Tag 1191 – Schnipsel.

Schon spät (hahaha, aber ist ja egal, ich muss trotzdem ins Bett), deshalb heute ein bisschen gemischte Platte.

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Tag 4 von Projekt Lerche. Bin alles etwas geruhsamer angegangen heute (nicht das Aufstehen), das hat gut getan. Hab wegen eines Mittagsschlafs hin und her überlegt, es dann aber nicht gemacht. Ich bin da wie so ein Kleinkind: schlafe ich tagsüber, schlafe ich abends noch später ein. Und ich schaffe es nie, nach den magischen 20 Minuten aufzustehen, schlafe dann anderthalb Stunden und bin danach noch mehr im Eimer als vorher.

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Zweite Sitzung, bzw eigentlich Gründungssitzung des Räumvereins. Wie lange man über „aber wenns dann doch wieder so viel schneit wie letztes Jahr!“* diskutieren kann. Faszinierend.

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Finanzen gemacht. Ich hasse das. Aber es ist halt nötig. Dass mir die Chipsfabrik noch einen riesigen Haufen Geld schuldet, lässt mich derbe mit den Zähnen knirschen. Dass es am Ende wohl der norwegische Staat übernehmen wird, die (finanzielle) Chipsfabriksuppe auszulöffeln, macht mich innerlich rasend und ich woozaa-e so vor mich hin.

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Pippi hatte heute schon beim Abholen eine Laune wie sie nur Dreijährige haben können. Nach absolut ätzendem Gehampel und Geklecker und mit-dem-Essen-Gespiele beim Abendessen steckte ich sie unter infernalischem Geschrei ins Bett, wo sie dann auch nach fünf Minuten an mich gekuschelt einschlief. Solche Abende verlangen mir alle meine Nerven ab und das Kind kann wirklich froh sein, dass es nicht mehr in die Babyklappe passt. Wieso sieht sie denn nicht ein, dass sie müde ist? Herrje.

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Wollte noch über die katholische Kirche im Radio rannten, aber nun heult Pippi schon wieder. Ich muss hoch.

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*Dann zahlt man halt noch mal 250 Kronen pro Haus nach, meine Güte!

Tag 1178 – Schniefhust (und eine Erleichterung).

Uns hat alle die Spontanerkältung erwischt. Von „bis auf ein bisschen Halskratzen ganz ok“ auf „Nase fühlt sich an wie mit Watte ausgestopft und läuft unaufhaltsam, Husten und Gliederschmerzen“ in ca. 2 Stunden. Nämlich genau so lange, wie Michel in der Kinderdisco war.

Er hatte da viel Spaß mit (dank?) seiner „coolen Frisur“.

Ich war heute mal wieder in geheimer Mission unterwegs und bin jetzt die letzte Verbindung zur Chipsfabrik los. Also, abgesehen davon, dass da noch zwei (eigentlich aus Gründen drei, aber das ist… kompliziert) Gehälter ausstehen natürlich. Aber für die muss ich mit keinem da mehr reden, da muss ich letztlich nur noch die Füße hochlegen und auf den Konkurs der Firma warten.

Ach, eigentlich war es ein guter Tag. Ein sehr guter. Und ich freue mich jetzt einfach auf die nächste Woche, ich werde meine Nähmaschine und mein Sportprogramm wiederbeleben und hier im Haus rödeln und es uns endlich fertig hübsch machen. Also, solange alle bis dahin wieder fit sind, natürlich.

Tag 1176 – Nicht so gruselig, dafür schön.

Endlich klappt hier mal was.

Die KiTa-Eingewöhnung läuft weiterhin gut, heute lieferte ich Pippi um viertel nach acht ab, verteilte etwa eine Tonne Klamotten auf verschiedene Boxen (Drinnen, Draußen, Wechselsachen, Hausschuhe, Fleece/Wolle…) und verabschiedete mich dann behutsam von Pippi. Die fand das zwar nicht gut, das darf sie ja gerne auch sagen, sie darf sogar weinen, das ist ja total verständlich. Als die Erzieherin sie dann aber tröstete und mit Bügelperlen lockte und ich versprochen hatte, bald wiederzukommen und den Regenhut mitzubringen*, schnüffelte sie ein bisschen und dann durfte ich gehen.

Pippi und ich hatten dann jeweils ein paar schöne Stunden ohne einander. Ich holte sie nach dem Mittagessen ab, mit dem Regenhut, da begrüßte mich ein kleiner Dreckspatz, glücklich in den Matschepfützen** herumspringend, die vom gestrigen Schnee übrig geblieben sind.

Auch überraschend gut läuft die neue Absprache, was die Nachmittags- und Abendgestaltung angeht. Das hatte ich am Montag einmal sehr deutlich erklärt, nämlich dass ich finde, dass die Kinder zu viel fernsehen, dass sie sich deshalb dauernd streiten und keine Lust haben, zum Essen zu kommen. Dass sie deshalb auch zu spät ins Bett kommen und wir ständig unnötig rumdiskutieren, dass ich deshalb abends oft ganz schlechte Laune habe und die Kinder morgens ja dann auch müde sind, wenn wir sie wecken müssen. Erstaunlicherweise kam kaum Protest und die neuen, diktatorisch von mir eingeführten Regeln sind:

  • Essen um sechs, wir werden dafür halt Gerichte zusammensammeln, die sich in 30 Minuten kochen lassen
  • Hausaufgaben möglichst davor
  • Fernsehen erst nach dem Essen
  • Um sieben gehts ins Bad und von da ins Bett

Natürlich funktioniert das zum Beispiel dienstags nicht, denn Michels Skitraining geht bis sieben, danach gibt es da noch Abendbrot und Pippi möchte ungern ins Bett bevor Michel wieder zu Hause ist. Und übermorgen ist Kinderdisco in der Schule, das wird also auch nichts. Aber ich bin erstmal froh, dass es wirklich kaum Protest gab. Vielleicht ist es auch wieder so ein Ding: wenn der Leidensdruck erstmal groß genug ist, dass man eine wirklich klare Ansage macht, weil man wirklich, WIRKLICH dringend was ändern muss, dann schnallen das auch die Dauerdiskutierkinder. Hoffen wir, dass es so bleibt und wir das auch weiter durchziehen.

Was auch super gut läuft: ich hab bisher keine spürbaren Nebenwirkungen.

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In unserem neuen Wohngebiet wird ganz fleißig Trick-or-treat gesammelt, mit mehr oder weniger gruseligen Kostümen und (je nach Alter der Kinder) mehr oder weniger Eltern in ganz und gar ungruseligen Warnwesten dabei. Es waren heute Kinder von etwa 3 bis etwa 13 da und ich finde das, es überrascht mich selbst, gar nicht schlimm, sondern ganz putzig. Laternesingen fände ich immer noch schöner, aber das gibts ja halt hier eh nicht, da ist das schon in Ordnung so. Ich merke mir fürs nächste Jahr: 20 Mini-Riegel des Mars-Konzerns plus ebenso viele kleine Haribo-Tütchen sind recht knapp bemessen. Nächstes Jahr hat Michel dann ja vielleicht auch Lust, heute war ihm das zu gruselig. Auch ok.

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*Das Kind hat zu viel Peppa Wutz geguckt und die Folge, in der Schorsch seinen Regenhut nicht aufsetzt und sich dann erkältet, sehr verinnerlicht.

**Siehe *. Zu viel Peppa Wutz. Di-didedidi-didedidedidi.

Tag 1175 – Kindergarteneingewöhnung die 5.

Hoffentlich zum allerletzten Mal gewöhnen wir also ein Kind im Kindergarten ein. Dieses Mal ganz in Ruhe, denn ich hab Urlaub von meinem Job* und dann bin ich arbeitslos und, also, ach, ich hab halt Zeit.

Pippi braucht diese Zeit glaube ich auch. Gestern wollte sie nicht in einen anderen Kindergarten gehen. Ich kann’s verstehen. Nach den drei Monaten war sie im alten richtig angekommen und jetzt halt wieder ein Wechsel, das ist, unbestritten, nicht schön. Dass die Erzieherin, die ihre Bezugsperson werden soll, krank ist, ist natürlich auch ungünstig, aber halt nicht zu ändern. Jedenfalls bräuchte Pippi gestern erst mal eine gute halbe Stunde um von meinem Schoß runterzukommen. Ich durfte auch nicht sonderlich weit weg gehen, sondern musste, zum Beispiel beim Kneten, im selben Raum bleiben, was natürlich dazu führte, dass mir von sämtlichen Kindern der Gruppe alle Schlangen, Bälle und… unförmigen Gebilde gezeigt wurden. Irgendwie bin ich dann auch in was reingeraten und plötzlich machte ich ganz viele Knetäpfel und -eier. Pippi hat das passende Nest dazu gebaut.

Ich war ehrlich gesagt nach dem Kneten (da waren wir grade zwei Stunden da) schon bereit für Mittagsschlaf, so sehr stresst mich das Zusammensein mit neun Zwei- bis Dreijährigen. Allein der Geräuschpegel frisst meine Nerven in kürzester Zeit auf. Und dauernd wollen die irgendwas. Alle was unterschiedliches, versteht sich, aber alles super dringend. Und wenn keiner was will, haut garantiert irgendwer irgendwem anderem ein Spielzeugauto auf den Kopf oder es fällt wer mit dem Stuhl, den er grad rumschiebt, auf die Nase. Eieiei.

Trotzdem wollten wir bis nach dem Essen bleiben und plötzlich stand da ein Teller für mich auf dem Tisch, zwischen den ganzen Kinderplätzen. Uff. Ich schmierte dann also Stullen mit Leberwurst, Prim, Brunost und Kaviar aus der Tube, goss Milch und Wasser in kleine Tassen, wischte Milchseen vom Tisch, ich ermahnte sogar hier und da wenn Füße über Tischkantenhöhe wanderten. Ehrlich, als es danach hieß, wir sollten nach Hause gehen, damit sich Pippi auf den nächsten Tag freue, war ich glaube ich viel froher als sie.

Heute war also der nächste Tag. Mit Schnee.

Natürlich waren alle Kinder unglaublich aufgeregt, auch Pippi. Sie rannte von der Garderobe aus auch direkt in den Gruppenraum und fing an zu Spielen, als es kurz darauf raus ging, ging ich nur kurz mit und dann wieder rein. Pippi soll ja auch lernen, dass sie alleine dableiben kann, dass ich nicht jeden Tag da sitze und auf Zuruf Eier knete. Für Pippi war das auch erst total ok, aber nach einer guten Stunde kam sie aufgelöst an, weil ihre Finger kat waren. Man stelle sich das vor, wenn man seine warmen Handschuhe nicht anziehen will, werden im Schnee die Hände kalt. Danach war sie jedenfalls echt ungehalten und wollte am liebsten direkt nach Hause. Wir gingen aber noch nicht, sondern aßen und tanzten und Pippi spielte und ich putzte Rotznasen und kultivierte meinen Tinnitus, während ich versuchte, Datenschutzzettel und Gesundheitserklärungen auszufüllen.

Morgen werde ich dann mal tatsächlich den Kindergarten verlassen. Das habe ich Pippi so angekündigt und auch mit den Erzieherinnen abgesprochen. Pippi hätte mich lieber da, aber ich habe das Gefühl, dass es ihr schwer fällt, auf die anderen Kinder und vor allem die Erzieherinnen zuzugehen, wenn ich im gleichen Raum sitze, so unsichtbar wie ich da auch zu werden versuche. Es bleibt spannend.

Pippi findet diese Eingewöhnung auch anstrengend, gestern und heute war sie danach hundemüde und schlief einfach ein, die Nacht von gestern auf heute war dann absolut furchtbar und sie heute noch müder. Hoffen wir, dass sich alles recht schnell zurechtruckelt. Heute gehe ich jedenfalls um neun ins Bett.

P.S. weshalb ich jetzt schon schreibe: Michel ist wieder beim Skitraining. Er war vom ersten Mal letzte Woche so begeistert, dass er es diese Woche gar nicht abwarten konnte und auf dem Hinweg immer wieder fragte, ob wir es eilig hätten, ob wir pünktlich kämen, ganz sicher pünktlich? Und ich sitze derweil im Vereinsheim und Thomas Alsgaard schaut direkt aus den 90ern auf mich herab.

Ich bin total froh, dass ihm das so viel Spaß macht, dass ihn auch Nieselregen bei sehr wenigen Plusgraden nicht schreckt. Ich wäre da anders.

Tag 1173 – Menno.

Ich hatte mich so aufs nach Hause kommen gefreut. Wirklich sehr. Ich dachte, wir kämen um acht hier rein, es gäbe schnell noch einen Happen zu essen, danach plumpsen die Kinder ins Bett, dank Uhrzeitumstellungstralala schlafen sie direkt ein und ab viertel vor neun hätten Herr Rabe und ich dann Feierabend und würden das Wochenende gemütlich auf dem Sofa ausklingen lassen.

So kam es aber nicht, jetzt ist es fast elf, auf dem Sofa gesessen habe ich gar nicht und Herr Rabe werkelt irgendwas unten rum. Ich bin hundemüde aber auch wütend wegen des verkorksten Abends und der undankbaren, gierigen, dauerstreitenden Kinder und hasse einfach alles.

Das geht so nicht weiter mit den Abenden. So. Wir müssen früher essen, damit die Kinder früher ins Bett kommen. Schluss, aus. Kein Gehampel mehr und noch ein Video und noch ne Folge Tralala bis es super spät ist und die Kinder vor lauter Bildschirm ganz gaga sind und meinen „Dumme Mama!“ und wütendes Schnauben als Kommunikationsform seien angemessen. Einfach nein. Und genauso muss das Gehampel beim vorm und nach dem Essen aufhören. Wenn die Kinder kurz vorm Essen halt noch diesdasjenes essen, essen sie beim Essen nix, rennen rum, stehen dauernd auf (vor allem Michel) und zumindest Pippi meint dann nach dem Zähneputzen regelmäßig, sie habe ja Hunger und könne so nicht schlafen.

ROUTINE! Ich will Routine. Ich will Feierabend, möglichst ab acht. Ja, das werden dann ein paar harte Wochen, aber ich kriege hier sonst echt zu viel.

Und das am besten Tag des Jahres, wenn endlich die Uhr wieder richtig geht. Hrmpf.

Tag 1172 – Ein bisschen Katerstimmung.

Naja, das war’s aber wert. Ich ging halt heute ein wenig in den Seilen, war total früh wach und todmüde, konnte aber nicht mehr wirklich schlafen, dann Kopfschmerzen, halt so. Trotzdem war es ein schöner Tag, denn zu M. und H., bei denen ich und Michel übernachten, kamen noch J. und M., und während wir drei Mütter Kaffee tranken und uns über die „Freuden“ des Lebens mit frischen (oder, in H.s Fall, nicht ganz so frischen aber nicht minder komplizierten) Schulkindern austauschten, rissen die Kinder H.s Zimmer und dann draußen den Garten ein, zankten sich, spielten, alle heulten mal wegen irgendwas und dann spielten sie wieder. Das war aus ganz vielen Gründen sehr schön, vor allem weil ich mir wegen etwas wenig Kontakt zu Nicht-Internet-Eltern im Moment wieder oft vorkomme wie die schlechteste Mutter der Welt, die als einzige ungeduldig und aufbrausend und oft genervt ist. Passend dazu sind meine Kinder die einzigen ungeduldigen, gierigen, frechen, jedenfalls in meinem Kopf und da ist das dann halt schön, wenn man von anderen Müttern die gleichen Geschichten über total eskalierende Hausaufgabenstreits und Verweigerung irgendwelche Kleidungsstücke anzuziehen samt des folgenden Theaters hört. Es sind halt Kinder, wir sind halt Mütter, keine Engel, auf keiner Seite in keiner Familie sind alle perfekt. Schade, dass mir diese Erkenntnis immer wieder so flöten geht.

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Hachz-Moment des Tages: Wie Michel meinte „… und dann bin ich aufgewacht, weil H. geschnarcht hat, aber dann hab ich mich umgedreht und dann warst du das. Da hab ich gut wieder geschlafen.“

Tag 1170 – Abgestumpft.

Achtung, Too much information-post über Hormonspirale!

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Ich will nicht sagen, dass ich irgendwie Angst gehabt hätte, aber ich ging heut zu meiner Hausarztpraxis mit einer leichten Anspannung. Denn ich hatte schon das ein oder andere gehört über das Legen von Spiralen, wie doll das weh täte währenddessen und danach und überhaupt ganz schlimm alles. Auch dass die Ärztin mir vorher von „und dann öffnen wir den Muttermund, aber wenn wir nicht durch kommen, dann machen wir das Paket gar nicht erst auf“ erzählt hatte, hat es nicht besser gemacht.

Dann war da ja auch noch das klitzekleine Problem, dass ich Pippi mitnehmen musste. Mein Plan war da, dass ich sie in den Kinderwagen setze, damit sie auf dem Weg einschläft, denn dann schläft sie ja eigentlich immer mindestens eine Stunde, das sollte also gehen.

Pustekuchen! Beim Arzt angekommen schaute mich Pippi aus großen Augen an und war alles andere als am Schlafen. Ok, dachte ich, dann ist das jetzt eben so und ich machte mit ihr ab, dass sie auf meinem Handy Peppa Wutz gucken darf, wenn sie ruhig draußen vor dem Behandlungszimmer sitzen bleibt.

Dann wurden wir aber von der Ärztin hereingebeten und sie meinte nur, nein, das sei gar kein Problem, wenn es für mich keins sei und sie stellte Pippi ans andere Ende des Raumes eine riesige Kiste Spielzeug hin. Pippi packte schon mal alles aus und die Ärztin klärte mich auf, über Blutungen und Nebenwirkungen und all das und dann zog ich meine Schuhe aus und Pippi verkündete, sie müsse aufs Klo. Auch kein Problem, ich ging mit Pippi aufs Klo und dann war es aber wirklich Zeit.

Ich sag es mal so: das wird jetzt nicht mein verschrobenes Hobby, aber schlimm war es wirklich nicht. Die Ärztin machte erstmal eine gynäkologische Routineuntersuchung, allein das ist ja schon nicht besonders schön, und nahm dann noch eine Zellprobe vom Muttermund. Das habe ich schon in wirklich unangenehm mitgemacht, großes Lob an die Ärztin, ich hab das heute kaum gemerkt und auch nicht geblutet wie ein abgestochenes Schwein, hurra! Und auch das tatsächliche Legen der Spirale war nicht wirklich schlimm. Etwas unangenehm, ja, das zwickt und zwackt und dann drückt es seltsam, aber mehr war da bei mir jedenfalls nicht.

Pippi spielte derweil konzentriert mit dem Spielzeug und fragte nur einmal zwischendurch interessiert die Ärztin: „Ser du rumpa mamma mi?“ („Guckst du meiner Mama inn‘ Po?“) und als die Ärztin ganz nüchtern mit „Nei, det er tissen jeg ser etter.“ (Nein, ich gucke mir das [unisexwort für Geschlechtsteil] an.) antwortete war es auch schon gegessen. Puh! Ich finde ja einen entspannten Umgang mit Gesundheitsdingen, durchaus auch solchen, gut und richtig, aber bei ner Untersuchung dabei haben muss ich die Kinder eigentlich nicht. Wenn es nicht anders geht, so wie heute oder damals, als ich mit krankem Michel (da war er etwas mehr als zwei Jahre alt) zu Hause war, in der 12. Woche schwanger und plötzlich anfing zu bluten, Tjanun, dann geht es nicht anders und dann ist ja gut, dass die Ärzt*Innen in Norwegen da auch kein großes Problem mit haben (sofern das betreffende Kind friedlich in einer Ecke spielt jedenfalls).

Nachdem die Spirale saß, was inklusive Zellabstrich und allem vielleicht 10 Minuten gedauert hat, packte Pippi das Spielzeug wieder ein und wir zogen unserer Wege. Ich mit einem zunehmenden Gefühl von Regelschmerzen, Pippi hüpfend und singend. Sie schlief übrigens auch auf dem Rückweg nicht und auch am Nachmittag nicht. Gut, dass ab Montag wieder Kindergarten ist, wenn auch erstmal nur Eingewöhnung. Ich setzte mich zu Hause mit Wärmekissen auf dem Bauch und einer Ibuprofen im Magen aufs Sofa, weil Stehen und Gehen halt zu einem ziemlich starken Regelschmerzgefühl führten, aber zum Abendessen hin ging das dann auch wieder und jetzt ist eigentlich alles wie immer. Vielleicht ist mein Uterus ein Holzklotz ohne Gefühle, abgestumpft nach zwei Schwangerschaften. Ist ja auch Wurscht, bis etwa Tag 2900 muss ich mir vermutlich keine großen* Gedanken mehr darum machen. Und ne Achtjährige will vermutlich eh lieber draußen warten und nicht Duplo-Autos zählen.

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*Jajaja, natürlich gehe ich in paar Monaten zur Kontrolle, ob alles richtig sitzt. Termin ist schon abgemacht und im Kalender gespeichert.

Tag 1168 – Wieder zu Hause.

Wir durften das Krankenhaus verlassen. Natürlich nur, nachdem ich versprochen hatte, bei der kleinsten Blutung anzurufen und nachdem dann auch noch mal betont werden musste, dass die Entscheidung, ob das Kind vorgestellt werden muss, dann bei ihnen liegt. Also genau genommen: Sie müssen anrufen, wir sagen dann, Sie müssen kommen und wenn Sie nicht kommen, dann passiert aber was*!

Egal, wir sind jedenfalls zu Hause, Pippi darf in Zukunft nicht mehr, auch nicht ausnahmsweise, auf Michels Sitz mitfahren, weil sie erstens viel zu leicht da rausklettern kann und das dann auch tut und außerdem hat sie heute auf der Autobahn die Tür einfach aufgemacht (ok, ich hatte einfach vergessen, die Kindersicherung reinzumachen) und ich hatte fast einen Herzstillstand. Also, nein, Rübennase, vergiss es. Der Sitz ist erstmal gestrichen.

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Michel war heute das erste mal beim Skitraining. Erst wollte er unbedingt, dann gar nicht mehr, dann war ihm kalt, dann gingen sie joggen und dann spielten sie Hockey (es ist halt noch kein Schnee, es wird erstmal an der Grundfitness gearbeitet) und am Ende war es ganz toll und Michel wäre gern noch eeeeewig dageblieben. Leider war das alles so aufregend, dass wir zu Hause dann einen Kaktus auf Konfrontationskurs zu uns hatten. Hoffentlich gibt sich das wieder, weil ich glaube, ein Draußensport wäre gar nicht schlecht für Michel und er hatte ja wirklich Spaß. Aber hinterher als Blitzableiter und Punchingball herhalten macht absolut keine Freude, selbst wenn man sich schon fast drauf einstellen kann.

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  • *Ich kann mir vorstellen, dass sie dann zum Beispiel Meldung an die norwegische Version des Jugendamts machen.
  • Tag 1166 – Zurück im Spidermanzimmer.

    Auch wieder vorweg: es geht allen hier gut. Aber Pippi und ich sind wieder im Krankenhaus, weil sie heute früh anfing, Blut auszuspucken (da wurde uns vorher gesagt, dass das nach ca. 1 Woche, wenn sich die Borken lösen, passieren kann) und dann heute mittag auch noch brechen musste. Ich sag mal so: geschlucktes Blut, ein Nutellacroissant und ein Eis aus rotem Smoothie macht eine ganz, ganz gruselige Farbkombination. Jedenfalls riefen wir, wie es uns für diesen Fall zuvor geheißen wurde, im Krankenhaus an. Die wollten sie sehen, deshalb fuhr Herr Rabe mit ihr hin und Michel und ich strichen in der Zeit die Wand – und das schlecht, weil die Farbe unter das Malertape gelaufen ist und die Farbfläche deshalb komplett ausgefranst ist. Da muss ich nochmal ran um das zu retten, aber vorher muss ich rausfinden, was das für ein Farbton ist, der vorher an der Wand war. Seufz. Jedenfalls war irgendwann Herr Rabe mit Pippi auch dran und… sie sollte über Nacht bleiben.

    Ich warf also die Impromaschine an, warf Übernachtungssachen in meinen Rucksack, rief ein Taxi* und eine Stunde später saßen Michel und ich im Zug. Zug, Bus, Laufen und „schon“ waren wir da. Man muss dazu sagen, mit dem Auto hätte es genauso lange gedauert.

    Im Krankenhaus hatte Pippi grad einen schlimmen Wutanfall, weil sie nicht essen darf, aber Hunger hatte, da half auch kein Eis, kein Saft und die Infusion piept dauernd wegen „Okklusion nedstrøms“ weil Pippi mit jeder Bewegung des Ellenbogens den Schlauch abklemmt. Es dauerte eine geschlagene Stunde, sie so weit zu beruhigen, dass sie Eis und Peppa Wutz akzeptierte. Inzwischen hat sie drei Eis und zwei Gläser Saft intus, 75 mL Glucose-Infusion sind enervierend langsam in sie herein gelaufen, sie hat keine Schmerzen aber friert (nach der Eismenge wohl kein Wunder). Ich hoffe, ich kriege sie bald zum Schlafen, ich bin nämlich auch müde und vor allem hab ich Hunger, aber ich will auch nicht vor ihrer Nase Rhabarberkuchen essen.

    Morgen geht es, wenn es nicht wieder blutet, wieder nach Hause. Hoffen wir, dass die Nacht besser wird, als die letzte in diesem Zimmer.

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    *Also ins 50 km entfernte Krankenhaus würd ich mich nicht fahren lassen, aber für die 5 Minuten zum Zug frage ich, falls sowas nochmal passieren sollte, die Nachbarn. 215 Kronen für eine Strecke, die man als sportliche Erwachsene in 20 Minuten, mit aufgeregtem Michel aber eher nicht laufen kann.

    Tag 1165 – Na gut.

    Pippi schläft jetzt die dritte Nacht in Folge ohne Windel. Ich nehme an, das wird funktionieren. Es ist nämlich so: Pippi hat das selbst so bestimmt, dass das mit den Windeln jetzt vorbei ist und dann zieht sie das jetzt auch durch. Gestern und vorgestern morgen musste sie dann eben sehr früh sehr dringend aufs Klo, aber das ist ja auch in Ordnung. Ich glaube jedenfalls nicht, dass Pippi sagen würde, sie könne ohne Windel schlafen, wenn sie da nicht absolut sicher wäre. (Im Gegensatz zu Michel, bei dem ich das ja sogar total gut verstehen kann, dass er wirklich, WIRKLICH gern Groß sein will und große Jungen nässen nicht ein, aber… naja. Hin und wieder, inzwischen nur noch ganz selten, kaum noch öfter als wir eh unsere Bettwäsche wechseln würden*, passiert es halt doch. Wir machen da kein Drama draus, es ist ihm eh schon peinlich genug. Aber die Kinder sind halt verschieden, ich denke jedenfalls Pippi zieht das jetzt durch.

    Genauso zieht sie die Sache mit den Schmerzmitteln** durch und da weiß ich nicht so ganz, was ich davon halten soll. Es ist einerseits total lustig. Es ist auch bewundernswert, wie abgebrüht sie ist. Es ist aber auch, von wegen Nein heißt Nein und so, echt bedenklich. Denn die Schmerzmittelgabe läuft hier so:

    „So, Pippi, vorm Bett gibt’s aber noch einmal Zäpfchen.“

    „Nein, ich will nicht!“

    „Das verstehe ich gut, das ist ja auch unangenehm, aber das muss trotzdem sein.“

    „Orrrr!“

    „Soll Papa oder ich dir das Zäpfchen geben?“

    „Mama! Und Einhorn-Salbe***!“

    Und dann zieht sie die Hose runter und sagt „aber schnell!“.

    Ich sehe das wie gesagt mit gemischten Gefühlen. Weil einerseits habe ich es natürlich so lieber, als ein Kind, dass sich zweidreiviermal täglich zehn Minuten unter Gebrüll auf dem Badezimmerfußboden windet, aber eben trotzdem das vermaledeite Zäpfchen kriegen muss. Einem schreienden Kind Zäpfchen geben ist ja noch viel schlimmer als einem, das das (unter Gemecker, aber eben) einfach über sich ergehen lässt. Ich rede mir ein, sie hat die „Du kriegst sonst Schmerzen im Hals und das will ich nicht und du bestimmt auch nicht.“-Vorträge verstanden, aber so recht glaube ich nicht dran. Ich glaube sie hat gelernt, dass es das Zäpfchen eh gibt, Geschrei hin oder her, und dann… pickt sie ihre battles. Ganz die Mama****. Wenn es sein muss, dann schnell und mit Einhornsalbe. Ich hoffe wirklich, sie nimmt das, grade bei so körperlichen Sachen, nicht fürs Leben mit. Denn Mächtigere als sie wird es halt immer geben aber nicht alle haben nur die Vermeidung von postoperativen Halsschmerzen im Sinn.

    Anekdote passend dazu: Gestern kam Michel ins Bad und Pippi aß, nach der Zäpfchengabe, ein Eis. Michel fragte daraufhin etwas ungehalten, warum Pippi Eis äße (Subtext: und er nicht). Pippi meckerte daraufhin zurück: „Weil ich ein Aua gekriegt habe, in meinem… in meinem Po!“

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    *Ich würd aber nicht so oft die Bettdecke und Übermatratze waschen, ehrlich gesagt. Schon allein, weil das unsere Waschmaschine regelmäßig vorm Schleudern kapitulieren lässt.

    **Im Krankenhaus war die Ansage ganz klar: die erste Woche durchgehend Schmerzmittel geben, damit sie gar nicht erst Schmerzen bekommt, eventuell aufhört zu essen und zu trinken und dann mit trockenem Hals noch mehr Schmerzen bekommt. Ich nehme das schon ernst, im Gegensatz zum Krankenhaus wecke ich sie nur nachts nicht auch noch für ein Zäpfchen.

    ***Eine Tube Wund-und-Heilsalbe, die Pippi mit im Kindergarten hatte, falls sie mal einen wunden Po hätte, der Pflege bedarf. Auf Pippis Namensschildern ist ein rosa Einhorn***** und so wurde das die Einhorn-Salbe.

    ****Das sage ich ganz ohne Stolz. Meine herausragende Fähigkeit, mich durchzubeißen und Mist auszuhalten ist nicht gerade was, worauf ich stolz bin. Ein bisschen mehr frühzeitiges auf meine Grenzen hören, ein bisschen mehr Self-care, das wäre oft gut. Ähnlich wie meine helle Haut hatte ich vergeblich gehofft, davon nicht zu viel weitergegeben zu haben.

    *****Tja, was sich Pippi halt so aussucht, wenn man sie lässt. RosaGlitzerEinhornPrinzessinnen. Oder Dinosaurier. Oder Peppa Wutz oder Elsa.