Tag 515 – Die lange Antwort. 

Heute auf Twitter pushte Dani einen Text wieder hoch, den sie schon im März letzten Jahres geschrieben hat. Am Ende des Textes stellt sie ein paar Fragen, die ich hier beantworten möchte. Auf Twitter mit 140 Zeichen diskutiert es sich schlecht, und man wird bei jedem dritten Tweet missverstanden. 

Dani bezieht sich in ihrem Artikel auf ein Interview mit Laurie Penny. Die wiederum ist linke Feministin und Kapitalismuskritikerin. In dem Interview sagt sie 

„Es ist eine Schande, dass Frauen sich immer noch zwischen Mutterschaft und allem anderen entscheiden müssen. […] Wir brauchen technische Alternativen zur Schwangerschaft. Warum gibt es noch keine? Die moderne Medizin kann Gliedmaßen wieder annähen und Gesichter transplantieren. […] Warum sollten Babys nicht im Labor entstehen? Wieso ist eine technische Alternative zum Mutterleib so undenkbar?“

Dani empört sich darüber, denn sie findet die Idee,

„ein Gerät zu haben, was das Baby dann austrägt, das ist einfach nur gruselig und es von einer Frau zu lesen, die ja für Frauen einsteht, das lässt den Feminismus für mich einfach nur ein Stück weit negativ aussehen.“

So. 

Am Ende von Danis Text stellt sie dann die Fragen, die ich gerne hier beantworten möchte. 

„Seid ihr Feministin? Sehe ich es grundsätzlich falsch oder was sagt ihr dazu? Findet ihr es nicht auch merkwürdig, dass eine Maschine ein Kind bekommen sollte?“

Liebe Dani,

Ja, ich bin Feministin. Genau genommen möchte ich mich lieber als Anti-Sexistin bezeichnen, weil ‚Feministin‘ so klingt, als sei man der Meinung, Frauen seien die besseren Menschen. Ich bin dagegen der Meinung, dass es viel Sexismus gibt, unter dem die meisten Menschen leiden. Männer wie Frauen. Festgefahrene Rollenbilder zum Beispiel schaden beiden Geschlechtern: den Frauen, denen die Mutterschaft allerorten als allein selig-machend und erfüllend verkauft wird, bei gleichzeitig extrem hoher Erwartungshaltung an die ‚Performance‘ als Mutter, Frau und natürlich weiterhin (also nach spätestens 1-3 Jahren, wo kämen wir denn sonst hin?) Arbeitnehmerin, so wie den Männern, die gefälligst Versorger zu sein haben, die sich kümmern sollen aber bitte ohne Weicheier zu sein. Finde ich alles blöd. Deshalb Anti-Sexistin. 

Die Frage, ob du es grundsätzlich falsch siehst, ist etwas schwerer zu beantworten. Ich versuche mal den Rest deines Textes zusammenzufassen, bitte korrigiere mich, wenn ich was falsch verstanden habe. 

  • Die Idee einer künstlichen Gebärmutter ist Frauen- und insbesondere Mütterfeindlich. 
  • Feministinnen wie Laurie Penny meinen, alle Frauen müssen Karriere machen (wollen).
  • Frauenquote ist unnötig, weil nach beruflicher Leistung entschieden werden sollte und nicht nach Geschlecht,
  • außerdem würden so Frauen gezwungen, Führungspositionen einzunehmen, die diese nicht wollen.
  • Elternschaft insgesamt wird zu wenig gefördert und ist zu oft ein Armutsrisiko. 

Zu allererst: den letzten Punkt unterschreibe ich zu 100%. 

Den Rest sehe ich etwas kritischer. Insgesamt kann ich dich verstehen und offen gesagt dachte ich auch lange so. Dann beschäftigte ich mich etwas eingehender mit Feminismus. Also wirklich nur etwas, andere Menschen studieren sowas, ich hab nur ein paar „Pop-Feministische“ Bücher gelesen und verfolge ein paar Blogs. Und ja, ich schaffe mir natürlich eine Filterbubble, ich lese zum Beispiel nicht die Emma und die „Verbrennt-eure-BHs“-Generation der Feministinnen ist jetzt auch nicht so ganz meins, deshalb kann es natürlich sein, dass ich mir meinen Feminismus ganz weltfremd zusammendefiniere. Aber innerhalb meiner rosigen (eher lilanen) kleinen Filterblase finden sich viele Gleichberechtigungs-orientierte Feminist*innen, die ganz und gar nicht der Meinung sind, dass alle Frauen Karriere machen wollen sollen. Aber, und das ist der große Unterschied, die Frauen, die Karriere machen wollen, die sollen das auch können. Und da ist noch einiges im Argen. Stichwort Gender Pay Gap. Keine mir bekannte Feministin will Frauen in Vorstände zwingen. Aber Frauen sollen die Möglichkeit haben, in Vorstände zu gelangen, was momentan dadurch verhindert wird, dass Frauen (a) weniger Führungsfähigkeit zugetraut wird, dass (b) vorwiegend Männer in den Vorständen sitzen, die ihresgleichen als Geschäftspartner bevorzugen und dass (c) schon in den Stufen davor weniger Frauen ankommen, weil sie Familie haben und sich eben nach wie vor zwischen Kind(ern) und Karriere entscheiden müssen. An diesen Punkten kann eine Quote helfen, damit Frauen erstmal „normaler“ in Vorständen sind. Sobald sich das etabliert hat und Frauen in Vorständen eben zum normalen Bild gehören, brauchen wir hoffentlich keine Quote mehr.

Abgesehen davon gibt es ja auch noch den Gender Care Gap, der daraus resultiert, dass in unserer Gesellschaft Frauen als „von Natur aus fürsorglicher“ angesehen werden. Das wird schon kleinsten Mädchen suggeriert, indem sie als „Puppenmamis“ bezeichnet werden, während „richtige Jungs“ zum wilden Spielen ermutigt werden. Ich kann dir (nicht nur dir. Alle Menschen, die mit Kindern zu tun haben, sollten das meiner Meinung nach lesen) dazu das Buch „Die Rosa-Hellblau-Falle“ von Almut Schnerring und Sascha Verlan empfehlen, da wird sehr ausführlich und gut belegt erklärt, wieso das mit der Natur Blödsinn ist und wieso wir das gesellschaftliche Konstrukt von Geschlechterrollen oftmals unbewusst weiter befeuern. Und vor allem: wie uns diese engen Grenzen letztlich alle einschränken. Ich zitiere einfach noch mal Laurie Penny aus dem Interview

„Viele denken, das ultimative Ziel des Feminismus ist, dass Frauen und Männer gleich viel Geld verdienen. Doch darum geht es nicht. Das Einzige, was damit erreicht wird, ist, dass Frauen genau wie Männer kapitalistisch ausgebeutet werden und zusätzlich noch die ganze Fürsorgearbeit erledigen.“

Und auch folgendes Zitat finde ich ganz wichtig, denn es zeigt, dass Laurie Penny eben nichts gegen Mutterschaft und Mütter an sich hat, sondern dagegen, dass dies unter dem Deckmäntelchen der „Natürlichkeit“ vom Patriarchat ökonomisch ausgenutzt wird:

„Es [Kinder gebären können] ist sogar eine weibliche Superkraft! […] Schwangerschaft und Mutterschaft als Arbeit zu definieren und auch so zu bezahlen, wäre eigentlich das Mindeste.“

Also insgesamt muss ich leider sagen: ja, ich glaube, du hast Laurie Penny falsch verstanden, wenn du meinst, sie würde das Kinder kriegen und aufziehen komplett an Maschinen outsourcen wollen, zugunsten der Karrieren der Mütter und dem allgemeinen Konsumverhalten. Gerade mit dem Punkt 

„Weiterhin wäre Sie [die Frau, die ein Kind per künstlicher Gebärmutter bekommt] auch eine Vollverdienerin, die mehr konsumieren kann.“

tust du ihr, so wie ich das aus dem Interview herauslese, unrecht. 

Und damit sind wir bei der dritten Frage. Nein, ich finde die Idee einer künstlichen Gebärmutter nicht besonders komisch. Ich gehe da mit Laurie Penny d’accord, die sagt 

„Die moderne Medizin kann Gliedmaßen wieder annähen und Gesichter transplantieren. […] Ich verstehe überhaupt nicht, was an dieser Idee verrückter ist als an der Idee, einen Arm, ein Herz oder ein Gesicht zu transplantieren.“

Vielleicht sollte ich hinzu fügen, dass ich mit meinem Naturwissenschaftlichen Hintergrund die Idee einer künstlichen Gebärmutter für in den nächsten, sagen wir mal, 25 Jahren, nicht umsetzbar halte. Es ist also ein reines Gedankenspiel für mich, aber ein interessantes. Denn, wie ja oben auch im allerersten Zitat steht und dein Artikel ja auch gezeigt hat: das Thema ist „undenkbar“, es erhitzt die Gemüter ungemein. Ich frage mich ( wie auch Laurie Penny): warum? Für mich hätte die Möglichkeit, ein Kind in einem Tank statt in einem Menschen wachsen zu lassen erstmal viele Vorteile: 

  • manche Menschen haben keinen Uterus und möchten trotzdem Kinder bekommen. Die könnten dann welche bekommen. 
  • Manche Menschen haben aus anderen Gründen körperliche Probleme, Kinder auszutragen. Die könnten dann welche bekommen. 
  • Für manche Menschen wäre eine Schwangerschaft lebensgefährlich. Die könnten dann trotzdem welche bekommen. 
  • Für manche Menschen wäre eine Schwangerschaft und/oder Geburt aus anderen Gründen undenkbar. Die könnten dann auch trotzdem Babys bekommen. 

Dann stellen sich mir noch zwei Fragen, nämlich 

  • Wo ist der Unterschied zur Adoption?
  • Wo ist der Unterschied zur Leihmutterschaft?

denn auch in diesen Fällen gibt es keine pränatale Bindung des Kindes zu den späteren Hauptbezugspersonen. Im Gegenteil: wenn man davon ausgeht, dass die Bindung des Babys an die austragende Mutter so ausgeprägt und wichtig ist, wäre es doch für das Baby vielleicht sogar schöner, gar keine Bindung zu haben, als direkt nach der Geburt die erste herbe Verlusterfahrung machen zu müssen?

Und auch hier würde ich mal ganz stark davon ausgehen, dass niemand zu irgendwas gezwungen wird. Wer weiter Babys in seinem Körper wachsen lassen kann und will, wird allerhöchstwahrscheinlich die Möglichkeit dazu haben. Aber für die anderen: warum nicht? Weil jemand anderes es gruselig findet? Weil es „nicht natürlich“ ist? Das sind Herzschrittmacher auch nicht. Oder Insulinpumpen. 

Und um das Ganze abzuschließen: anhand eines Gedankenspiels einer Feministin (oder jetzt zweien) den ganzen Feminismus „ein Stück weit negativ“ zu sehen, finde ich schade. Für den Feminismus, der noch so viele bunte und wichtige Aspekte zu bieten hat und sie dir bestimmt gerne zeigen würde.

Liebe Grüße –

R. 

Tag 472 – Was ich alles kann!

Heute wurde mir wieder was angespült, über das ich mich aufgeregt habe. Es ging so in die Richtung „Der Feminismus™ verbietet den Frauen das Aufgehen im Mutter-Sein!“. Mich ärgert das nicht zum ersten Mal. Ich finde nämlich, das ist eins der größten  Missverständnisse über den Feminismus überhaupt. Ein paar Beispiele:

  • Ich kann Feministin sein und heterosexuell.  
  • Ich kann Feministin sein, obwohl mir Pornos total wurscht sind. 
  • Ich kann Feministin sein und ein bisschen prüde. 
  • Ich kann Feministin sein und anerkennen, dass das Patriarchat auch für Männer nicht nur Vorteile hat. 
  • Ich kann Feministin sein und Nagellack und Schminke und High Heels mögen. 
  • Ich kann Feministin sein und Kleider mögen.
  • Ich kann Feministin sein und gerne kochen und backen. 
  • Ich kann Feministin sein und Freude am Selbermachen von Dingen haben. 
  • Ich kann Feministin sein und gerne Nähen. 
  • Ich kann Feministin sein und nicht ganz so gerne Stricken. 
  • Ich kann Feministin sein und Ballett mögen. 
  • Ich kann sogar Feministin sein und meine Kinder vielleicht später mal zum Ballett gehen lassen, wenn sie wollen. Ja, auch das Mädchen. 
  • Und vor allem! kann ich Feministin sein und gerne Mutter. 

Meine Art von Feminismus ist ein offener. Einer, der sich am liebsten schnellstmöglich selbst unnötig machen möchte. Der trotzdem noch nötig ist, solange Mädchen glauben, sie könnten kein Mathe weil halt. Solange ehemals gleichberechtigte Beziehungen weiterhin und ungewollt in Abhängigkeiten und veraltete Rollenmuster kippen, sobald Kinder geboren werden. Solange nicht jede Form der Partnerschaft und der Familie gleichwertig ist. Solange wilde Kinder in „Jungs sind halt so“ und „wer soll die denn mal heiraten?“ unterteilt werden und ruhige Kinder in „Puppenmami“ und „tobt der sich denn nie aus?“. Solange Männer jünger sterben als Frauen und viel häufiger Suizid begehen. Solange vermeintliche Verweiblichung Männer in ihrem Ansehen herabsetzt. Solange Trans-Frauen im Ansehen absteigen, wenn sie als Frau zu leben beginnen, während Trans-Männer im Ansehen aufsteigen.

Mein Feminismus hört aber da auf, wo anderen vorgeschrieben wird, wie sie zu sein haben. DU MUSST VOLLZEIT ARBEITEN! Nein. Ich möchte, dass jede*R die Wahl hat, zu arbeiten, dass die Jobvergabe und die Bezahlung nicht am Geschlecht oder dem Familienstand hängt. DU MUSST SOUNDSOLANGE ZU HAUSE BLEIBEN, WENN DU KINDER HAST. Nein. Ich möchte, dass jede*R die Wahl hat, seine Kinder zu Hause zu betreuen. Eine wirklich freie Wahl, getroffen ohne Rollenerwartungen und „Mein Mann würde ja gerne, aber bei IHM geht das WIRKLICH nicht.“ DU MUSST KARRIERE MACHEN WOLLEN! Nein. Ich möchte, dass jeder mit einer zeitlich ausfüllenden Tätigkeit gut über die Runden kommt, auch ohne Ellenbogenmentalität und dem ständigen Blick nach oben zum Mehr und Besser und Größer. Und auch ohne mit den Jahren immer besorgter aufs Rentenkonto schielen zu müssen, wie viele Frauen, die unbezahlte Care-Arbeit (aka. Kinderbetreuung zu Hause) verrichten. DU DARFST DICH IN DEINEM KÖRPER NICHT UNWOHL FÜHLEN! Nein. Aber es soll keinem Menschen vorgeschrieben werden, wie er oder sie sich bei Körperform X oder Aussehen Z zu fühlen hat. 

Sehen Sie, ich bin absolut nicht der Meinung, dass Frauen die besseren Menschen sind. Oder Männer. Ich finde Sexismus gegenüber Männern (zum Beispiel Männergrippewitze oder so ‚Männer denken nur mit dem Pimmel‘-Anspielungen oder – noch schlimmer – die weit verbreitete Annahme, Männer hätten sich einfach nicht unter Kontrolle und deshalb könne Ihnen der Anblick von  weiblicher Haut/ bestimmter Kleidung/ Haaren nicht zugemutet werden) genauso schlimm, wie gegenüber Frauen. Nach ein paar Jahrtausenden Patriarchat braucht es meiner Meinung nach aber einen starken Gegenpol und da reicht bloßer Anti-Sexismus nicht. Deshalb bezeichne ich mich weiter als Feministin. Und verbiete keinem Menschen was. Whatever floats your boat. 

(Nur wenn du dich sexistisch äußerst, dann fliegst du halt aus meiner Filterbubble.)

Tag 404 – Wie ich mal versehentlich ne Welle machte. 

Eigentlich schuld an allem. (Es geht ihr übrigens ganz ok, kein Fieber, hat zusammen mit ihrem Bruder uns die Haare vom Kopf gefressen und weder viel geschlafen (leider) noch weniger gespielt.)


Pippi hatte nach einer überaus anstrengenden Nacht heute morgen 37,4 Grad Temperatur. Das ist kein Fieber, aber mit der Fiebermesspolitik* des Kindergartens hätten wir sie nach spätestens ner Stunde eh wieder abholen müssen. Also disponierten wir kurzfristig um und ich schleppte Pippi mit zur Arbeit, ich musste eh nur kurz Labordinge machen und sonst am Computer sitzen, das muss dann eben mal mit Kind gehen. Naja, es ging so halb, Pippi wollte dann auf der Tastatur rumkloppen, also kam ich doch zu nix. Dann wurde sie irgendwann müde und ich schob sie herum, zweimal im Kreis durch die Uniklinik, in der die Gebäude untereinander mit Brücken verbunden sind. Nach zwei mal schlief sie endlich, aber da war ich schon zweimal am Schrein vorbei gekommen. Der Schrein, das ist eine Vitrine zu den Nobelpreisträgern May-Britt und Edvard Moser (und John O’Keefe, der ist aber kein Norweger und wird deshalb konsequent ignoriert nur am Rande erwähnt). In der Vitrine ist ein großes Bild des Paares, eine kurze (wirklich sehr stark runtergebrochene) Erklärung des Themas, Kopien (nehm ich mal an) der Nobelurkunden, drei kleine Bilder aus dem Laboralltag (gaaaar nicht gestellt, wie so Fotos eben sind) und: das Kleid, das May-Britt Moser bei der Preisverleihung trug. Es ist ein meiner Meinung nach sehr schönes Kleid, und mein Nerd-Herz hüpft ein bisschen ob der Aufgestickten Nervenzellen, die die Zellen, die sie und ihr Mann (und O’Keefe) entdeckt haben, darstellen sollen. Ich bin schon oft an dem Schrein vorbei gelaufen, aber heute fiel mir zum ersten Mal auf, dass das Kleid ziemlich raumfüllend da steht, dass es doch eigentlich kaum was mit ihrer Forschung zu tun hat und dass ich mir wünschen würde, dass in so einer Vitrine nicht als Hauptsache „The Dress“ steht sondern etwas mehr zu der Forschung, vielleicht ein kleines Video**, ein Bild von der Verleihung mit Erklärung, dass es eben diese Nervenzellen sind. Denn, kommt man ohne Ahnung da hin, sieht man: Aha, Nobelpreis, irgendwas mit Ratten (iiihhhh!) und ein Abendkleid. Nun ja, ich verpackte mein diffus ungutes Gefühl in semilustige hundertvierzig Zeichen und twitterte:

Ich Idiot. 

Seitdem verbringe ich den Tag damit, mich zu erklären, das mit den Zellen erklärt zu bekommen (ca. tausend mal), mit Leuten mehr oder weniger fruchtbare Diskussionen zu führen, mit Alice Schwarzer verglichen zu werden, meinen ersten Troll kennenzulernen, mich als doof bezeichnen zu lassen***, kurz: es ist etwas anstrengend grad. 

Merke: nix mehr von Bedeutung twittern. Oder dickes Fell wachsen lassen. 

*wenns Kind schreit, am besten nach 10 Minuten Gebrüll, messen. Dann Eltern anrufen, weil 38,1. Meh. 

**Erklärung zum Video: die Ratte hat eine Elektrode im Gehirn, die (in einem örtlich stark abgegrenzten Bereich im enthorinalen Cortex) genau messen kann, welche Zellen gerade „feuern“. Das feuern wird durch die weißen Punkte angezeigt. Je nach Aufenthaltsort feuert immer nur eine einzige Zelle und das Muster der Zellen entspricht einer Karte der Umgebung. This is fuckin‘ awesome!

***weil ich ja nicht weiß, ob sie das nicht vielleicht selbst so wollte. Als wäre es nicht total egal, wer da findet, ein Kleid sei eine angemessene Darstellung für Wissenschaft. 

Tag 158 – Achtung, es geht um Beinbehaarung bei Frauen!

Ich hab mir mal einen Sommer lang nicht die Beine rasiert. Aus mehreren Gründen.
Erstens wollte ich wissen, wieviel Behaarung denn da überhaupt wächst, wenn ich sie lasse, schließlich enthaarte ich meine Beine seit meinem 12. Lebensjahr.
(Kurzer, aber lustiger Exkurs: als ich mir die Beine das erste Mal rasierte, kurz vorm Schwimmbadbesuch und ohne meine Mutter, die da eh Kind der 60er ist, zu Rate zu ziehen, wusste ich nicht, dass Feuchtigkeit ein essentieller Faktor dabei ist. Ich rasierte also trocken mit dem stumpfen Nassrasierer (jaja, wieso heißt das wohl so, hmmmm?) meiner Mutter. Im Schwimmbad sah ich dann aus als wäre ich durch Ameisenhaufen dorthin gewatet. Meine damals beste Freundin sagte auch sofort als ich aus der Dusche kam: „OH GOTT, HAST DU ETWA KEINEN SCHAUM GENOMMEN???“. Ich horchte sie daraufhin vorsichtig über die richtige Technik aus. Sonst wäre es wohl bei dem einen Versuch geblieben.)
Zweitens hatte ich die (zwei? drei?) Jahre davor ausschließlich epiliert, in der Hoffnung, die Behaarung würde weniger borstig-pieksig und insgesamt weniger werden. (Spoiler: Nö. Weniger borstig-pieksig wird’s wenn die Haare länger werden. Und weniger… naja. Siehe unten.) Ich hoffte also auf mäßige Befolgung, ich bin ja auch blond, so sehr sollte das also nicht auffallen.
Drittens stellte ich irgendwann beim Epilieren fest, dass ich alle 2-3 Wochen 30-40 Minuten damit beschäftigt war, mir Haare auszureißen, also ziemlich viel Zeit darauf verwendete, mir Schmerzen zuzufügen (Ja, man gewöhnt sich dran. Nein, es tut nicht irgendwann gar nicht mehr weh. Hallo, Ameisenhaufen.).
Und viertens ist ja aus einer feministischen Perspektive dieses ganze Entfernen von bei erwachsenen Frauen völlig natürlicher Behaarung  auch totaler Schwachsinn und eine neumodische Erscheinung sowieso und wann hat sich eigentlich das letzte Mal ein Mann für mich die Beine rasiert??? (2004, und ich fands furchtbar, der Mann piekste und kratzte von Brust bis Wade).
Also probierte ich es einfach aus. Und hatte bald recht flauschige Beine. Blonde Behaarung sieht man vielleicht nicht so wie braune, aber dafür werden meine Beinhaare echt lang und locken sich auch irgendwann, kurz gesagt, ich sah bis zur Mitte des Oberschenkels exakt so aus wie mein Bruder. Ich erwischte mich manchmal dabei, wie ich versonnen meine Schienenbeine kraulte, weil sich das so witzig anfühlte. Am wenigsten störten mich unerwarteter Weise die Blicke der Anderen. Feministisches Statement und so. Die Argumente hatte ich parat, nur leider sprach mich nie (!) jemand direkt darauf an. Also dachte ich mir, soll se doch gucken, mir Wurscht. Aber mich störte es irgendwann dann doch. Mich störte, dass die Haare sich unter Strumpfhosen komisch abzeichnen oder durch den Stoff nach draußen pieken. Mich störte, dass mich die Haare bei bestimmten Hosen oder Socken kitzelten. Ich hatte Angst, dass mich der Ballettlehrer zum Korrigieren anfassen und flauschiges Bein merken würde. Und als dann ein Termin im Spa anstand entschloss ich mich, das Experiment abzubrechen. Für mich.
Ein bisschen überlegte ich dann, wie ich das machen sollte. Beim nass Rasieren (mit Schaum) hab ich mir mal eine 5 cm lange Narbe am Schienenbein zugefügt, die sieht man immer noch (Stichwort Sparschäler). Außerdem sind die Klingen teuer und ungerechtfertigter Weise auch für Frauen nur wegen irgend welchem unnötigen Aloe-Vera-Gedön und Goldbeschichtung und trallala nochmal viel teurer als für Männer mit ihrem genauso unnötigen Lithium-High-Tech-Ultra-Sound-Quatsch. Vom Epilieren hatte ich aber immer erstmal einen Tag rote Punkte (der Spa-Termin war am nächsten Tag) und dann später dauernd eingewachsene Härchen, das war also auch nicht soooo der Knüller. Zudem immer einige Härchen stehen blieben, die mich fortan bis zur nächsten Epiliertour wahnsinnig machten.
Schlussendlich entschied ich mich für den Kompromiss nämlich trocken rasieren mit der Rasierfunktion des Epilierers. Und es war super. Super glatt, kein Haar übrig gelassen, wesentlich schneller und vor allem schmerzloser gemacht als Epilieren, keine Hautreaktionen, schneiden kann man sich auch nicht dabei. Ein Träumchen.
Leider geht der Rasierer seit Kurzem nicht mehr. Hat wohl den Heimaturlaub nicht vertragen. Jedenfalls wollte ich heute meine Beine rasieren und es passierte ungefähr nix. Und da stand ich wieder, die feministisches Statement-Überlegung ist immer noch da, es ist weiterhin eigentlich Quatsch und zeugt nur von bekloppter „Hygiene“-Sozialisation (als wären Haare an den Beinen unhygienisch) und „Du musst immer alle sexuell zumindest nicht abstoßen“-Denke aka schlechtem Selbstwertgefühl. Plus ein bisschen An-den-Beinen-kitzeln.
Jedenfalls hab ich gleich heute einen neuen Rasierer gekauft.

Tag 101 – Wieder da

Das Baby und ich sind wieder zu Hause. Der Rückflug war wesentlich entspannter, kein Wind aus Südwest oder sonst einer Richtung. Das Baby hatte wohl etwas Druck auf den Ohren, war dann aber an der Brust recht zufrieden. Mit dem Zug heim, kurz den Koffer reingeschmissen und die Schuhe gewechselt. Eigentlich muss ich nämlich wegen Spreiz-Senkfuß Einlagen tragen und nach fast vier Tagen mit sehr viel Rumgelaufe taten mir ordentlich die Füße weh.

Dann sind das Baby und ich direkt wieder los und haben das Kind vom Kindergarten abgeholt. Das Kind war schwer begeistert, dass ich wieder da bin und zeigte es indem es sich komplett selber und unaufgefordert seine Schuhe anzog (ohne Ziegenfüße!!!) und dann sehr sehr schnell auf seinem Kickboard nach Hause fuhr. Und jedes Mal sofort anhielt, wenn ich rief, es solle warten. Und überhaupt das allerbeste Vorzeigekind der Welt war. Natürlich musste ich es dann auch ins Bett bringen und so. Leider fand das Baby das überhaupt nicht gut, dass es beim Papa sein sollte und nicht wie die letzten 84 Stunden konstant bei der Mama. Und damit sind wir auch schon bei dem was heute echt scheiße war: Das Baby brüllte total krass herum; obwohl Herr Rabe es in die Trage geschnallt herumtrug beruhigte es sich mal so gar nicht sondern wurde immer hysterischer. Und das kann ich wiederum überhaupt nicht ab, ich ertrage das nicht, wenn das Baby weint, das tut mir körperlich weh, das anhören zu müssen. Gleichzeitig will ich auf gar keinen Fall diese Mamafixiertheit zementieren oder gar Herrn Rabe Vorwürfe machen, er mache das falsch, das müsse soundso und hallo, Maternal Gatekeeping. Herr Rabe machte ja auch nichts falsch, außer, dass er nicht ich ist. Aber was macht man denn da? Ich bin fest überzeugt, dass Papas genauso gut trösten können wie Mamas, und dass auch die Nummer zwei vom Kind liebgehabt wird. Und ich finde es furchtbar für Herrn Rabe, dass das Baby den Papa grade so ablehnt. Ich finde mich furchtbar, wenn ich Herrn Rabe das Baby dann abnehme, damit es ruhig ist und mein Herz nicht mehr so bluten muss und ich damit aber dem großen Kind seine exklusive Mama-bringt-mich-ins-Bett-Zeit nehme. Das ist alles total scheiße und ich weiß nicht, was tun. Irgendwelche Tipps irgendwer?

Tag 88 – Pupsgesicht

Wie ich einmal versuchte, Holz zu kaufen.

Heute war ich ja für die Abholung des Feuerholzes am Gefängnis verabredet. Die Abholung war nur zwischen 08:30 Uhr und 14:30 Uhr möglich, da Herr Rabe von 07:30 Uhr bis 15:30 Uhr arbeitet, musste ich das also machen. Ist ja auch gar kein Problem. Eigentlich.
Erstmal musste ich den Kindersitz des Kindes aus dem Auto ausbauen. (Daran ist Herr Rabe beim letzten Mal gescheitert. Zugegebener Maßen musste ich aber auch vor dem ersten Einbau ein YouTube-Video ansehen, weil ich die Bedienungsanleitung für den Kindersitz nicht fand. Als erstes wurde im Video erklärt, wo die Bedienungsanleitung ist.) Der Einbau und auch Ausbau ist total einfach – wenn man weiß wies geht. Und der Kindersitz wiegt ungefähr eine Tonne. Das heißt das schlimmste am Kindersitz ausbauen war dann das Schleppen in den Hausflur. Dann legte ich den breiteren Teil der Rückbank um, fuhr mit dem Baby und dem vorbereiteten Auto zum Muttisport, sportete herum und fuhr direkt danach zum Gefängnis. Schrieb eine SMS, dass ich jetzt da sei und bekam etwas später eine Antwort: Fahr rein.
Huuuuhhhh, aufregend, ins Gefängnis fahren. Ist ja Blödsinn eigentlich, aber genauso wie Polizisten aller Art flößen mir Gefängnisse einen Heidenrespekt ein. Und auch Gefängnisangestellte. So wie der M., mein Holzkaufkontakt. Er erklärte mir kurz, wo ich hinfahren soll, einmal ums Gebäude rum und dann da hinten ist das Holz. Da fuhr ich hin. Er ging das Stückchen zu Fuß. Ich stieg aus, er rief ich solle noch näher an die Stapel ranfahren. Der Abstand Auto – Holz betrug zu diesem Zeitpunkt ca. fünf Meter, ich hätte mir durchaus zugetraut, das Holz diese fünf Meter zu tragen, aber nun gut, der macht das ja häufiger und will wahrscheinlich seinen eigenen Rücken schonen, dachte ich mir. Bestellt hatte ich zehn Säcke á 60 L. Der M. warf einen Blick in das Auto, auf das (schlafende) Baby, in das Auto. Fragte mich, wo ich denn das Baby lassen wolle. „Das Arme!“. Ich sagte, wir könnten ja sehen, wie viel wir reinbekommen ins Auto, im Zweifel müsse das Baby halt mal auf den Beifahrersitz für die zehn Minuten Autofahrt, in Norwegen, durch Wohngebiete. Ob ich denn den Airbag ausstellen könne. Ich (zu ehrlich für mein eigenes Wohl) verneinte. „Oh.“, meinte M., „Das Arme! Wir werden mal sehen, packen sie das Baby mal auf die andere Seite, klappen sie das mal hoch und diese Seite hier runter. Aber viel kriegen wir da nicht rein, das seh ich so schon.“ Ich so: sagte nix. Baute das (schlafende) Baby aus, klappte die breite Seite wieder hoch und die schmale runter, baute das (schlafende) Baby auf der breiten Seite der Rückbank wieder ein. M. warf noch ein paar weitere Blicke auf das (schlafende!!!) Baby und sagte jedes Mal „Das Arme!“. Dabei packte er mir drei Säcke ins Auto. Als ich mit der Babyumpflanzerei fertig war, „Das Arme!“, schnappte ich mir auch eine Sack und stopfte ihn hinter den Beifahrersitz in den Fußraum. „Kommt das Baby jetzt doch nach vorne? Dann kann ich Sie nämlich nicht fahren lassen! Das ist ja sehr gefährlich! Das verantworte ich nicht!“ Ich so: „Nein. Aber hier passt ja locker noch was hin, auch wenn da das Baby ist.“
Was ich hätte sagen sollen wäre sicher eher was in die Richtung gewesen, dass das ja wohl nicht sein Problem ist, dass ich zu schätzen weiß, dass ihm seine Mitmenschen nicht egal sind, mir das aber im Vorfeld bereits reiflich überlegt hätte und das Risiko als extrem gering einschätze, dass uns ein Unfall, der für das Baby auf dem Beifahrersitz fatal wäre, passieren könnte. Aber ich sagte nichts. Ich sagte auch nicht, dass ich nicht verstände, weshalb das Baby auf dem breiten Bankteil fahren soll, wenns doch auch locker auf den schmalen passt und dann mehr Platz ist. Ich sagte auch nicht, dass sowohl hinter dem Fahrersitz, als auch auf dem Beifahrersitz (da muss man so nen Sack natürlich anschnallen und der Sitz wäre hinterher dreckig, aber möglich ist es!) noch Platz für jeweils einen Sack war. Der M. packte mir also noch zwei Säcke drauf und meinte dann: „So, mehr geht jetzt aber wirklich nicht mehr rein. Ich will Ihnen das Auto auch nicht so voll machen, mit dem Baby, dem Armen! Wissen Sie was, ich fahre den Rest auf den Parkplatz draußen. Sie haben ja sicher einen Mann, dann schicken Sie den nochmal her für den Rest. Ohne Baby.“
Spätestens an dieser Stelle hätte ich dem M. mal ein paar Takte zu seiner sexistischen Kackscheiße, die er da grade von sich gab, sagen sollen. Und ihm mal sagen sollen, dass mich das sehr stört, dass er die ganze Zeit „Das Arme!“ zu meinem friedlich schlafenden Baby sagt. Dass ich mich bevormundet und herabgesetzt fühlte durch sein Verhalten.
Leider war ich inzwischen so aufgebracht, dass ich höchstens ein wütendes „Du bist ein blödes Pupsgesicht!!!“ mitsamt Wuttränen herausgebracht hätte. (Da muss ich noch an mir arbeiten.) Also sagte ich: ok. Und fuhr mit meinem halbleeren Auto nach Hause. Ich war so wütend, dass ich einen riiieeesigen Umweg fuhr, aber als ich zu Hause war, hatte ich mich halbwegs abgeregt. Immerhin. Und das Baby schlief noch immer.

2015-11-06 12.17.08

Mehr darf ich als Frau nicht in meinem Auto transportieren. Wegen dem Baby. Dem Armen.

Ich schaffte es sogar noch, die sechs Säcke Holz aus dem Auto in den Hausflur zu bringen, bevor das Baby aufwachte. Eineinhalb Stunden, einmal Stillen, zweimal wickeln und einmal Tran ins Baby füllen später brachen wir dann wieder auf, den Rest vom Holz holen. Über seine Anordnung, meinen sicher vorhandenen Mann zu schicken, habe ich mich elegant hinweggesetzt. Die restlichen Säcke waren dann auch fix im (wieder halb leeren) Auto verstaut und zu Hause wieder ausgeladen.
Immerhin hat sich der M. bei den Säcken verzählt und jetzt haben wir elf Säcke zum Preis von zehn plus ein paar meiner Nerven.

Und was war das Schlimmste an der Geschichte? In einem der Säcke saß ne fette Spinne. Und jetzt werde ich die nächsten Wochen immer wenn ich mit meinem Auto fahre (in dem ja Spinnenverseuchtes Feuerholz war) Phantomkrabbeln im Nacken spüren.

Danke, M. Du Pupsgesicht.

Tag 82

Es ist mir wirklich ein Rätsel, wieso es in diesem Land, in dem Gleichberechtigung  in CapsLock geschrieben wird, keine kaum nicht-gegenderte Kinderkleidung gibt. Seit Tagen versuche ich für das Baby eine dicke Wolljacke zu bekommen, weil die Arme halt im Kinderwagen immer aus der Decke rausgewurschtelt werden bzw. in der Trage von oben der Nacken total kalt wird. Und im MaxiCosi sowieso, aber da kann man ja auch nen kompletten Anzug anziehen, das fänd ich in der Trage oder unter der fetten Daunendecke nen bisschen drüber. Aber wie dem auch sei, es gibt hier alles in drei Ausführungen:
– rosa
– blau
– extremst teuer
Ich will doch einfach nur ne Babyjacke haben!!! In gelb oder grün wäre schön, es ginge auch wollweiß, oder grau oder wenns unbedingt sein muss in dunkelblau, aber halt nicht in fucking rosa! Und da ich auch leider immer noch nicht im Lotto gewonnen hab, sind 520 NOK (55 €) einfach mal jenseits aller realistischen Budgets für Babykleidung. Heute wollte ich gerne die gesamte Babykleidungsabteilung des drölfzigsten Geschäfts, in dem ich nach einer Jacke suchte, einfach kommentarlos anzünden, weil WIRKLICH ALLES DA ROSA ODER BLAU WAR! ALLES!!!

Hrmpf.
Muss ich wohl selber nähen.
Hab ich keine Zeit für.
Hrmpfmpfmpf.

Tag 78 – Budussy

Ich bin furchtbar müde, dabei hab ich den ganzen Tag nix gemacht. Also fast nix. Das liegt am Baby: Es hat sich gestern das erste mal herumgedreht (Ja! Es hat es endlich geschafft! „Endlich“ – mit 3 Monaten und 5 Tagen. Ich bin ganz stolz und gerührt und auch ein bisschen wehmütig.) aber den Rest des Tages war es davon so überwältigt, dass es super viel geschlafen hat. Heute morgen hat es dann wieder schwerst gearbeitet an der Drehung, gestern hatte es nur eine Plastikwindel an und heute mit Stoffwindel waren natürlich erschwerte Bedingungen gegeben. Ich hab dem Baby dann geholfen und es auf den Bauch gedreht, aber damit ist es jetzt nicht mehr zufrieden, jetzt soll es gefälligst sofort auch vorwärts gehen.
Kurzer Exkurs in die Babyzeit des Kindes: Als das Kind sich damals (mit viereinhalb Monaten, ich hab das extra nachgeguckt gestern) auf den Bauch drehen konnte, war es damit erstmal eine Weile zufrieden. Also so in etwa einen Monat konnte man es gut mit irgendeinem rasselnden/knisternden/klingelnden Dings beschäftigen, das man ihm in Bauchlage in die Hand drückte. Erst dann fing es an, ihm langsam langweilig zu werden und es fing an zu robben, es hatte da eine sehr interessante Technik die aussah wie eine Robbe (tadaa). Sitzen konnte es von selber mit ca. 8 Monaten, krabbeln ca. einen Monat später. Nach jeder neu gelernten Sache gab es eine Phase des Ausbaus der Fähigkeit, bis dann das nächste dran war.
Nicht so beim Baby. Es will alles und das auch bitte gleichzeitig. Kaum schafft es sich seine Hände in den Mund zu stecken, versucht es sich meine Hände in den Mund zu stecken. Alles was mit den kleinen Ärmchen herangerafft werden kann, wird Richtung Gesicht und weit geöffneten Mund gezogen. Wenn es meine Hände ansieht, kann man quasi sehen, wie sich die Synapsen in seinem Gehirn verknüpfen, so aufmerksam ist es dabei. Und dann kommen auch schon seine Hände und greifen (!) nach meinen Fingern. Ja, Greifen wird natürlich auch schon geübt, etwas festhalten, was man ihm gegeben hat oder das es zufällig in die Hände bekommen hat klappt schon ganz gut, jetzt wird direkt zugepackt. Also versucht, zuzupacken. Denn das klappt natürlich genauso wenig wie das vorwärts bewegen in Bauchlage, aber davon will das Baby nichts wissen. Und da die Frustrationstoleranz bei Babys nicht allzu großzügig bemessen ist, sind unsere Tage momentan von Gemecker geprägt (nicht echtes Geschrei, nur so eine Dauerunzufriedenheit), gefolgt von Fressattacken und langen Schlafepisoden. Dass das alles zusammenhängt ist mir auch klar, aber das schlaucht halt auch mich ganz schön. Und teilweise komme ich dann eben auch zu gar nix, so wie heute. Nach der morgendlichen Plackerei musste das Baby mich dann nämlich erstmal aussaugen, um dann zu schlafen (auf mir drauf, ohne Chance es abzulegen), um dann nochmal ausgiebig zu speisen, und dann wieder einzuschlafen. Ich habe derweil 8 Folgen „Girls“ gesehen. Damit habe ich alleine heute mehr Sex gesehen, als ich in den letzten drei Monaten… ach lassen wir das. (Und ein neues Wort gelernt, siehe Titel.)


Herrn Rabes Firma ist heute in ein anderes Gebäude umgezogen. Deshalb wars auf der Arbeit etwas chaotisch und nicht so schlimm, dass er in seiner Mittagspause zur Polizei musste, um Unterlagen zur Registrierung des Babys nachzureichen. Dabei bemerkte er dann auch, dass er noch den Kindergartenrucksack des Kindes in seinem Rucksack hatte. Da dieser Fauxpas aber tatsächlich eine absolute Ausnahme war, weil Herr Rabe nämlich alles andere als ein Idiot Dad ist, fände ich es ja total gut, wenn er was zum #noIdiotDad vom Nuf schreiben würde. Nur mal so.


Festgelesen beim Gewünschtesten Wunschkind über (Klein-)Kinder und Kooperation. Ist hier ja auch so ne Baustelle (wo nicht?). Sehr gute Artikelserie zum Thema, Leseempfehlung für alle Babyeltern. Am besten ist es nämlich, wenn man die frühkindliche Kooperationsbereitschaft nicht erst versehentlich abgewöhnt, das ist einleuchtend, aber im Falle des Kindes wohl zu spät :/ .

Tag 67 – Fünffachopa

Heute war ich ja bei dem Projektmeeting. Mit Baby. Natürlich war das Baby zunächst mal ein Hingucker, dann sagte mein Chef auch noch „You don’t look too tired!“ und ich entgegnete ein trockenes „Jaha, well, fake it ‚til you make it!“ und hatte dann auch die Lacher auf meiner Seite. Bei dem Meeting waren sechs Leute außer mir, von denen haben fünf Kinder. Das ist, was ich an Norwegen so mag: Hier haben alle Kinder und die meisten haben mehrere. Viele kriegen auch relativ jung Kinder. Die meisten Mütter nehmen ca. 10 Monate Elternzeit und kommen dann Vollzeit zurück. Die meisten Väter nehmen 10 Wochen, aber viele auch mehr. Manche Eltern reduzieren dann ihre Arbeitszeit auf 80 %, manche nicht. Aber niemand käme auf die Idee, ein Vollzeit arbeitendes Elter als Rabenelter zu betiteln. Und weil halt alle Kinder haben, wird SELBSTVERSTÄNDLICH kein Meeting auf irgend eine komische Zeit gelegt, sondern man schafft es danach immer noch bequem zum Kindergarten oder zur Schule zum Abholen. Und weil halt auch alle mal Babys hatten, ist so ein Baby im Meeting (nach der ersten Oh-Gott-ist-das-süüüüß-Euphorie) auch nichts besonderes. Auch nicht, dass man mal zwischendurch Stillen muss oder das Baby quakt. Lediglich als das Baby sehr geräuschvoll die Windel füllte, erntete es kurze Lacher und ich bekam (vom Vater dreier Söhne) einen wissenden Schmunzelblick zugeworfen. Leider ist mein Hirn tatsächlich etwas Babymatschig geworden, sodass ich relativ lange brauchte, um wieder ins Thema zu kommen. Aber egal, das kommt auch alles wieder. Bekomme jetzt erst mal von meinem Chef die Dissertation eines Kollegen geschickt, die ich dann auch nicht lese.

Nach dem Meeting trank ich noch einen Kaffee mit meinem Chef, der mir dabei die amüsante Geschichte erzählte, wie er auf seine Enkelkinder aufpasste. Er ist nämlich gestern zum fünften Mal Opa geworden, weil eine seiner Töchter ihr viertes Kind bekommen hat. Er hatte wohl im Zuge dessen versprochen, zur Geburt auf die drei älteren Kinder aufzupassen. Er hat einen super Draht zu seinen Enkelkindern, nimmt sie oft mit in den Urlaub, in die Wochenendhütte oder zu sich nach Hause. Manchmal sind auch welche bei uns bei der Arbeit, wenn irgend ein „Opa-Tag“ in der Schule ist. Ich möchte bitte für meine Kinder auch so nen tollen Opa in der Nähe haben! Aber ich schweife ab. Jedenfalls ist seine Tochter samt Schwiegersohn am Dienstag um zwei ins Krankenhaus gefahren und hat ihn benachrichtigt, dass er bitte die Kinder von Schule und Kindergarten abholen solle. Mein Chef verließ daraufhin etwas panisch die Arbeit und sammelte alle Kinder ein. Fuhr zu den Kindern nach Hause, machte Essen. Dann war es wohl recht spät und die Kinder natürlich einigermaßen aufgeregt, bis alle mit geputzten Zähnen im Bett lagen war es ein mittlerer Kampf mit, Zitat, „unerträglicher Geräuschkulisse“. Und dann erst der nächste Morgen. „Die müssen ja alle wieder um acht in der Schule und im Kindergarten sein! Mit Brotdosen und allem und ich weiß nicht mal wo alles ist! Und dann sind die unorganisiert, und jeder muss noch kurz was spielen und alle laufen durcheinander! Ich weiß nicht, wie meine Tochter und ihr Mann das sonst machen, ich war um acht dann völlig fertig und wollte eigentlich wieder ins Bett. Das war die Hölle!“
Und zu dem Zeitpunkt dachte er noch, damit wäre es getan, aber das Baby ließ auf sich warten und so durfte er nachmittags wieder ran. Am Wochenende fährt er jetzt alleine zu seiner Hütte: „Ich brauch jetzt mal ein paar Tage ohne Kinder!“.

Tag 44

Es gibt jetzt eine blogroll-Langform. Jucheh.

Ich bin aber auch müde und so, deshalb nur fix was heute und gestern so war:

  • Das Kind hustet und schläft schlecht, will auf mir drauf liegen aber das geht nicht, weil da schon das Baby liegt. Außerdem knirscht es mit den Zähnen.
  • Ich schlafe dementsprechend schlecht bis gar nicht.
  • Statistikkurs war eher so meh heute wieder. Außer das Kollegin A. aus dem Urlaub wieder da ist und jetzt mit mir leidet. Und das Baby bewundert, wie niedlich es die ganze Zeit schläft (an mir dran).
  • Möglicherweise haben wir endlich einen Schnuller, der vom Baby akzeptiert wird. Das heißt, wir müssen jetzt vielleicht nicht mehr ständig unsere kleinen Finger ins Baby halten.
  • Das Baby hat heute beim Abhalten ins Waschbecken gekackt und das Kind damit schwer beeindruckt (das Kind saß auf dem Klo, deshalb das Waschbecken).
  • Gestern Barselgruppentreffen. Meine Bullshittoleranz wird sehr auf die Probe gestellt von der einen. „Also ich arbeite ja im Kindergarten, und das ist sooo ein großer Unterschied zwischen Mädchen und Jungen, Mädchen sind halt ruhiger und Jungs haben mehr Energie…“ Ich wünsche mir Valium oder dass ich nochmal deutlich besseres norwegisch kann, damit ich der mal auseinandersetzen kann, wie solche Annahmen erstens zustandekommen und zweitens durch Leute wie sie die sozial konstruierten Geschlechterunterschiede für die nächste Generation wieder zementiert werden.
  • In meinem linken Ohr piepts immer noch.
  • Hab ich erwähnt, dass ich müde bin?