Tag 858 – Ist auch vorbei.

Verschenkt ist der Tag. Ich kann nach wie vor nicht schlafen und all der Scheiß von gestern… ich hab den ganzen Tag im Bett gelegen und die Hälfte davon geheult und drüber nachgedacht, wie ich eine „ich geb’s auf, ich bin zu dumm und zu schwach“-Nachricht an den Chef formulieren soll.

Ich gebe noch nicht auf, aber ich laufe auf dem allerletzten Rest meiner Reserve. Es sind nur noch ein paar Tage. Wäre es mehr, keine Ahnung. Ich würde aufgeben, vermutlich und eventuell würde ich meinen täglichen Beitrag hier für ein paar… Tage? Wochen? Aus irgendeiner Psycho-Klinik schreiben. Denn, ja, so schlecht geht es mir.

Eventuell wird es hier die nächsten Tage nur ein kurzes Piep pro Tag geben. Das heißt dann „Ich lebe noch, ich stehe noch, ich melde mich bald wieder ausführlich, aber grad ist es nicht drin.“.

Ach, ach, ach.

(Ich wette meinen Arsch drauf, dass es am Ende scheitert, aber nicht an mir, sondern irgendeinem Scheiß Zettel, der nicht schnell genug zurück kommt.)

(Auto-Lobhudelei: gibt’s nicht. Sorry, ich habe grad wahnsinnige Probleme, mich nicht als Vollversagerin wahrzunehmen.)

Tag 846 – Es ist wieder da.

Der Montag aller Montage, denn um halb zehn bekam ich eine Nachricht, dass ein neuer eDialog mit meinem Arzt für mich vorläge. Ich loggte mich da also fix ein und:

Aus dieser Nachricht lassen sich folgende zwei schlechte Nachrichten entnehmen: 1. wurden, obwohl ich doch extra noch rumdiskutiert und -genervt hatte, nur zwei von fünf erforderlichen Werten gemessen. Zu Morbus Basedow gehören nämlich: TSH stark erniedrigt, freies T4 und freies T3 erhöht (das ist eigentlich ein Feedback-Mechanismus: TSH kurbelt zwar die Produktion von T3/T4 an, die wiederum hemmen aber die Freisetzung von TSH. Bei Morbus Basedow werden aber aus anderen Gründen wie bekloppt T3 und T4 produziert, TSH wird dadurch trotzdem gesenkt), weshalb nur fT4 gemessen wurde weiß der Himmel (oder die Arzthelferin). Und dann gehören noch die Antikörper dazu: da gibt es TSH-Rezeptor-Auto-Antikörper (TRAK, oder hier TRAS), der tut quasi so als wäre er TSH, bindet an den Rezeptor und veranlasst so die Ausschüttung von immer mehr fT3 und fT4. Und es gibt noch anti-TPO (Thyreoperoxidaseantikörper), der ist zwar nicht beweisend für MB, ist aber trotzdem auch oft erhöht. Ohne die Antikörper ist also zu einer *Autoimmun*hyperthyreose nicht so viel zu sagen. Nachdem man sicher 20 Blutproben zu diesem klinischen Bild abgeliefert hat, weiß man sowas. Bei mir waren beide Antikörper immer noch leicht erhöht, obwohl ich seit zweieinhalb Jahren keine Schilddrüsenblocker mehr nehme und trotzdem einen normalen Stoffwechsel hatte. Also normale fT4, fT3 und TSH-Werte.

Jetzt halt nicht mehr, das ist schlechte Nachricht 2: fT4 ist zu hoch (sorry Twitter, doch nicht 39, aber trotzdem deutlich über dem Referenzbereich) und TSH wieder nicht mehr messbar, weil zu wenig.

Und so fühle ich mich ja auch.

Und das heißt jetzt für mich:

Wieder Arztmarathon, dauernde Blutentnahmen, lange auf Besserung der Symptome warten, nebenher eine Doktorarbeit schreiben, es ist Weihnachten, und HOFFENTLICH KOMMT DIE VERFLUCHTE AUGENSCHEISSE NICHT WIEDER.

Hups, sorry, doch etwas emotional geworden.

Aber wie soll ich denn auch reagieren, nachdem ich beim (Haus-!!!)Arzt erst 15 Minuten in der Warteschleife hänge und mir dann mit den Worten „so dringend ist es nicht, aber Sie dürfen am Mittwoch kommen, eigentlich haben wir ja bis Weihnachten keine Termine mehr“ abgespeist werde und dann noch drum bitten muss, dass das Blut für die fehlenden Werte doch im Krankenhaus (erneut) abgenommen werden könnte? Dann hätten wir die Ergebnisse Mittwoch früh, bittebitteliebguck? Ich schätze, der Arzt und auch seine Sprechstundenhilfen mussten noch nie ein Jahr lang jeden Abend Salbe in die Augen schmieren, weil die nachts einfach aufgingen und austrockneten, sonst hätten sie Verständnis für meine Panik und meine Verzweiflung gehabt und würden mir nicht am Telefon indirekt vorhalten, dass es ja nicht so dringend sei und die Praxis ja so voll.

Meine Fresse.

Als Krönung des Ganzen musste ich dann übrigens in der Blutabnahmestelle des Krankenhauses über eine Stunde warten, traf meine einzige Freundin (die hat das Gleiche, es wär lustig wäre es nicht so scheiße) und brach in Tränen aus, und musste zu guter Letzt mit der Krankenschwester WIEDER HERUMDISKUTIEREN WEIL DER HAUSARZT DIE BLUTPROBEN EBEN NICHT ONLINE BESTELLT HATTE.

Langer Rede kurzer Sinn: es war ein richtig beschissener Tag, ich habe keine Zeit für diesen Mist, NEIN, ICH WERDE MICH NICHT KRANKSCHREIBEN LASSEN, JA, ICH WEISS, DASS ICH UND DIESE EINSTELLUNG DARAN SCHULD SIND, JA VERDAMMTE SCHEISSE.

Hups, schon wieder emotional. Und böse Fäkalwörter benutzt.

Aber ich kann’s echt nicht mehr hören.

Ich werde übrigens auch kein Selen, Vitamin B Oder D Oder Bachblüten oder Schüsslersalze nehmen, nur falls Sie schon kommentieren wollten. Ja, ich habe im Prinzip gute Ärzte hier. Nur halt nicht in der Hausarztpraxis.

Ich werde den Arzt am Mittwoch um Neo-Mercazole und Beta-Blocker bitten, sowie darum, dass die Blutproben im Krankenhaus genommen werden, weil ich wirklich, wirklich keine Zeit habe, jede Woche zwanzig Minuten in der Praxis zu sitzen, bis ich dann mal an den Tresen darf, wo ich dann mein Sprüchlein aufsage, um dann nochmal eine halbe Stunde im Wartezimmer zu sitzen (umgeben natürlich von all den Magen-Darm-Grippe-Windpocken-Nasen), und dann schicken die das ans… Krankenhaus zur Analyse. Also, die 2/5 der Werte, die bestimmt werden sollen. Nach Weihnachten können wir so Späße gern wieder machen, da ist mir egal, ob ich erstmal ne Woche lang Wartezimmerseuchen auskurieren muss, aber bis dahin: No. Way.

Und übrigens: laboratorieresultater ist ein Wort, genau wie Laborergebnisse.

Auto-Lobhudelei: ich hab nur kurz wegen der ganzen Geschichte auf dem Klo geheult* und mich dann zusammengerissen und mit einer Einstellung die inzwischen nur noch f*ck it ist und kein „ich will das super gut machen, das ist mein Lebenswerk, was sollen sonst die Leute von mir denken???“ mehr die Einleitung zum Manuskript fertig geschrieben. Und, wichtiger, ich hab das mit den blöden Blutproben organisiert, also den Job der Arzthelferinnen gemacht, bittegern, Wanna get shit done? Ask your Graves-friend!

F*ck it.

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*und dann zu Hause noch mal und ordentlich. Herr Rabe erinnert sich nämlich noch an die Augensalbe und auch die Rennerei, um das nicht lieferbare Neo-Mercazole zu bekommen, und die fünfzehn Schwangerschaftstests, weil mein Zyklus keiner war, und den Haarausfall und die Pickel. Der versteht das.

Tag 842 – Ok.

Schöne Zahl.

Bin auf dem Sofa eingeschlafen und erst wieder wach geworden, als sich meine Brille fies in meine Nase und mein iPad, das auf der Sofalehne lag, in meinen Hinterkopf bohrte. Wegen Abschminkenzähneputzen bin ich jetzt wieder unangenehm wach und kann ihnen wenigstens erzählen, dass heute ein Okay-er Tag war, ich habe zwar keine Resultate bekommen und das macht mich wahnsinnig, aber die Methods-section des Artikels kann ich ja trotzdem schreiben und die hab ich heute runtergetippert, die ist soweit fertig. Morgen werde ich die Einleitung anfangen. Des Weiteren hab ich heute in der Gegend rumtelefoniert: einmal, weil uns irgendein A*schloch den Außenspiegel am Auto angefahren hat und ich diese unbekannte Person gerne pro Forma anzeigen möchte, für die Statistik und damit meine Wut einen Kanal hat; und nach dem Mittagessen hab ich bei der Stelle aus Schweden mal nachgehakt, das macht mich ja dezent fertig, dass die sich nicht melden, das war ja beim letzten Mal nicht so ein gutes Zeichen. Diesmal ist aber alles gut, der Personalmensch rechnet mir sehr gute Chancen aus, es waren alle sehr zufrieden mit dem Interview, Donnerstag Nachmittag oder Freitag werde ich hören, wie es da weiter geht. Und gut, dass ich angerufen hätte, dann wüsste er ja, dass ich noch Interesse habe. Klar hab ich Interesse und um eventuell eine etwas bessere Basis zu haben, schickte ich danach noch eine Bewerbung ab, auf die zu bewerben mir der Chef-Recruiter der Firma nach Lesen meines CVs und einem gut halbstündigen Telefonat (am Donnerstag, ich berichtete nicht, weil ach…) empfohlen hat. Das wäre halt kein Labor mehr, also eigentlich… noch besser.

Es wird. Wenn ich jetzt noch etwas weniger trøtt og lei wäre…

Tag 840 – Puh!

Herr Rabe ist wieder da. Das heißt: wir haben wieder Hygienespüler. Wir haben (gekaufte) Adventskalender für die Kinder, Ich habe einen Adventskalender (von Essie, laaangweilig, ich weiß, aber hier in Norwegen ist das voll außergewöhnlich dass ich den hab, den gibts dieses Jahr nämlich irgendwie nur bei einem Anbieter – für das anderthalbfache des Preises, der bei den anderen Onlineshops als „bald verfügbar“ steht und mehr als das doppelte von dem Preis, den ich letztes Jahr bezahlt hab.

Ansonsten bin ich froh, dass ich die Kinder jetzt nicht mehr alleine versaue jetzt nicht mehr alleine für die Kinder zuständig bin. Zwei Tage mit zitternden Armen reichen grad dicke. Heute haben wir den Tag recht gut mit einem Kindergeburtstag rumgekriegt. Vorher waren wir noch bei der Freundin von Michel, deren kleiner Bruder ist Pippis Freund und deren beider Mama ist die Leiterin des Kindergartens und wirklich nett. Eigentlich sollte ich nur Michel abliefern, weil eigentlich nur Pippi und Pippis Freund auf dem Geburtstag eingeladen war, dann wurden aber kurzfristig heute früh doch noch Michel und seine Freundin dazugebeten und dann sah ich wohl platt genug aus um einfach auf nen Kaffee eingeladen zu werden und im Endeffekt waren wir dann alle knappe zwei Stunden da und fuhren dann zu dem Geburtstag. Der war dann sehr schön, die Kinder verdrückten unglaubliche Mengen Kuchen und vor allem Chips (mit Chips bin ich ja bei Pippi immer noch sehr vorsichtig, seit sie mal im Flugzeug freudestrahlend so ein Tütchen Chips verdrückte und es fünf Minuten später immer noch freudestrahlend in meine Hand kotzte (offenbar hab ich das nicht verbloggt, WARUM DENN NUR?), aber sie hat alles gut vertragen und sich trotz der wirklich unglaublichen Mengen zum Abendessen noch eine riesigen Portion Nudeln mit Parmesan reingeschaufelt, ich glaube, da wächst bald wer). Die Eltern des Geburtstagskinds sind sehr nett und sprechen – Überraschung – echt gut Norwegisch. Zu Hause sprechen sie miteinander Hindi und mit dem Kind indisches Englisch, deshalb dachte ich irgendwie, die könnten nicht gut Norwegisch. Aber das ging echt gut alles und die Kinder spielten sehr schön und nahezu ohne sich gegenseitig die Köppe einzuhauen und als ich heute Abend Pippi ins Bett brachte, sang sie ihrer Mickey Maus ein Lied vor: „Eböörsdäi tuu juuu, eböörsdäi tuu juuuu! Ebörsdäi di Mau-haus, ebörsdäi tuu juu!“.

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Leicht Off Topic: Die Mutter eines anderen Kindes aus dem Kindergarten, die auch auf dem Geburtstag war, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in französischer Literatur, an der Uni. Post-Post-Doc, sozusagen. Auf einer bis Januar befristeten 50%-Stelle. Schon der dritten kurzfristig befristeten und ungewollt nicht-vollen Stelle. Es ist doch überall das Gleiche und echt zum Heulen. Die akademische Welt ist kaputt, an allen Ecken und Enden.

Tag 839 – Beste Mama ever!

Wenn meine Kinder wählen könnten, wäre ich das wohl heute geworden. Zumindest zum Teil. Oder eher: bis auf Ausnahmen.

Weil, also, hmm, für dieses „Erziehen“ braucht man definitiv mehr Nerven als ich zur Zeit habe. Auf der Ebene fand heute also nur das Allernötigste statt und das kostete mich schon alle meine spärlichen Nervenvorräte. Jupp, ich bin die Mutter, die im Parkhaus erst ihr Kind anschreit (so richtig mit der Mom-Voice und den fiesen Sätzen die direkt aus der dunklen Masse der eigenen Kindheit stammen) und dann das brüllende Kind recht ruppig im Autositz anschnallt, weil NEIN, OHNE ANSCHNALLEN FAHREN WIR NICHT LOS UND NEIN, WIR WERDEN HIER NICHT NOCH NE STUNDE LANG HERUMHAMPELN, ES IST SCHON SPÄT UND WIR MÜSSEN NOCH EINKAUFEN. Das passierte heute zwei mal innerhalb von nicht mal anderthalb Stunden. Dazwischen lag ein Einkauf aus der Hölle, weil Pippi, die sture und trotzphasige Rübennase, das Geburtstagsgeschenk für ihre Freundin trotz ca. 5000-maliger Ermahnung und „Ja, R. sin!“-Beteuerungen ihrerseits dann doch ausgepackt hat, woraufhin ich ihr das wegnahm. Ja. Ich bin also auch die Mutter, die erst ihr brüllendes, zappelndes Kind aus dem Parkhaus schleppt (das hallt da so!), dann vor dem Supermarkt mit dem brüllenden Kind auf dem Boden hockt, vom brüllenden Kind gehauen wird, dem brüllenden Kind mitteilt, dass jetzt eingekauft wird, deren brüllendes Kind aus dem Einkaufswagen klettert und deren brüllendes Kind im Supermarkt mitten im Weg auf dem Boden liegt. Mütter mit seit längerem ungeduschten Teenagern gingen vorbei und ich sah das „Gott sei dank ist das vorbei!“ in ihren Augen. Mütter mit rosigen Babies gingen vorbei und ich sah das „Oh mein Gott, das arme Kind, meins wird das ja nie machen, weil…“ in ihren Augen. Ältere Damen gingen vorbei und schüttelten „Tztztz“-machend den Kopf. Und dann war es irgendwann vorbei und meine Nerven auch und hier ist die Liste der Dinge, die wir kauften um weitere Tantrums auf jeden Fall zu verhindern:

  • Zwei trockene Brötchen
  • Eine extra Packung Apfelsaft
  • Cornflakes
  • Pappsüßen Kinderjoghurt (ok, den wollte Michel haben)
  • Fettarme Milch
  • Tomatensoße mit Basilikum von Barilla
  • Äpfel
  • Überraschungseier (wollte auch Michel haben)

Nur beim Eis an der Kasse blieb ich hart und es war mir dann auch echt egal, dass sie da wieder herumbrüllte, dann sollen die aufhören, ihre Quengelware in Hörweite der Kassierer*Innen aufzustellen, wenn die das zu sehr stört (mich hat das in meinen vielen, vielen Jahren an diversen Kassen übrigens nie gestört).

Ansonsten hab ich mich heute nur beim Anziehen und beim Zähne putzen durchgesetzt, alles andere habe ich einfach durchgehen lassen. Ich traue Ihnen genug Phantasie zu, um sich „alles andere“ realitätsnah auszumalen.

Dieses Kind schafft mich. Und dann ist die wieder so niedlich, dass ich sie fressen möchte. Wenn Sie ihren Bruder füttert zum Beispiel. Oder ihr Bärchen ins Bett bringt.

Tag 838 – Unglückliches Timing.

Weiterhin keine Resultate vom Massenspektrometer. „Die Proben laufen.“ Dafür Anfrage der Massenspektrometer-Frau: ob es denn schlimm wäre, wenn ich erst im Januar abgeben könnte. Daraufhin habe ich erst ihr und dann dem Chef sehr deutlich gesagt, dass ich das leider nicht aushalten kann, weil ich dabei bin davon krank zu werden. (Lustig, wie ich: „Ich drehe ab und mein Körper ist ein Wrack!“ ausdrücke, oder?)

Apropos krank: mein Körper hat ein neues Feature „Arme zittern“ entwickelt und ich sollte wohl wirklich dringend mal die Schilddrüsenhormone checken lassen, das halbe Jahr ist auch schon wieder rum. Des Weiteren scheine ich die hormonelle Verhütung nicht mehr zu vertragen, „nicht mehr“, weil ich die vor den Kindern ähhh ewig (6 Jahre? 8 Jahre? Irgendwie so.) benutzt habe und wenn das damals so gewesen wär wie jetzt, hätte Ich das niemals so lange gemacht. Die Details erspare ich Ihnen mal.

Heute war die Putzhilfe da, das hatte ich von Montag, als hier ja zwei Glühwürmchen auf dem Sofa vor sich hin vegetierten, auf heute verlegt. Das passt auch voll gut, dann ist es nicht so lange hin bis zum nächsten Mal: am 11. Dezember. Auch Putzhilfen haben Urlaub. Kinderfrauen übrigens auch. Passt halt grad ungefähr überhaupt nicht, wegen allem eh schon und dann ist heute auch Herr Rabe nach Deutschland geflogen, weil sein Vater morgen 80 wird.

Ja. Alles wie immer, alles… nicht so gut grad. Wenigstens Karri ist ab Dienstag wieder da.

(Falls Sie mal die Verlockung verspüren, zu promovieren: TUN SIES NICHT. So. Ich habe Sie gewarnt.)

Noch was gutes, irgendwie jedenfalls: Da mein Gehirn abends nach der seichtest möglichen Unterhaltung lechzte, schaute ich Schminkvideos und blieb bei Jeffree Star hängen. Muss man mögen, den Stil, ist halt alles wahnsinnig überdreht und überzeichnet und „more strobe bitches, helloo!!!“, aber ich mag das und hell yeah, der kann Make-Up. Und irgendwann wachte Michel auf und schaute ein bisschen zu und wenn es hier schon im echten Leben wenig queere Vielfalt gibt, kann er das wenigstens im Fernsehen mal sehen.

Tag 837 – Kaputte Tage.

Ich weiß echt nicht mehr, was ich sagen soll.

Den halben Tag bin ich zu nichts in der Lage, wirklich zu gar nichts, den anderen halben Tag versuche ich aufzuholen, was ich vertan hab.

Jetzt ist schon viertel vor eins, mein Körper streikt von Kopf bis Fuß, ich bin hundemüde, aber schlafen geht auch nicht.

Morgen: repeat.

Tag 836 – Pause. Vielleicht.

Hier sollte ein amüsanter Text über Kekse stehen, oder die norwegische Süßigkeitenversorgung, oder Hautcremes, oder sowas.

Aber jetzt liege ich hier mit höllischen Kopfschmerzen, nachdem ich (erfolglos) versucht habe, meinen CV umzugestalten, neben mir der immer noch kranke und wehleidige Michel. Morgen habe ich ein Meeting, weil mein Chef ganz elegant meinen Versuch, Arbeit an ihn abzutreten, abgebügelt hat mit den Worten „oh, Frau Rabe ist leider grad nicht da, vielleicht wäre es besser, wenn wir auf sie warten?“ und alle so yeah, außer mir. Ich komme hier zu Hause zu nix, es ist echt alles ziemlich kacke und „nebenher“ noch Bewerbungen schreiben setzt mich grad sehr unter Druck und – ich schaffe es nicht. Eine Firma werde ich morgen noch anrufen, und dann ist Pause bis nach der Abgabe. Ich kann mir grade auch die Frustration durch Absagen nicht mehr antun. Ich bin schon (viel zu) hart zu mir selbst, „du bist blöd“ von außen führt nur zu, tja, zu Heulerei und Ohnmacht und Lähmung. Für die Diss ist noch genug (hahaha, ich könnte auch zwei Monate mit Arbeit füllen) zu tun und da brauche ich grad alle eh schon knappen Ressourcen, vor allem nervlich.

Und morgen schreibe ich dann mittags. Bevor alles scheiße wird. Kann sich ja niemand mehr anhören hier.

Tag 832 – Macht nix.

Also ich. Ich habe heute nichts gemacht, außer rumgeheult. Die Situation ist einfach wirklich scheiße. Nach zwei Gläsern Rotwein kommt sie mir nicht mehr völlig unschaffbar vor, aber sie ist und bleibt scheiße und mir jetzt bis Weihnachten den Wein statt Kaffee morgens schon reinschrauben, um nicht einfach weinend im Bett zu bleiben, ist ja auch keine Lösung.

Was mich weiterhin daran aufregt: wieso hat es vier Wochen gedauert, meine Proben, auf deren Bearbeitung sowohl ich als auch der Chef gedrängt haben, überhaupt mal ins Gerät zu stellen? Wie kann sowas passieren? Ich habe der Core Facility mit meinen Proben über 200.000 NOK eingebracht, werde aber trotzdem behandelt wie der letzte Arsch und bekomme immer wieder gesagt, wie viel Arbeit das doch ist mit meinen Proben?!?

Ich hoffe, bis Montag früh ist die Traurigkeit, das Versagensgefühl (und Sie so: häh?!? Und ich so: ja natürlich, denn ich hätte es wissen/mehr drängeln/ den Chef mehr einspannen müssen) und die Hilflosigkeit etwas erträglicher geworden und die Wut noch da, dann werde ich direkt ein Gespräch mit dem Chef und den zwei Damen der Core Facility anleiern. Wir brauchen da ne Lösung, und zwar eine, die nicht darauf hinausläuft, dass ich diese wirklich essentiellen Ergebnisse erst zwei Tage vor Weihnachten kriege. Ich habe langsam genug Verständnis gehabt, für alles und jeden, ja, andere Leute haben auch wichtige Proben, ja, der Chef hat grad für keinen Geld und das ist ein echtes Problem, dass die Angestellte der Core Facility nicht vernünftig bezahlt, aber mit Arbeit zugeschmissen wird. Das sind aber alles ganz und gar nicht meine Probleme und meine Fresse – danach bin ich weg. Sie sind die unangenehme Nerv-Tante dann doch los.

Vielleicht halt auch schon früher, wenn das alles nichts wird. Dann hat der Chef halt ne Absolventin weniger. Was das finanziell für die Gruppe bedeuten würde (ne? 200.000 Kronen, plus vier Jahre mein Gehalt, plus alles was ich sonst so gekostet habe, das will ja keiner einfach aus dem Fenster werfen) muss ich dann eventuell noch mal klar stellen und auch, dass es mir durchaus ernst ist damit, alles hinzuwerfen. Ja, jetzt noch.

Ich hab jetzt echt genug geschafft. Das Gespräch noch, und dann ist auch gut mit „Frau Rabe beißt sich durch, während wir ihr fröhlich Knüppel zwischen die Beine werfen“.

Jetzt sind andere mal dran.

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Btw. hab ich gestern einen Fehler im Nature-Paper gefunden. Und der Kooperationspartner, den ich Mittwoch wegen der uns von ihm zur Verfügung gestellten Zellen kontaktiert habe, meldet sich auch nicht. Vielleicht werde ich auch einfach noch richtig, richtig unangenehm für alle. Grad wäre mir danach.

Tag 825 – Ufffffffffzzzzz.

Endlich Winterreifen am Auto. Das war eine ziemliche Odyssee.

Auch endlich den Assessment-Test gemacht. War… interessant. 9 von 12 Logikaufgaben waren super einfach, der Rest super hart und für mich in der Kürze der Zeit* unlösbar. Ist aber ok so, denke ich, mal im Ernst: eine Firma die mich wegen falsch zugeordneter Zahlen-Buchstaben-Blöcke nicht möchte, hat den Schuss nicht gehört und auch einfach Pech gehabt. Die anderen drei Tests – der Persönlichkeits-, der Arbeitseinstellungs- unsere E-Mail-Test waren soweit ok. Immerhin wissen die jetzt, was mir bei meiner Arbeit wichtig ist (Die Menschen und der Umgang untereinander) und was nicht so (Geld), dass ich meine Entscheidungen rational und gerne auf Basis von Zahlen treffe, dass ich in Wettbewerben zwar über mich hinauswachse und unbedingt gewinnen will, sie aber trotzdem (genau deshalb) nicht mag und vermeide und so weiter und so fort.

Und dann auch so ein endlich: Der eine Artikel ist jetzt draußen. Einen Veröffentlichten muss ich ja haben, um disputieren zu können. Und überhaupt sollte man ja öfter mal bei Nature lesen.

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* war schon vorher angekündigt, dass man vermutlich nicht alle schaffen würde und ganz konsequent habe ich nach maximal einer Minute auch die Fragen übersprungen, wenn ich sie bis dahin nicht gelöste hatte. Meist würde länger draufstarren ja eigentlich auch nichts bringen.