Algen, ich dachte bisher, das sei nicht so tragisch, weil es aussah, als gingen die Wurzeln nicht bis unten hin, sondern säßen auf einer dicken Schicht aus Rindenstücken. Aber die Konstruktion machte das Gießen schwierig und die eine (in dem Pott stehen zwei Orchideen) ist auch immer irgendwie schlapp und die Blüten fielen auch schon wieder ab.

Der anderen ging es prächtig.

Bis die Kinder mit Regenschirmen spielten. Im Wohnzimmer. Was sie nicht sollen. Aus guten Gründen.

Himmelarschundzwirn. Da war nix mehr mit Augenhöhe und Achtsamkeit und Respekt, da ist mir der Arsch geplatzt und beide Kinder haben einen Anschiss kassiert und dann hab ich, erwachsen wie ich bin, zu heulen angefangen, wegen einer Blume, meiner Blume, meiner Disputationsblume, die endlich wieder blühte und überhaupt. Ich heulte ein wenig ins Spülbecken, während ich die Restpflanze aus dem Topf holte und verfluchte den Tag, an dem ich die dämliche Idee hatte, Kinder seien doch ne schöne Idee, sinnstiftend, blabla… ok, das gab sich schnell, Michel kam dann auch bald um sich zu entschuldigen, es war ja auch keine Absicht gewesen. Ich entschuldigte mich auch für den Ton und die Worte**** und wir drückten uns lange und fest und dann half mir Michel, die Orchideen von einem Haufen modrigem und stinkendem Rindenmulch zu befreien. Von wegen, die Wurzeln gehen nicht bis unten hin. Es war richtig übel, ich hab kurz überlegt, ob es mehr Sinn machen würde, die gammlig aussehenden Wurzeln abzuschneiden, ließ sie dann aber dran, Wurzeln sind ja bei Pflanzen noch viel empfindlicher als der ganze Rest. Jetzt stehen die Orchideen also blütenlos und mit fast***** nackten Wurzeln im Topf und ich hoffe, sie berappeln sich wieder.

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Völlig unrelated: heute sehr über dieses Video gelacht – wie man einen Muse-Song komponiert. Zwar eindeutig zu viel erklärt, aber wenn man die ersten 7 Minuten oder so überspringt, kommt man direkt zum Ergebnis. Ich mag ja die älteren Sachen von Muse unglaublich gerne, höre die Alben immer immer immer wieder, aber seit… 6 Jahren ca. finde ich die neuen Alben zunehmend anstrengend. Wenn ich Queen hören will, höre ich Queen, wenn ich Prince hören will******, Prince, jetzt ganz neu auch noch so ein Kraftwerk-Gestampfe… puh, da bin ich raus, leider. Und alles so artsy-fartsy Konzept-überfrachtet. Mögen sicher viele*******, ich nicht.

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*Hab ich noch nie gemacht und wir hatten in Bielefeld überall Rauhfaser. Und da ist auch nix ausgefranst.

**Die ist extra gekauft, mit dem Gedanken, dass wir genau diese Wand in einer dunklen Farbe streichen wollen. Vorher hatten wir nämlich eine schwarze, aber an der waren die Zeiger so kurz, das sah dann auch albern aus und… jetzt halt diese. Ich bin sehr zufrieden***.

***Das ist glatt gelogen. Der Rand am Schränkchen ist golden, die Uhr silbern, es ist schlimm.

****Ich habe „Wie scheiße seid ihr eigentlich?“ gesagt. Ich schreibe es jetzt hier hin, damit ich sowas nie mehr sage. Und ein bisschen auch damit nicht der Eindruck entsteht, hier sei „mal ne halbe Stunde länger Fernsehen gelassen“ die übelste pädagogische Verfehlung, zu der wir in der Lage sind. Hell, no.

*****Ich hab nicht alles rausbekommen und wollte dann auch nicht allzu doll dran rumrupfen.

******Nie.

*******Herr Rabe zum Beispiel

Tag 1177 – Skinoob.

Seit drei Wochen versuche ich, über Finn.no gebrauchte Kinderski zu kaufen. Seit drei Wochen bekomme ich von niemandem irgendeine Antwort. Das nervt mich natürlich, vor allem hängt mir aber auch Michel auf der Tasche, dass er UN-BE-DINGT Ski braucht, jetzt sofort.

Heute habe ich deshalb kurzentschlossen die Kinder eingepackt und fuhr mit ihnen nach Jessheim, um Ski zu kaufen. Support your local schön und gut, aber wenn mich das dann das doppelte kostet… hmm. Ein Dilemma. Egal, Michel wollte eh mal Pippi abholen und so holte ich Michel direkt nach dem Mittagessen vom Hort ab und wir gemeinsam dann Pippi.

Die Schatten, äh, Matscheseite von Kindergarten.

Wir steuerten erstmal Coop Obs an, weil wir noch eine Reihe anderen Kram brauchten. Eine Schneehose, ein paar Handschuhe, gefütterte Winterstiefel und fünf Thermoleggings später stand ich wie der Ochs vorm Berg in der Skiabteilung.

Länge ist gut, aber welche sind nun besser?

Und da auch nach zwanzigminütigem sehr offensichtlich hilflosem Herumstehen niemand kam, hat Coop Obs an uns heute halt keine 1200 Kronen verdient. Tja.

Wir gingen dann in einen Sportladen, dessen Werbung ich neulich mal durchgeblättert habe. Und da kam, nach nur ein mal freundlich winken, ein netter Mensch und erklärte uns die Kinderski. Wachsfrei, darum hatte ich gebeten, gibt es zwei Möglichkeiten, nämlich einmal mit so einem… Riffelmuster in der Mitte, was halt verhindert, dass man rückwärts den Berg runter rutscht, und einmal mit Fell. Das ist so eine Art Fleece, wenn man vorwärts gleitet, liegen die Haare an, wenn man aber den Berg hoch will stellt man die Haare gegen den Strich und dann bremsen die. Weil das so ist, kann man mit denen schneller und müheloser vorwärts fahren als mit den klassischen Wachsfreien. Für den angehenden Skistar natürlich nur das Beste* und jetzt hat er Fellski. Mit passenden Schuhen, die der nette Mensch noch erklärt und nach der Größe geguckt hat, ich habe ja absolut gar keine Ahnung, wie die sitzen müssen (schon recht eng) und ob die zum Beispiel vorne noch Luft haben dürfen (ja).

Und nach nur einem kurzen YouTube-Video wissen wir jetzt auch, wie man die Schuhe vom Ski wieder abbekommt. Man lernt ja nie aus, ne? (Für’s Protokoll: ich kenne nur die, wo man mit dem Stock vorne irgendwo draufdrücken muss und dann kommt man raus. Ich wusste noch nicht mal, dass Michel da jetzt offenbar eine Rottefella-Bindung hat, geschweige denn was das heißt**.)

Knapp 2 Stunden Shoppingtour und 300 Euro später. Ich bin total dankbar, dass wir sowas machen können, ohne dass es heißt, dass es den Rest des Monats nur noch Nudeln mit Ketchup gibt. Als ich in Michels Alter war, war das anders. Trotz allem Mist sind wir immer noch sehr privilegiert und Michels Sparkonto ist, obwohl ich die Ski davon bezahlt habe, noch besser gefüllt als meines. Für mich muss ich dann doch nach gebrauchten Skiern gucken***.

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*Außerdem war der Preisunterschied dann nur noch 300 Kronen zu Skiern zum wachsen, dann braucht man ja plötzlich auch noch drülfzig Sorten Wachs und Bügeleisen und Strom und und und…

**das weiß ich immer noch nicht so genau. Offenbar kann man diese Bindung auf dem Ski verschieben. Was sowas bringt muss mir dann demnächst das Kind erklären.

***Ich höre Sie schon lachen, aber ich hab da grad tatsächlich Bock drauf. Vielleicht bin ich auch einfach untersportelt.

Tag 1176 – Nicht so gruselig, dafür schön.

Endlich klappt hier mal was.

Die KiTa-Eingewöhnung läuft weiterhin gut, heute lieferte ich Pippi um viertel nach acht ab, verteilte etwa eine Tonne Klamotten auf verschiedene Boxen (Drinnen, Draußen, Wechselsachen, Hausschuhe, Fleece/Wolle…) und verabschiedete mich dann behutsam von Pippi. Die fand das zwar nicht gut, das darf sie ja gerne auch sagen, sie darf sogar weinen, das ist ja total verständlich. Als die Erzieherin sie dann aber tröstete und mit Bügelperlen lockte und ich versprochen hatte, bald wiederzukommen und den Regenhut mitzubringen*, schnüffelte sie ein bisschen und dann durfte ich gehen.

Pippi und ich hatten dann jeweils ein paar schöne Stunden ohne einander. Ich holte sie nach dem Mittagessen ab, mit dem Regenhut, da begrüßte mich ein kleiner Dreckspatz, glücklich in den Matschepfützen** herumspringend, die vom gestrigen Schnee übrig geblieben sind.

Auch überraschend gut läuft die neue Absprache, was die Nachmittags- und Abendgestaltung angeht. Das hatte ich am Montag einmal sehr deutlich erklärt, nämlich dass ich finde, dass die Kinder zu viel fernsehen, dass sie sich deshalb dauernd streiten und keine Lust haben, zum Essen zu kommen. Dass sie deshalb auch zu spät ins Bett kommen und wir ständig unnötig rumdiskutieren, dass ich deshalb abends oft ganz schlechte Laune habe und die Kinder morgens ja dann auch müde sind, wenn wir sie wecken müssen. Erstaunlicherweise kam kaum Protest und die neuen, diktatorisch von mir eingeführten Regeln sind:

  • Essen um sechs, wir werden dafür halt Gerichte zusammensammeln, die sich in 30 Minuten kochen lassen
  • Hausaufgaben möglichst davor
  • Fernsehen erst nach dem Essen
  • Um sieben gehts ins Bad und von da ins Bett

Natürlich funktioniert das zum Beispiel dienstags nicht, denn Michels Skitraining geht bis sieben, danach gibt es da noch Abendbrot und Pippi möchte ungern ins Bett bevor Michel wieder zu Hause ist. Und übermorgen ist Kinderdisco in der Schule, das wird also auch nichts. Aber ich bin erstmal froh, dass es wirklich kaum Protest gab. Vielleicht ist es auch wieder so ein Ding: wenn der Leidensdruck erstmal groß genug ist, dass man eine wirklich klare Ansage macht, weil man wirklich, WIRKLICH dringend was ändern muss, dann schnallen das auch die Dauerdiskutierkinder. Hoffen wir, dass es so bleibt und wir das auch weiter durchziehen.

Was auch super gut läuft: ich hab bisher keine spürbaren Nebenwirkungen.

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In unserem neuen Wohngebiet wird ganz fleißig Trick-or-treat gesammelt, mit mehr oder weniger gruseligen Kostümen und (je nach Alter der Kinder) mehr oder weniger Eltern in ganz und gar ungruseligen Warnwesten dabei. Es waren heute Kinder von etwa 3 bis etwa 13 da und ich finde das, es überrascht mich selbst, gar nicht schlimm, sondern ganz putzig. Laternesingen fände ich immer noch schöner, aber das gibts ja halt hier eh nicht, da ist das schon in Ordnung so. Ich merke mir fürs nächste Jahr: 20 Mini-Riegel des Mars-Konzerns plus ebenso viele kleine Haribo-Tütchen sind recht knapp bemessen. Nächstes Jahr hat Michel dann ja vielleicht auch Lust, heute war ihm das zu gruselig. Auch ok.

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*Das Kind hat zu viel Peppa Wutz geguckt und die Folge, in der Schorsch seinen Regenhut nicht aufsetzt und sich dann erkältet, sehr verinnerlicht.

**Siehe *. Zu viel Peppa Wutz. Di-didedidi-didedidedidi.

Tag 1175 – Kindergarteneingewöhnung die 5.

Hoffentlich zum allerletzten Mal gewöhnen wir also ein Kind im Kindergarten ein. Dieses Mal ganz in Ruhe, denn ich hab Urlaub von meinem Job* und dann bin ich arbeitslos und, also, ach, ich hab halt Zeit.

Pippi braucht diese Zeit glaube ich auch. Gestern wollte sie nicht in einen anderen Kindergarten gehen. Ich kann’s verstehen. Nach den drei Monaten war sie im alten richtig angekommen und jetzt halt wieder ein Wechsel, das ist, unbestritten, nicht schön. Dass die Erzieherin, die ihre Bezugsperson werden soll, krank ist, ist natürlich auch ungünstig, aber halt nicht zu ändern. Jedenfalls bräuchte Pippi gestern erst mal eine gute halbe Stunde um von meinem Schoß runterzukommen. Ich durfte auch nicht sonderlich weit weg gehen, sondern musste, zum Beispiel beim Kneten, im selben Raum bleiben, was natürlich dazu führte, dass mir von sämtlichen Kindern der Gruppe alle Schlangen, Bälle und… unförmigen Gebilde gezeigt wurden. Irgendwie bin ich dann auch in was reingeraten und plötzlich machte ich ganz viele Knetäpfel und -eier. Pippi hat das passende Nest dazu gebaut.

Ich war ehrlich gesagt nach dem Kneten (da waren wir grade zwei Stunden da) schon bereit für Mittagsschlaf, so sehr stresst mich das Zusammensein mit neun Zwei- bis Dreijährigen. Allein der Geräuschpegel frisst meine Nerven in kürzester Zeit auf. Und dauernd wollen die irgendwas. Alle was unterschiedliches, versteht sich, aber alles super dringend. Und wenn keiner was will, haut garantiert irgendwer irgendwem anderem ein Spielzeugauto auf den Kopf oder es fällt wer mit dem Stuhl, den er grad rumschiebt, auf die Nase. Eieiei.

Trotzdem wollten wir bis nach dem Essen bleiben und plötzlich stand da ein Teller für mich auf dem Tisch, zwischen den ganzen Kinderplätzen. Uff. Ich schmierte dann also Stullen mit Leberwurst, Prim, Brunost und Kaviar aus der Tube, goss Milch und Wasser in kleine Tassen, wischte Milchseen vom Tisch, ich ermahnte sogar hier und da wenn Füße über Tischkantenhöhe wanderten. Ehrlich, als es danach hieß, wir sollten nach Hause gehen, damit sich Pippi auf den nächsten Tag freue, war ich glaube ich viel froher als sie.

Heute war also der nächste Tag. Mit Schnee.

Natürlich waren alle Kinder unglaublich aufgeregt, auch Pippi. Sie rannte von der Garderobe aus auch direkt in den Gruppenraum und fing an zu Spielen, als es kurz darauf raus ging, ging ich nur kurz mit und dann wieder rein. Pippi soll ja auch lernen, dass sie alleine dableiben kann, dass ich nicht jeden Tag da sitze und auf Zuruf Eier knete. Für Pippi war das auch erst total ok, aber nach einer guten Stunde kam sie aufgelöst an, weil ihre Finger kat waren. Man stelle sich das vor, wenn man seine warmen Handschuhe nicht anziehen will, werden im Schnee die Hände kalt. Danach war sie jedenfalls echt ungehalten und wollte am liebsten direkt nach Hause. Wir gingen aber noch nicht, sondern aßen und tanzten und Pippi spielte und ich putzte Rotznasen und kultivierte meinen Tinnitus, während ich versuchte, Datenschutzzettel und Gesundheitserklärungen auszufüllen.

Morgen werde ich dann mal tatsächlich den Kindergarten verlassen. Das habe ich Pippi so angekündigt und auch mit den Erzieherinnen abgesprochen. Pippi hätte mich lieber da, aber ich habe das Gefühl, dass es ihr schwer fällt, auf die anderen Kinder und vor allem die Erzieherinnen zuzugehen, wenn ich im gleichen Raum sitze, so unsichtbar wie ich da auch zu werden versuche. Es bleibt spannend.

Pippi findet diese Eingewöhnung auch anstrengend, gestern und heute war sie danach hundemüde und schlief einfach ein, die Nacht von gestern auf heute war dann absolut furchtbar und sie heute noch müder. Hoffen wir, dass sich alles recht schnell zurechtruckelt. Heute gehe ich jedenfalls um neun ins Bett.

P.S. weshalb ich jetzt schon schreibe: Michel ist wieder beim Skitraining. Er war vom ersten Mal letzte Woche so begeistert, dass er es diese Woche gar nicht abwarten konnte und auf dem Hinweg immer wieder fragte, ob wir es eilig hätten, ob wir pünktlich kämen, ganz sicher pünktlich? Und ich sitze derweil im Vereinsheim und Thomas Alsgaard schaut direkt aus den 90ern auf mich herab.

Ich bin total froh, dass ihm das so viel Spaß macht, dass ihn auch Nieselregen bei sehr wenigen Plusgraden nicht schreckt. Ich wäre da anders.