Tag 54 – Familienbett auf 1,60m?

Damals. Ich war schwanger mit dem Kind. Und wurde von einer Kollegin gefragt, ob Herr Rabe denn auch was bauen würde für das Baby, denn „Das machen Männer doch so.“ Davon, dass Männer das so machen war ich genauso überrascht wie Herr Rabe, aber da wir schon länger nach einem Beistellbett für unser Bett gesucht hatten und in unserem Preissegment nicht fündig geworden waren, baute Herr Rabe tatsächlich ein wunderhübsches Beistellbettchen, passend zur geschenkten Kokosfaser-Super-Babymatratze. Ich nähte ein paar Spannbettlaken dazu und als das Kind dann geboren war, legten wir es in das Bettchen und es schlief da selig und wenn es Hunger hatte, rollte ich mich zu ihm oder es zu mir und ohne richtig aufzustehen wurde gestillt und dann räumte ich meistens das Baby wieder zurück. Als das Kind zu groß wurde für das kleine Bett, bekamen wir ein Babybett mit Gittern geschenkt, montierten die eine Gitterseite ab und stellten es an unser Bett. Es waren so zwar ca. 10 cm Höhenunterschied zwischen den Matratzen, aber da das Kind zu dem Zeitpunkt eh angefangen hatte, mir nachts hinterherzurobben, fand ich das ganz gut, denn unser Bett war nur 1,40 m breit und mit Kind fand ich das sehr eng. Dann zogen wir nach Norwegen und bekamen ein 1,60 m breites Bett, eine 2,40 m breite Bettdecke und das Kind sein eigenes Zimmer. Da schlief es auch fortan ein, mal mit mehr und mal mit weniger Mühe, irgendwann war es uns zu doof, nachts mehrmals in seinem kalten Zimmer zu stehen bis es wieder eingeschlafen war, also holten wir es zu uns ins Bett wenn es aufwachte. Irgendwann kam es von alleine, wir mussten nur die Türen auflassen. Das war für uns alle so völlig in Ordnung und eigentlich fand ich das kuscheln im Bett auch meistens schön (das Kind schläft manchmal sehr unruhig und so ne kleine Faust die einen mit einem unvermitteltem Schlag ins Gesicht aus dem Tiefschlaf reißt… naja, denken Sie sich den Rest). Auch als ich wieder schwanger war, ging es so weiter, das Kind kam irgendwann des Nachts zu uns getapert, legte sich zwischen uns (den Bauch schirmte ich mit einem Stillkissen gegen eventuelle Tritte ab) und schlief weiter. Wir importierten fürs neue Baby das Beistellbett, das hatte ja schon beim Kind so prima geklappt. Als dann das Baby geboren wurde, mochte ich es die ersten Nächte nicht wirklich von mir weglegen und diesmal ließ ich mir auch nix einreden und genoss einfach die Nähe. Nach ca. einer Woche legten wir das Baby das erste mal ins Beistellbett, in einem der winzigen Schlafsäcke, es sah ganz bezaubernd aus. Leider war das Baby in seinem eigenen Bett sehr unruhig, wühlte herum und fing schnell an zu meckern. Also kam es wieder in unser Bett. Da war es allerdings mit dem Schlafsack viel zu warm, also ohne Schlafsack unter unsere riesige Decke. Wir probierten es immer mal wieder mit dem „eigenen“ Bett, aber das Baby möchte gerne maximalen Körperkontakt mit mir. Manchmal beruhigt es sich nur auf meiner Brust. Das Problem ist nur: ich kann so nicht schlafen. Ich kann mich nicht so bewegen, wie ich gerne möchte, ich verharre in einer Position teils stundenlang, dabei bewege ich mich sonst im Schlaf recht viel. Außerdem bin ich in ständiger Alarmbereitschaft: ist dem Baby zu warm? Zu kalt? Legt sich das Kind gerade aufs Baby? Haut oder tritt das Kind im Schlaf? Und, mein absoluter Albtraum: liegt das Baby unter der Decke* und erstickt? Zusätzlich zu den zwei- bis dreistündlichen Schlafunterbrechungen durch Stillen ist das irgendwann ziemlich belastend, nicht richtig zur Ruhe zu kommen. Zu viert auf 1,60 m ist es zudem wirklich eng und ich habe schonmal vorsorglich Platzangst vor der Zukunft, wenn das Kind sechs Jahre alt ist und immer noch jede Nacht zu uns ins Bett kriecht, wo dann aber ja schon ein Dreijähriges liegt…
Was ich mir wünsche, um die Schlafsituation für mich wieder angenehmer zu gestalten? Dass das Baby bitte bitte in seinem Beistellbett schläft. Und ein größeres Bett. Für die Zukunft.

*Heute morgen kam ich nach dem Kaffee kochen ins Schlafzimmer um den Rest der Familie zu wecken und bekam fast einen Herzinfarkt, weil das Baby unter die Decke gerutscht war. Nix passiert. Aber jetzt wird das mit dem Beistellbettchen nochmal extra forciert!

Tag 52

Heute war wirklich nichts los hier, außer dass ich wegen eines ausgefallenen Lunchdates viel Zeit hatte und endlich ein paar überfällige Anrufe erledigt hab. So wird denn jetzt Montag auch endlich (!!!) der Klempner kommen und unsere Dusche fertig machen, hat ja auch nur sieben Monate gedauert. Außerdem schickt das alte Gesundheitszentrum die Unterlagen vom Kind an das neue Gesundheitszentrum. Damit der alte Hausarzt die Unterlagen an den neuen Hausarzt schicken darf, muss ich ein Formular ausfüllen und beim nächsten Besuch mitbringen. Ich muss aber eh übernächste Woche wieder zum Blut abnehmen da hin, da kann ich das dann abgeben. Dann gab es eine einigermaßen absurde Situation mit zwei Zahnarztpraxen und dem neuen Gesundheitszentrum. Weil das Kind ja drei wird, muss es nämlich zum Zahnarzt und der ist dann hoffentlich super super nett und macht, dass das Kind keine Angst vorm Zahnarzt bekommt. Oma hat schlimm Angst vorm Zahnarzt, Mama gar nicht, ich sag mal so, keine Angst haben ist auch für die Zahngesundheit besser. Aber egal, jedenfalls hatte mir das Gesundheitszentrum beim letzten mal als ich da war gesagt, ich solle Zahnarzt A anrufen und einen Termin für das Kind ausmachen.

Tante: Zahnarztpraxis A, sie sprechen mit schrwblbr, was kann ich für Sie tun?
Ich: Hallo, ähh, ich wollte nur wissen, ob Sie für mich zuständig sind, wir sind beim Gesundheitszentrum X.
Tante: Ahh, ähh, weiß ich nicht, ich frag mal grad.
Im Hintergrund: Uopolos galopolos helsestasjonuopolos? – Ähh oupolos galopolos blurblblurbladetannklinikkopolos!
Tante: Nee, da müssen Sie bei Zahnarztpraxis B anrufen, die ist für sie zuständig.

Anruf bei Zahnarzt B.
Tante: Zahnarztpraxis B, abliglugl am Apparat?
Ich: Ja, guten Tag, mein Kind wird bald drei und wir sind aber umgezogen und haben das Gesundheitszentrum gewechselt und ich weiß nicht, wer jetzt für uns zuständig ist.
Tante: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012
Tante: Name?
Ich: Das Kind.
Tante: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer.
Tante: Nein, da sind wir nicht zuständig. Das ist Zahnarztpraxis A.
Ich: Aber da hab ich grad angerufen und die wussten von nichts!
Tante: Ja, da kann ich nichts machen, das geht nach Straße und sie sind hier bei uns falsch, tut mir leid.
Ich: Ja hmm, ok, kann man nichts machen.

Anruf beim Gesundheitszentrum X (vielleicht hab ich ja auch was falsch verstanden).
Tante: Gesundheitszentrum?
Ich: Ja, hallo, ähh, Sie hatten beim letzten Mal gesagt, ich soll Zahnarztpraxis A anrufen und einen Termin für mein Kind ausmachen, aber die haben jetzt gesagt, ich soll Zahnarzt B anrufen aber B sagt, ich soll A anrufen und jetzt weiß ich auch nicht.
Tante: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012
Tante: Name?
Ich: Das Kind.
Tante: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer.*
Tante: Ahhh, ja, nee, da ist das tatsächlich Zahnarzt A, der ist für Sie zuständig, das geht nämlich nach Straße weil wir mit einem anderen Gesundheitszentrum zusammengelegt worden sind und die Zahnärzte sind aber die selben geblieben.
Ich: Ah ja. Ok. Vielen Dank.

Anruf bei Zahnarztpraxis A. Leicht abgenervt.
Tante: Zahnarztpraxis A, schubldiblubl am Apparat?
Ich: Ja, hallo, ich hatte eben schon mal angerufen, wegen dem Kind und da sagten Sie ich soll bei Zahnarzt B anrufen, aber der ist nicht zuständig wir wohnen nämlich…
Tante: Ähh, da haben sie bestimmt mit meiner Kollegin gesprochen…
Im Hintergrund: Uopolos nervigetrullauopolos? – *schluffschluffschluff*
Tante2: Jaaa?
Ich: Ja, äh, also ich hatte vorhin schonmal angerufen und ich bin jetzt ganz sicher, dass sie für uns zuständig sind, wir wohnen nämlich daundda!
Tante2: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012!
Tante2: Name?
Ich: Das. Kind!
Tante2: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer!
Tante2: Ja, das stimmt, da sind wir zuständig, aber wir haben noch keinen einberufen von den Dreijährigen, wollen Sie trotzdem schon mal einen Termin haben?
Ich: *denkt: nee, ich ruf aus Spaß bei drölfzig Leuten an, ist eigentlich total egal, ich hab nur sonst nix zu tun* Ja, das wäre gut.
Tante2: Wie wärs denn mit morgen, 10:30 Uhr?
Ich: Äh, was? Morgen? Nee, morgen ähhhh da hab ich, nee, das geht nicht.
Tante2: Wie wärs am 14. um 14:20 Uhr?
Ich: Ja, das klingt besser.
Tante2: Dann kriegen Sie ne Terminbestätigung per SMS einen Tag und eine Stunde vorher.
Ich: Super!

Hoffentlich sagt der Zahnarzt, dass das Kind mal aufhören soll mit dem Schnuller. Es nimmt den zwar nur noch nachts, aber vielleicht hat der Arzt da mehr Autorität als die blöden Eltern…

*Völlig absurd, das abzufragen, es ist ja nicht so als gäbe es hier Datenschutz! Ist doch eh alles registriert! Gnaaa, norwegische Bürokratie.

Tag 50

Wieder so ein Hasstag. Warum?

  • Kopfschmerzen
  • Baby brüllt viel, ist eigentlich nur an der Brust zufrieden –> man kommt zu nix
  • Erste Mahlzeit um 13:30 Uhr
  • Kaffee um 15:00 Uhr
  • Kind hustet, hat letzte Nacht entsprechend schlecht geschlafen (und ich auch) und wird auch diese Nacht schlecht schlafen (und ich auch)
  • Baby rotzt auch wieder rum
  • Komplette Ladung Wäsche stinkt nach Fisch wegen „tollem“ Öko-Waschmittel, das Tran-Geruch nicht wegbekommt
  • Kind zu spät im Bett –> Heulerei wegen jedem Scheiß (Der Duploturm ist falsch gebaut! Wäääähhhhhh!!! Das muss so wie Oma das gemacht hat! Wääähäähäää! Nein, mit Tür!!! Wähähähähääääääää!!! (Wenn ich nur wüsste, was das Kind meint…))
  • Morgen dämlicher Statistikkurs…
  • … falls ich nicht Recht behalte und das Kind über Nacht Fieber ausbrütet, dann zu Hause mit nöligem Baby und krankem Kind

So, das sind genug Gründe um direkt und ohne Umwege ins Bett zu gehen. Gute Nacht.

Ach ja: Und irgendwer oder -was hat gegen unseren Kinderwagen gepinkelt! Im Hausflur! Das war überhaupt die Krönung! Ich denke mal es war ne Katze oder so. Ich hoffe wirklich, dass unsere Nachbarn uns nicht so sehr hassen.

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Beweisstück A. Pinkelspur an Kinderwagen.

Gut, dass man mit Feuchttüchern alles wegbekommt.

Tag 49

Es ist kalt, feucht und die Blätter fallen von den Bäumen. Dann wird es jetzt wohl Herbst. Ich persönlich finde Herbst ja gut eigentlich, schließlich ist mir im Sommer immer zu heiß und als hellweißer Hauttyp bin ich auch ungern in der Sonne. Allerdings hat sich das geändert, seit wir in Norwegen wohnen, weil hier der Sommer, wenn auch viel zu kurz, so doch klimamäßig perfekt ist. Will sagen, 25 Grad, Sonnenschein, ein bisschen Wind vom Fjord (riecht fast wie Meer). Dadurch hat der Herbst aber auch all seinen „Puhhh, endlich nicht mehr so heiß“-Charme verloren und dementsprechend finde ich jetzt 8 Grad und Morgennebel nur mäßig schön. Vor allem, weil das jetzt so weitergeht bis Dezember, dann gibts Schnee, der ist dann bis März (oder Mai), Frühling lässt ewig auf sich warten und ist entweder sehr sehr kurz (2014) oder sehr sehr lang und regnerisch und doof (2015). Herbst: 4 Grad und Regen. Tolle Aussichten. Und Stillbedingt kann ich Wollpullis nicht tragen, dann hat das Baby dauernd Wollfussel im Mund und außerdem kann man die so schlecht hochschieben, dann hat man so ne dicke Wollwurst unter den Achseln und kann das Baby kaum noch erahnen. Alles irgendwie suboptimal. Oder ein Grund, doch mal Stillkleidung zu kaufen. Aber dann sieht man immer sofort: Aha! Die stillt also (noch)! Meh.

Was aber gut ist am Herbst: endlich ist es kalt genug, de Baby seine von Freundin A. selbst gestrickte Bommelmütze aufzusetzen und Die. Ist. So. Süß.

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Liebe Freundin A.: vielen vielen Dank nochmal! <3 (Das Kind will übrigens, dass du zu seinem Geburtstag kommst. Ich glaube, es ist ein bisschen verliebt in dich!)

Falls Sie sich fragen, warum ich da einen Waschlappen zwischen mich und das Kind geklemmt habe: Ich schwitze viel und das Kind hatte dann nach dem Tragen immer so nen Schwitzeschmadder im Gesicht, bis ich diese geniale Technik entwickelt hab. Hilft auch etwas um eventuelle Babykotze aufzufangen. Jedes Kind in unserem Haushalt bekommt zur Geburt 40 Waschlappen (aus dem großen gelb-blauen Möbelhaus). Damit werden dann Popos abgewischt, als Windeleinlage genommen, der Wickeltisch abgedeckt, Schwitzerei vermieden, Stillsabberei vermieden, Babykotze weggemacht, später Essen aus dem Gesicht entfernt (Und vom Tisch, Essplatz, Stuhl…), Schnodder weggemacht, Kindergartendreck abgerubbelt und manchmal benutzen wir sie sogar als Waschlappen.

Man kann bei schlechtem Wetter auch prima in der Wohnung verstecken spielen. Allerdings ist das Kind da scheinbar noch zu doof klein für.

2015-09-26 15.05.09

War noch was heute? Ach ja, ich bin jetzt Vollmitglied in dem pinken Muttisport-Fitnesstudio. Und ich werde jetzt anfangen, dieses Buch zu lesen. Meine Erwartungen sind nach „The Corrections“ und „Freedom“ extrem hoch. Ich werde berichten.

2015-09-22 14.23.15

Tag 48

Wheee! Wir haben soeben unseren Weihnachts-Heimaturlaub gebucht! Ich werde mit den Kindern am 13. Dezember total mutig alleine losfliegen, Herr Rabe kommt dann am 20. nach (der arme Mann muss ja arbeiten, kann ja nicht jeder Geld fürs Nichtstun 24/7 Kinderbetreuung bekommen) und dann fliegen wir am 7. Januar zusammen wieder zurück. Wo wir in der Zeit wohnen ist so halb klar, aber es wird schon irgendwie gehen, sonst halt doch die schicke Wohnung im Westen von AirBnB. Nächster Schritt werden die Bahntickets (Hurra Direktverbindung im ICE! Und ich werde im Zweifel Stillend durch den ICE wandern, wenn mir eine/r doof kommt, hetze ich das Kind auf sie/ihn!) und mir irgendwen an den Flughafen organisieren, der mir hilft, die zwei Blagen und tausend Koffer von Schönefeld zum Hbf zu bekommen. Oder zumindest von Schönefeld zur S-Bahn. Leider ist das Kind ja wie zehn Sack Flöhe momentan. Oh, und wir brauchen ein PramPack für den Kinderwagen! Eieiei, das wird ne Aktion.

Außerdem haben wir heute geputzt und das war sehr nötig aber jetzt findet man schon mal nicht mehr überall Haare der Freundin C., die ja auch schon vor zweieinhalb Wochen abgereist ist. Wir haben ja alle kurze Haare, Herr Rabe hat schon angefragt, ob C. wohl im Stress gewesen wäre, wegen des Haarausfalls, aber ich denke der hielt sich durchaus im Rahmen, nur kennt er das halt nicht, dass lange, dunkle Haare überall rumfliegen. Nächste Woche kommt die Babysitterin direkt wieder, dann noch mal drei Stunden putzen und dann kann ich (denke ich) meine Schwiegereltern hier reinlassen. Meine Schwiegermutter ist ja so eine Person, die einem als erstes nach der Begrüßung erzählt, was sie heute schon alles geputzt hat. Und mir ständig anbietet, was im Haushalt zu machen was zwar nett ist aber leider für mich nicht möglich, das anzunehmen, sobald es über Spülmaschine ein/ausräumen hinausgeht.

Außer der Haare hatte der Besuch von C. und Familie, vor allem Kind M., noch weitere Auswirkungen: Das Kind will jetzt wieder dauernd ein Lätzchen umhaben. Das ist höchstens so mittel. Dafür sagt das Kind jetzt öfter, wenn es abends müde und weinerlich ist, dass es ins Bett will. Das ist gut. Ins große (also unser) Bett. Das ist wieder nur so mittel.

Und das Kind hat ne Sollbruchstelle, ich bin mir inzwischen fast sicher: die Innenseite der Lippen. Jedes mal, wenn sich das Kind auch nur ein bisschen mehr als nur ein bisschen auf die Fresse legt, zum Beispiel weil es, wie heute, mit dem Laufwagen Roller fährt und dann vornüber kippt, schlägt es sich die Lippe auf. Jedes verdammte mal. Jedes mal ganz viel Blut und Tränen und versaute Klamotten. Und jedes mal hab ich Angst, dass es sich doch nen Zahn ausgeschlagen hat. Tut es aber nicht. Man sieht auch nie von außen was, es hat nur den Mund voller Blut und die Zunge ists nicht. Ob das an dem Überbiss liegt, der sich da (Schnullerbedingt?) gebildet hat? Es schlägt sich aber auch manchmal die Unterlippe auf, das würde ja dagegen sprechen.

Huch, so spät schon. Ich muss ins Bett, mein Rücken tut wieder ganz furchtbar weh nachdem ich gestern das Kind wegen im Auto eingeschlafen und heute wegen Aua herumgetragen hab. Also, das große Kind. 15 kg. Uff. Morgen Sport.

Tag 47 – Tran

Seit etwas über einer Woche bekommt das Baby jetzt Tran. Das ist das, was man in Deutschland unter Lebertran aus Erzählungen der Elterngeneration kennt. Es wird inzwischen nicht mehr aus Walleber hergestellt, sondern aus Kabeljau, aber im Prinzip ist es reines Fischöl. Reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Davon sollen Erwachsene und Kinder ab einem halben Jahr einen Esslöffel nehmen, kleinere Babys etwas weniger. Wenn man das nicht macht, verkümmert das kleine Babygehirn und alle springen aus dem Fenster wegen des langen Winters, zumindest wird das von der norwegischen Ernährungsgesellschaft so propagiert. Eigentlich soll man damit schon anfangen wenn das Baby vier Wochen alt ist, aber weil ich persönlich Tran ziemlich eklig finde, hab ich das wegprokrastiniert. Als mich jedoch die Schwester beim Gesundheitscheck dran erinnerte, dachte ich mir so, ach, schaden kanns ja nicht…

Also probierte ich es zuerst mit einem kleinen Plastiklöffel und „tut mir Leid, Baby, aber da musst du jetzt durch“-Gesicht und als das Baby Hunger hatte, damit es gleich mit Milch nachspülen konnte. Das war ungefähr so falsch wie nur möglich, das Baby fing an zu schreien, Tran landete auf seinen und meinen Klamotten und nur wenig in seinem Mund. Und wohin danach mit dem Löffel? Also Tran auch auf dem Tisch. Eine Katastrophe eigentlich. Vor allem, weil der Fischgeruch auch beim Waschen nicht aus der Kleidung zu bekommen ist*. E-kel-er-re-gend! Und dabei mag ich Fisch eigentlich! Aber ich will nicht, dass mein Baby so riecht!
Nachdem ich google gefragt habe, wie man Tran ins Baby bekommt, machen wir jetzt folgendes, und es funktioniert halbwegs:

  • Einen Moment abpassen, in dem das Baby satt und wach und zufrieden ist.
  • Baby nackt ausziehen (falls doch was daneben geht) und auf den Wickeltisch verfrachten.
  • Tran in einer kleinen Spritze aufziehen (ohne Nadel natürlich!) und in den Händen aufwärmen.
  • In kleinen Häppchen (ca. 0,5 mL) dem Baby zwischen Lippe/Wange und Kauleiste spritzen, möglichst weit nach hinten.
  • Falls das Baby was ausspuckt, sofort abwischen.
  • Warten, bis das Baby das runter geschluckt hat, dann das nächste Häppchen.
  • Als Abschluss unbedingt alle Hautpartien an die Tran gekommen ist, mit einem Babyöl-Läppchen nachwischen und mit einem trockenen Läppchen die Reste entfernen. Die Haut stinkt sonst nach Fisch und zwar so ziemlich für immer.
  • Positiv bleiben. Lächeln, sich mit dem Baby unterhalten. Lügen, dass das ja sooo lecker sei, finde ich persönlich nicht gut, aber man kann ja anders mit dem Baby reden, ich sage so Sachen wie „Das fühlt sich lustig an im Mund, ne? Das schmeckt ganz anders als Milch! Das ist total gesund!“
  • Selber Tran nehmen und ein gutes Vorbild sein finde ich schwer, vor allem das mit dem positiv sein dabei. Ich nehme Tran, aber ich halte mir dabei die Nase zu und spüle mit sehr viel von irgendwas mit Geschmack nach. Das ist wohl kein adäquates Vorbild-Verhalten. (Als ich schwanger war gings gar nicht. Einen Esslöffel Öl schlucken, wenn man schon von Joghurt würgen muss. Görgs.) Herr Rabe nimmt Vitamin D als Kautabletten.

Das große Kind weigert sich standhaft, irgendwas zu nehmen, was Medizin sein könnte, seit es mal Antibiotika nehmen musste. Dafür isst es gerne Tran-Fische. Da hat irgendein Perversling sich überlegt, Tran mit Gelatine und unfassbar viel den Fischgeschmack übertünchendem Aroma und Süßstoff und Farbstoff in kleine Fische zu gießen, so ein bisschen wie Weingummi. Das ist des Kindes Highlight** nach dem Kindergarten, wenn es einen Fisch essen darf. Und schon alleine, damit ich wenigstens ein Kind habe, das den Tran (von mir aus mit Nase zuhalten) ohne zusätzliche Chemiescheiße nimmt, zieh ich das beim Baby jetzt durch und hoffe, dass es eine positive Einstellung zu dem Ganzen bekommt. Und nebenbei frage ich mich gerade, wieso ich beim Kind am Anfang skeptisch gegenüber den (kostenlosen!) Vitamin-D-Tabletten war. Denn schlimmer gehts immer. Es hätte Tran sein können.

*Beim zweiten Mal Waschen gehts raus, wenn man die Flecken mit Gallseife vorbehandelt. Nur so als Tipp.

** Highlight 2: Fluortablette, wenns abends ordentlich Zähne geputzt hat. Also, gelassen hat. Die mit Tuttifrutti-Geschmack.

Tag 45

Anleitung zum Babysein, 1. Übung: Faust in den Mund

  • Hand zur Faust ballen, auf Hüfthöhe halten.
  • Hand mit den Augen fixieren. Während der Übung die Hand NIEMALS aus den Augen lassen, sie könnte sich in Luft auflösen! Nicht blinzeln!
  • Arm mit ruckartigen Bewegungen langsam Richtung Kopf bringen.
  • Wenn die Hand auf Schulterhöhe angelangt ist, kurz verharren um die Hand in Sicherheit zu wiegen. Jetzt ist es besonders wichtig, dass die Hand weiter im Blick behalten wird. Auch wenn man dann schielen muss!
  • Blitzschnell die Hand in Richtung Mund bewegen.
  • Sollte der Mund getroffen worden sein, sofort mit dem Lutschen und Saugen beginnen.
  • Wurde statt des Mundes das Auge, die Stirn oder die Wange getroffen, Hand zurück zur Schulter bewegen und von dort neu beginnen.
  • Sonderfall: Wurde statt des Mundes das Ohr getroffen, kurz aber kräftig daran ziehen. Dann meckern, weil man am Ohr gezogen wurde.
  • Sollte der Mund den Kontakt zur Hand verlieren, von vorn beginnen.
  • Nach ca. vier Wiederholungen Gemecker einleiten, weil das Spiel doof wird.

Das Baby hat seine Rotvirus-Impfung bekommen und fand es gut. War ja auch keine Spritze sondern Schluckimpfung die wohl sehr süß schmeckt. Während ich noch mit der Schwester darüber sprach, wieso es in Norwegen oder Deutschland eigentlich keine Impfungen als Nasenspray gibt, kackte sich das Baby astrein ein. Innerhalb von drei Nanosekunden ab Gebrumm war es dann auch schon hinten aus der Plastikwindel herausgekrochen und hatte Body und Hose senfgelb durchtränkt. Toll. Sonstige Impffolgen bisher: großer Hunger und seitdem schläft es eigentlich die ganze Zeit…


Heute war wieder Ballett. Unsere Gruppe hat sich selektiert auf die Leistungsstarken und mich. Hmm ja, also mit einer etwas anderen Perspektive bin ich dann wohl doch nicht soooo gut. Hust. Eigentlich tanze ich gerne in Gruppen, die etwas über meinem Niveau liegen, weil ich den Anreiz brauche um besser zu werden. Aber als der Trainer dann fragte, wer von uns denn Fouette-Pirouetten könne, weil die so schön in das Stück passen würden, musste ich dann doch ein bisschen hysterisch lachen. Für alle, die nicht wissen was das ist: Fouette. In Black Swan übt Natalie Portman die vor dem Spiegel zu Hause und reißt sich derbe den Zehennagel ein. Schade Gut dass wir zu Hause nicht so einen Spiegel  haben, sonst müsste ich die jetzt echt üben. Muhahaha.


Ich kann kein Französisch. Also sprechen, Sie Ferkel. Immer wenn ich beim Ballett bin und noch schlimmer, wenn ich drüber schreiben will, fällt es mir wieder auf. Ich hab in der Schule Latein gelernt, weil meine Mutter sich seinerzeit nicht gegen meine Großeltern durchsetzen konnte. Was eine Verschwendung an Lebenszeit. Französisch klingt so schön und irgendwann wenn ich mal total viel Zeit hab, lerne ich Französisch. Und nein, es wird mir nicht leichter fallen, weil ich ja schon Latein kann und man dann ja andere romanische Sprachen und blablablabla. Denn, Überraschung, ich kann kein Latein. Ich kann noch so Wörter sagen, wie „Ablativ“ und „Nominativus cum Infitivum“, bin mir aber schon gar nicht mehr sicher ob die Endungen bei letzterem jetzt richtig sind. Und da ich auch kein Bedürfnis verspüre, mich jemals mit dem Papst zu unterhalten, ist das ja auch nicht schlimm. Aber kein Französisch können ist schon blöd.


Herr Rabe hat tatsächlich was geschrieben. Aber es ist noch ein Draft. Teaser :)

Tag 44

Es gibt jetzt eine blogroll-Langform. Jucheh.

Ich bin aber auch müde und so, deshalb nur fix was heute und gestern so war:

  • Das Kind hustet und schläft schlecht, will auf mir drauf liegen aber das geht nicht, weil da schon das Baby liegt. Außerdem knirscht es mit den Zähnen.
  • Ich schlafe dementsprechend schlecht bis gar nicht.
  • Statistikkurs war eher so meh heute wieder. Außer das Kollegin A. aus dem Urlaub wieder da ist und jetzt mit mir leidet. Und das Baby bewundert, wie niedlich es die ganze Zeit schläft (an mir dran).
  • Möglicherweise haben wir endlich einen Schnuller, der vom Baby akzeptiert wird. Das heißt, wir müssen jetzt vielleicht nicht mehr ständig unsere kleinen Finger ins Baby halten.
  • Das Baby hat heute beim Abhalten ins Waschbecken gekackt und das Kind damit schwer beeindruckt (das Kind saß auf dem Klo, deshalb das Waschbecken).
  • Gestern Barselgruppentreffen. Meine Bullshittoleranz wird sehr auf die Probe gestellt von der einen. „Also ich arbeite ja im Kindergarten, und das ist sooo ein großer Unterschied zwischen Mädchen und Jungen, Mädchen sind halt ruhiger und Jungs haben mehr Energie…“ Ich wünsche mir Valium oder dass ich nochmal deutlich besseres norwegisch kann, damit ich der mal auseinandersetzen kann, wie solche Annahmen erstens zustandekommen und zweitens durch Leute wie sie die sozial konstruierten Geschlechterunterschiede für die nächste Generation wieder zementiert werden.
  • In meinem linken Ohr piepts immer noch.
  • Hab ich erwähnt, dass ich müde bin?

Tag 42 – Erdnüsse und Bier

Ich habe endlich ein Blogroll erstellt. Kann mensch in dem Menü oben sehen. Was ich auch heute erstellt habe. Ein Eintrag mit Erläuterungen zu den Blogs folgt… bald.

Da das mit den Menüs ziemlich lange gedauert hat (ich hatte mir das anders vorgestellt und dann sah das erst ganz scheiße aus, aber ich bin ja auch zu geizig, um für fancyere features hier zu bezahlen) und außerdem die vierte Maschine Wäsche läuft, davon die zweite mit kaum was drin, aber Flecken der Sorte „ach du Scheiße, das darf nicht eintrocknen, sonst geht das nie wieder raus!“ im 20-Minuten-Kurzprogramm, entschuldigen Sie mich bitte für heute. Ich geh jetzt Wäsche aufhängen und dann schlafen.

Tag 39 – „5 minutes of fame“ oder „You’re big on twitter“

Heute war eigentlich ein ganz normaler Tag, aber dann passierte was verrücktes. Ich bekam eine email.

Familienbetrieb Betriebsfamilie gefällt einer Deiner Tweets

Dazu muss man wissen, Familienbetrieb, das ist einer von den ganz Großen. Quasi ein Superstar der Familienblogs.
Anders kann es nicht sein, denn sonst hätte er ja keine Fans und ich, ja, ich bin ein Familienbetrieb-Fan.
Christian schreibt satirische Episoden aus dem Familienalltag, manchmal sogar als Mehrteiler. So darf man der Betriebsfamilie beispielsweise in den alljährlichen Bretagne-Urlaub folgen und ich muss sagen, das ist fast so gut wie selber in den Urlaub fahren. Nur lustiger. Über die Familienfeier hab ich mich schlappgelacht und ich weiß jetzt auch wieso ich nienieniemals Saftfasten werde.

Wenn also dem Familienbetrieb einer meiner Tweets gefällt, werde ich ein bisschen rot. Das muss so ähnlich sein, wenn man Musiker ist und dann gefällt deinem musikalischen Idol ein Song oder ein Album von dir. Ich habe einen sehr witzigen Menschen zum Schmunzeln gebracht! Hihi *verschämt wegguck*.

Soweit so gut, aber dann plingelte mein Handy plötzlich in einer Tour und hörte gar nicht mehr auf. Weil mit einem Mal lauter Leute diesen Tweet favten und retweeteten und mir folgten. Ich verstand gar nicht so recht was los war, bis ich auf die Idee kam, mir die Familientweets der Woche anzusehen. Hähä. Da war ja ich! Kann man nachträglich Lampenfieber bekommen? Es fühlte sich so an.

Ist das lächerlich, dass ich mich wie Bolle über ein paar likes und retweets und eine Handvoll neuer follower freue? Ja! Aber egal, ich freu mich so :D

Danke, Christian!

UPDATE: Uiuiui, jetzt werd ich doch direkt wieder rot, weil der liebe Herr Paul seine Leute hier herschickt. Was ein Tag. Vielleicht sollte ich mich zur Ruhe setzen, besser wird’s nicht. (Herr Paul les ich auch gerne! Kann ich auch nur empfehlen, ist was ganz anderes, auch mehr so ein Tagebuchblogger als ein Artikelblogger. Und er macht Essenspläne! Essensplangeschwister im Geiste…)

Note to self: Ich muss ganz dringend ein blogroll machen.